Die Anforderungen an digitale Produkte und Dienstleistungen verändern sich kontinuierlich. Spätestens seit dem Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) rückt digitale Teilhabe in den Fokus. So funktioniert Inclusive Design.
Inclusive Design geht über Barrierefreiheit im klassischen Sinn hinaus und schafft Angebote, die für möglichst viele Menschen unabhängig von individuellen Fähigkeiten, Geräten oder Nutzungskontexten intuitiv nutzbar sind. Für Digitalagenturen und technologieorientierte Unternehmen eröffnet dieser Designansatz nachweislich wirtschaftliche und strategische Potenziale.
Wirtschaftlicher Nutzen durch inklusives Designverständnis
Inclusive Design wirkt sich direkt auf die Reichweite und Nutzbarkeit digitaler Lösungen aus. Produkte, die von Beginn an so gestaltet sind, dass sie auch von Menschen mit Einschränkungen, temporären Beeinträchtigungen oder situativen Barrieren bedient werden können, erschließen zusätzliche Nutzersegmente. Diese Zielgruppen werden im klassischen Entwicklungsprozess oft übersehen, obwohl sie im demografischen sowie finanziellen Kontext eine relevante Größe darstellen.
Die Investition in inklusive Designprinzipien führt zu effizienteren Entwicklungsprozessen. Frühzeitige Einbindung barrierefreier und adaptiver Gestaltungsansätze reduziert spätere Anpassungskosten und verringert den Wartungsaufwand. Zudem sinkt die Wahrscheinlichkeit von Re-Designs infolge unzureichender Usability.
Strategische Differenzierung durch Inclusive Design
Agenturen und Unternehmen, die Inclusive Design nicht als Zusatzaufgabe, sondern als integralen Bestandteil der digitalen Produktentwicklung begreifen, schaffen einen klaren Differenzierungsvorteil. In Ausschreibungen und B2B-Projekten gewinnt die Fähigkeit, inklusive Lösungen zu konzipieren, zunehmend an Bedeutung. Auftraggeber legen verstärkt Wert auf nachhaltige und nutzerzentrierte Gestaltung, insbesondere im öffentlichen und institutionellen Umfeld.
Barrierefreies Design stärkt auch das Innovationspotenzial innerhalb von Entwicklungsteams. Die Auseinandersetzung mit alternativen Nutzungsszenarien, Perspektivenvielfalt und kulturellen Unterschieden führt zu robusteren, anpassungsfähigeren Systemen. Die Einbeziehung marginalisierter Nutzergruppen wird zu einem Innovationstreiber, der über rein funktionale Anforderungen hinausgeht.
Organisatorische Maßnahmen zur Verankerung von barrierefreiem Design
Um Inclusive Design als festen Bestandteil der eigenen Wertschöpfung zu etablieren, sind strukturelle Anpassungen notwendig. Diese betreffen sowohl die interne Organisation als auch die methodische Herangehensweise bei Kundenprojekten.
Empfohlene Maßnahmen im organisatorischen Umfeld:
Schulung von UX-Designern, Entwicklern und Projektleitern in inklusiven Gestaltungsprinzipien
Aufbau von Knowledge-Base-Strukturen mit Best Practices und Guidelines zur inklusiven Produktentwicklung
Integration von Accessibility-Standards in interne Qualitätssicherungsprozesse
Berücksichtigung inklusiver Anforderungen bereits in der Angebotsphase und Projektplanung
Zudem empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit externen Fachexperten, zum Beispiel. Eye-Able, IFDB oder Gehirngerecht sowie mit Nutzergruppen, um gezielt Feedback zu prototypischen Umsetzungen zu erhalten. Diese Rückkopplung verbessert die Validität von Annahmen über Nutzungskontexte und reduziert das Risiko von Designfehlern.
Digitalagenturen stehen vor der Aufgabe, Kunden den Mehrwert von Inclusive Design nachvollziehbar zu vermitteln und zugleich praktikable Lösungen anzubieten. Der Fokus liegt auf pragmatischer Umsetzbarkeit ohne übermäßige Ressourcenbindung.
Erfolgsfaktoren für die Implementierung im Projektgeschäft:
Einsatz adaptiver Komponentenbibliotheken, die responsive und barrierefreie Standards bereits berücksichtigen
User-Testing mit Personen unterschiedlicher Altersgruppen, kultureller Hintergründe und Nutzungssituationen
Modulare Designsysteme, die flexible Anpassungen an diverse Nutzungskontexte ermöglichen
Verwendung semantisch korrekter HTML-Strukturen und ARIA-Attribute als technische Basis
Eine enge Zusammenarbeit zwischen UX-Design, Frontend-Entwicklung und Qualitätssicherung ist essenziell. Barrierefreies Design muss als Querschnittsthema verstanden werden, das in allen Projektphasen präsent ist.
Anwendungsfelder in der Praxis
Digitale Services mit hohem Transaktionsvolumen, wie Buchungsplattformen oder Self-Service-Portale, bieten ein besonders hohes Optimierungspotenzial durch barrierearmes Design. Durch gezielte Gestaltung können Medienbrüche vermieden und Nutzerabbrüche reduziert werden. Auch im E-Commerce ergeben sich wirtschaftliche Vorteile, wenn Produktseiten, Warenkörbe und Check-out-Prozesse so gestaltet werden, dass sie für unterschiedliche Endgeräte und individuelle Einschränkungen gleichermaßen zugänglich bleiben.
Unternehmen mit internen Plattformen oder Anwendungen profitieren ebenfalls. Die Implementierung inklusiver Prinzipien in HR-Portale, Schulungstools oder interne Dashboards fördert die Mitarbeiterzufriedenheit und reduziert Supportaufwand.
Verknüpfung mit regulatorischen Entwicklungen
Auch wenn gesetzliche Vorgaben wie das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz nicht ausschlaggebend für ein nutzerzentriertes inklusives Design sein sollten, sondern Inklusion von sich aus im unternehmerischen Kontext einen hohen Stellenwert einnehmen sollte, helfen regulatorische Anforderungen bei der Implementierung.
Stand: 16.12.2025
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Unterstützung bei der praktischen Umsetzung und Beratung bieten unter anderem das Portal Barrierefreiheit des Bundes, das Landeskompetenzzentrum Barrierefreie IT (zum Beispiel in Hessen) sowie spezialisierte Beratungsstellen und Dienstleister. Dort finden Unternehmen Projektvorgehen, technische Umsetzungshilfen sowie Schulungen und Checklisten, die bei der barrierefreien Entwicklung von Webseiten, mobilen Anwendungen und digitalen Dokumenten helfen.
Die digitale Barrierefreiheit stärkt dadurch die Zukunftsfähigkeit elektronischer und IT-gestützter Produkte und minimiert Compliance-Risiken. Die Umsetzung gesetzlicher Rahmenbedingungen sollte dabei also als Anlass zur Qualitätssteigerung und Markenerweiterung verstanden werden, nicht als Pflichtaufgabe.
Markenbildung und Unternehmensreputation
Die konsequente Ausrichtung an inklusiven Prinzipien wirkt sich zudem positiv auf die Markenwahrnehmung aus. Unternehmen, die barrierefreie und benutzerfreundliche Lösungen anbieten, werden als verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert wahrgenommen. Diese Wahrnehmung stärkt Kundenbindung und erleichtert die Ansprache neuer Zielgruppen.
Darüber hinaus verbessert Inclusive Design die internationale Skalierbarkeit digitaler Produkte. Systeme, die unterschiedliche kulturelle Kontexte und variable Nutzungsszenarien berücksichtigen, lassen sich einfacher an neue Märkte anpassen. Internationale Ausschreibungen und globale Projektkonstellationen verlangen zunehmend nach dieser Flexibilität.