Als Joint Venture von Microsoft und Accenture ist Avanade nah dran an OpenAI, das das Künstliche-Intelligenz-Tool ChatGPT entwickelt hat. Avanade hat seit einiger Zeit mit Florin Rotar einen eigenen „Chief AI Officer“ (CAIO) – einer der weltweit ersten in einem internationalen Unternehmen. Im Interview beschreibt er seine Aufgaben, erläutert den Umgang mit generativer KI und was bei der praktischen Umsetzung zu beachten ist.
(Bild: growth.ai/Adobe Stock)
Wie kam es zur Rolle des Chief AI Officer?
Florin Rotar: Wir haben bereits 2020 angefangen, generative künstliche Intelligenz zu nutzen. Daher sahen wir früh, welche Auswirkungen diese Technologie auf Kunden und Produktion haben wird. Wir haben zudem begonnen, GenAI auch intern zu nutzen. Meine Aufgabe ist es also auch, die gesammelten Learnings aus unseren Kundenprojekten bei Avanade wieder miteinfließen zu lassen. Wir sind davon überzeugt, dass KI das Potenzial hat, Prozesse und Menschen positiv zu verändern. Wir handeln hierbei verantwortungsbewusst sowie ethisch und beziehen die operative IT mit ein. Als CAIO bei Avanade nutze ich alle gewonnenen Erkenntnisse intern und mit unseren Kunden. Einige haben den Ehrgeiz, ihre gesamte Branche zu verändern. Wir möchten sie auf diesem Weg unterstützen.
Generell muss es künstliche Intelligenz Menschen ermöglichen, Aufgaben zu erledigen, die sie sich selbst nicht zutrauen. Der ethische Aspekt ist dabei wie erwähnt sehr wichtig, ebenso wie die Daten. Wir glauben, dass es bei KI nicht nur um Produktivität, Effizienz oder Kostensenkung geht, sondern vor allem darum die Anwender in den Mittelpunkt zu stellen. Ich verbringe etwa 60 Prozent meiner Zeit damit, mich auf die Menschen zu konzentrieren, 20 Prozent auf Daten und 20 Prozent auf die Technologie.
Künstliche Intelligenz benötigt einen ethischen Rahmen
Können Sie einen Überblick über die Erkenntnisse Ihrer neuen Studie zu künstlicher Intelligenz geben?
Florin Rotar ist Chief AI Officer (CAIO) bei Avanade, einem Anbieter von Microsoft-Services.
(Bild: Avanade)
Florin Rotar: Die meisten Kunden gehen in Bezug auf künstliche Intelligenz sehr überlegt vor. Viele Menschen beschäftigen sich mit Anwendungsfällen wie Wissensmanagement und Kundenservice, oder sie betrachten sie strategisch, beispielsweise CEOs auf Vorstandsebene. Bei alldem sind wir überzeugt davon, dass ein ethischer Rahmen bei KI vorhanden sein muss. Es gibt noch viel zu tun, um ein verantwortungsvolles KI-Framework zu etablieren. Zum Beispiel müssen Daten oft anonymisiert sein. Die Frage ist, wie man Mitarbeiter in den Unternehmen dabei unterstützen kann. Die von uns durchgeführte Studie zeigt, dass Unternehmen dem überwiegend zustimmen, aber bisher über kein eigenes Framework für künstliche Intelligenz verfügen.
Wie sieht es mit den Vorschriften der Europäischen Union aus?
Florin Rotar: Wir begrüßen die geplanten Vorschriften der EU. Sie sind notwendig, aber erst ein Anfang. Jedes Unternehmen braucht ein eigenes Regelwerk zur verantwortungsvollen KI-Nutzung, das die EU-Vorschriften sogar noch übertreffen sollte. Es gibt ja einen großen Unterschied zwischen dem, was sie tun können und dem, was sie tun sollen. Dennoch: Regulierung ist gut und dringend notwendig. Besser sie kommt etwas zu spät als überhaupt nicht.
Wie sieht die Partnerschaft von Avanade mit Microsoft im KI-Umfeld aus?
Florin Rotar: Wir haben die Technologie von Microsoft von Beginn an genutzt. Beispielsweise verwenden wir die KI-Anwendung Microsoft Copilot sehr intensiv. Wir stehen dem Ökosystem von Microsoft nahe, wovon wiederum unsere Kunden profitieren – wir können hier einen gewissen Vorsprung ermöglichen, einfach weil wir ihn selbst haben. Dabei ist es aber auch hilfreich, dass zu diesem Ökosystem auch viele Open-Source-Lösungen gehören. Eco Sustainability, Mitglied der Green Software Foundation, beispielsweise untersucht, wie wir die IT umweltfreundlicher machen können.
„KI-Akademie“ unterstützt Erlernen von Prompt Engineering
Welche Projekte planen Sie im KI-Umfeld, etwa beim Copilot?
Florin Rotar: Zunächst einmal:Technisch gesehen ist das nicht so schwierig, da es sich sozusagen um ein Add-on handelt. Vielmehr zählt, dass die User neue Wege im Umgang mit der KI und der Anwendung Copilot erlernen. Unternehmen müssen jedoch das Geschäftsszenario richtig hinbekommen und wissen, wer Copilot nutzen soll und wer hierzu geschult wird.Wir haben bei Avanade eine „KI-Akademie“ gegründet, um Prompt Engineering zu erlernen. Denn wir glauben, dass dies zu grundlegenden Anforderungen für alle Menschen gehören wird, die sich vor einen Bildschirm setzen. Alle müssen sich zudem darüber im Klaren sein, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit KI gelingen kann.
Für Geschäftskunden zählt, dass sie einen Mehrwert aus KI ziehen können. Dabei unterstützen wir, eben auch im Hinblick auf ethische und verantwortungsvolle Nutzung. Technisch gesehen ist es wie gesagt relativ einfach, weil Microsoft wirklich gute Arbeit geleistet hat. Ein Beispiel: Ich habe ein Mitglied in meinem Team, das unter Legasthenie leidet. Sie ist eine wirklich gute Beraterin, hat aber Probleme mit der Erstellung von Dokumenten. Wir haben ihr Copilot zur Seite gestellt, der ihr mit Vorlagen hilft. Dadurch erhält sie ein Dokument, bei dem 60 Prozent der Arbeit, die ihr schwerfällt, bereits erledigt ist. Meiner Meinung nach ist das ein gutes Beispiel dafür, wie man Mitarbeiter ermutigt und besser macht. Ich nutze den Copilot seit Anbeginn, und er unterstützt mich zum Beispiel, Besprechungen und nächste Schritte zusammenzufassen oder eine Powerpoint-Präsentation zu erstellen. Er hilft sowohl jungen als auch älteren Menschen bei ihrer täglichen Arbeit, und es passieren viele gute Dinge dabei.
Stand: 16.12.2025
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Künstliche Intelligenz kann betriebliche Probleme lösen
Haben Sie weitere Beispiele, etwa für Projekte in der Produktion oder im Einzelhandel?
Florin Rotar: Ja sicher. Einer unserer Kunden im Einzelhandel erhält von uns für seine Filialmitarbeiter KI-Tools für einen besseren Service, auf Basis eines optimierten Wissensmanagements. Es gibt auch bereits Anwendungsfälle, wo KI zur Lösung von Problemen an Fertigungslinien eingesetzt werden kann. Wenn dort etwas schiefläuft, müssen die Mitarbeiter in der Regel einen Blick auf die Historie, Dokumente oder Handbücher werfen. Künstliche Intelligenz kann ein beliebiges ERP und vorhandene Dokumente nutzen und so dabei helfen, betriebliche Probleme zu lösen.Die Herangehensweise ist ähnlich wie bei ChatGPT, basiert jedoch auf Unternehmensdaten und -prinzipien. Daher gibt es übrigens auch für die Finanzbranche und die öffentliche Hand Use Cases für die Nutzung von KI zur Dokumentation und zugehörigen Automatisierung. Forschung und Softwareentwicklung sind weitere Dimensionen der vier häufigsten Anwendungsfälle.
Wie sind Ihre Erfahrungen bei Kunden in den vergangenen Monaten?
Florin Rotar: Ich habe in den letzten Wochen viele Kunden in Europa und Deutschland getroffen. Drei grundsätzliche Dinge habe ich aus den Treffen gelernt:1. Menschen haben Vorrang vor der Technologie. Künstliche Intelligenz hilft jedoch Menschen, die beste „Version“ ihrer selbst zu werden. Und zwar auf verantwortungsvolle und ethische Weise.2. Unternehmen müssen über den richtigen Weg zu einem positiven Beitrag für den Geschäftswert nachdenken. Und nicht allein über die pure Machbarkeit. Das erfordert, dass strategische Governance sowie rechtliche, finanzielle und geschäftliche Anforderungen zusammenkommen. Darin sehe ich auch meine Aufgabe als CAIO.3. Datenplattformen haben eine große Bedeutung. Wenn Unternehmen keine qualitativ hochwertigen Daten haben, ist künstliche Intelligenz nutzlos und nicht effizient. Hierzu haben wir viele Erkenntnisse gesammelt.