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Schnitzeljagd per App Alzheimer: Mobilitätsdaten lassen auf geistige Fitness schließen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

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Forscher der Universität Magdeburg entwickelten eine Smartphone-App, die Personen mit erhöhtem Alzheimer-Risiko anhand ihrer Bewegungsdaten erkennt.

(Bild:  SewcreamStudio / Adobe Stock)
(Bild: SewcreamStudio / Adobe Stock)

Forscher der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und des Deutschen Zentrums für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben Personen mit erhöhtem Demenz-Risiko anhand ihrer Bewegungsdaten identifiziert. Hierfür wurden die Personen auf eine Schnitzeljagd über den Uni-Campus geschickt und ein Smartphone erfasste die Bewegungsdaten.

Die Studienergebnisse zeigen, dass Smartphone-Daten aus alltagsnahen Situationen zur Früherkennung und Verlaufskontrolle der Alzheimer-Erkrankung beitragen können. Insgesamt 72 Erwachsene nahmen an der Untersuchung teil – rund ein Drittel davon mit subtilen Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigkeit, die als Subjective Cognitive Decline (SCD) bezeichnet werden. Diese Symptomatik ist ein bekannter Risikofaktor für Demenz.

Wir haben festgestellt, dass sich über bestimmte Daten aus der App Personen mit erhöhtem Demenzrisiko zuverlässig identifizieren lassen.

Dr. Nadine Diersch, Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

Alzheimer: Entwickelt sich häufig unbemerkt

Alzheimer entwickelt sich im Allgemeinen über Jahre hinweg unbemerkt und führt langfristig zur Demenz. Die Erkrankung ist bislang nicht heilbar. „Aktuell wird Alzheimer oft zu spät behandelt, um eine wirksame Therapie zu gewährleisten. Auch die neuen Antikörper-Medikamente, die derzeit viel diskutiert werden, wirken nur, wenn sie frühzeitig verabreicht werden. Daher müssen wir in die Lage kommen, die Krankheit früher zu diagnostizieren, wenn die Symptome noch mild sind. Dazu sind Fortschritte in der Diagnostik nötig“, erklärt Dr. Anne Maass, Forschungsgruppenleiterin am DZNE und Gastprofessorin an der Universität Magdeburg.

Die Studie beruht auf einer Art Schnitzeljagd, bei der vorgegebene Orte gefunden werden mussten. „Wir haben festgestellt, dass sich über bestimmte Daten aus der App Personen mit erhöhtem Demenzrisiko zuverlässig identifizieren lassen“, Dr. Nadine Diersch. Die Neurowissenschaftlerin initiierte das Forschungsprojekt am DZNE. Das zeige, dass digitale Technologien ganz neue Möglichkeiten bieten, um die kognitive Leistungsfähigkeit unter alltagsnahen Bedingungen und zugleich niedrigschwellig zu erfassen. „Dies könnte in Zukunft helfen, auch kleinste kognitive Veränderungen und damit Vorzeichen von Demenz früher zu erkennen, als es heute geschieht.“

So funktioniert die Schnitzeljagd

Die Aufgabe wurde von den Probanden unabhängig voneinander durchgeführt. Dabei mussten nacheinander fünf Gebäude aufgesucht werden, die auf einer rund 800 Meter langen Route lagen. Als Taktgeber diente die Handy-App: Sie zeigte eine Straßenkarte mit der aktuellen Position und dem jeweils nächsten Ziel, inklusive Foto. Allerdings verschwand diese Darstellung, sobald sich die Probanden auf den Weg machten.

Die fünf Gebäude wurden von den Probanden meist in weniger als einer halben Stunde gefunden. Die jungen Teilnehmer haben insgesamt besser abgeschnitten. Sie sind im Mittel kürzere Wege gegangen und haben die Hilfe-Funktion im Allgemeinen nicht so häufig genutzt wie ältere Probanden. Unterschiede zwischen älteren Probanden mit und ohne SCD zeigten sich vor allem in der Anzahl sogenannter Orientierungsstopps.

Warum Menschen mit SCD gerade hier auffällig sind, ist bislang unklar. „Wir haben festgestellt, dass sie vor allem an Wegkreuzungen eher zögern. Das deutet darauf hin, dass bei ihnen gewisse Entscheidungsprozesse verlangsamt ablaufen. Die Daten lassen aber noch keine eindeutige Aussage zu“, so Dr. Diersch. „Dennoch sind unsere Studienergebnisse ein vielversprechender Machbarkeitsnachweis. Sie zeigen, dass Smartphone-Daten helfen können, subtile Anzeichen eines kognitiven Abbaus in alltagsnahen Situationen zu erfassen.“

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