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E-Rezept Bilanz der ersten 100 Tage

Ein Gastbeitrag von Petra Terhardt 4 min Lesedauer

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Anfang 2024 wurde das E-Rezept verpflichtend eingeführt – ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung des Gesundheitswesens und zur bürokratischen Entlastung von Apotheken und Arztpraxen. Wie ist das Resümee nach dem ersten Quartal? Ist das E-Rezept DER Meilenstein für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem?

(Bild: E-Rezept   Claudia Nass Adobestock Foto)
(Bild: E-Rezept Claudia Nass Adobestock Foto)

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgt für effizientere Arbeitsprozesse und nimmt Teams bürokratische und administrative Aufgaben ab. Im Apothekenalltag sind Mitarbeitende stark an Regulatorien gebunden und erbringen umfassende Beratungsleistungen. Software unterstützt dabei, das E-Rezept in den Apothekenalltag zu integrieren und ressourcenschonend Services anzubieten, um mehr Zeit für die Gesundheitsversorgung zu haben.

 Das E-Rezept kommt seit dem 1. Januar 2024 flächendeckend zum Einsatz und ist ein zentraler Digitalisierungsschritt für Vor-Ort-Apotheken. Dies macht den Prozess der Medikamentenverschreibung nicht nur effizienter, sondern auch weniger anfällig für menschliche Fehler. Patienten profitieren ebenso: diese können ihre Medikamente nach dem Arzttermin in der Apotheke abholen, ohne ein physisches Rezept mit sich zu führen. Für Folgerezepte müssen sie nicht noch einmal in die Arztpraxis.

 Teilweise erhebliche Störungen

Die gematik, die für den Auf- und Ausbau der Telematikinfrastruktur (TI) verantwortliche Gesellschaft, zählte in den ersten zehn Januartagen bereits 25,7 Mio. eingelöste E-Rezepte. Trotz der schnellen und vor allem hohen Akzeptanz kam es in dieser ersten Phase noch teilweise zu erheblichen Störungen, die den Apothekenbetrieb nachhaltig beeinträchtigen. Größtenteils sind diese auf Serverausfälle in der TI, der Plattform zur Übermittlung der E-Rezepte, zurückzuführen. Jetzt gilt es, die Fehlerquellen einzudämmen, um diese großflächige und systemische Änderung im Sinne einer modernen Gesundheitsversorgung, auch durch die Vor-Ort-Apotheke, zu gestalten. NOVENTI als Abrechnungsunternehmen und Anbieter von Warenwirtschaftssystemen unterstützt die Vor-Ort-Apotheken in dieser Entwicklung.

Die verschiedenen Einlösewege

Patienten haben mittlerweile drei Möglichkeiten, das E-Rezept einzulösen. Grund für den enormen Anstieg bei der Nutzung des E-Rezepts, der bereits vor der verpflichtenden Einführung begann, ist unter anderem der seit Juli 2023 verfügbare Einlöseweg mittels elektronischer Gesundheitskarte (eGK). Sie ist die am häufigsten verwendete Variante – laut APOkix werden 81 Prozent aller E-Rezepte über eGK abgerufen. Die Arztpraxen erstellen das über die eGK abrufbare E-Rezept. Die Apotheke lädt das E-Rezept anschließend von einem zentralen E-Rezept-Server herunter und gibt das verordnete Medikament aus – eine Authentifizierung mittels PIN ist nicht erforderlich. Dieser Weg war die Grundlage für den exponentiellen Anstieg des E-Rezepts: von rund zwei Millionen eingelöster E-Rezepte im Juli auf nahezu acht Millionen gegen Ende November.  Ende März 2024 meldete die gematik bereits 132 Millionen eingelöste E-Rezepte. 

Als zweite Variante steht die E-Rezept-App der gematik zur Verfügung. Dafür wird die eGK und ein Smartphone mit einer Kontaktlos-Funktion benötigt. Zusätzlich braucht es entweder eine eGK-PIN der Krankenkasse oder eine Authentifizierung über die elektronische Patientenakte (ePA). Die gematik-App ermöglicht einen direkten Zugriff auf das E-Rezept mithilfe des Smartphones. Dieser Weg wird allerdings bislang nur für die Einlösung von zwei Prozent der E-Rezepte genutzt. 

Notlösung Papierausdruck

Für diejenigen, die keine App oder generell kein Smartphone nutzen, besteht als dritte Einlösemöglichkeit, den Zugangscode für das E-Rezept als Papierausdruck zu erhalten. Die Apotheke scannt den im Ausdruck enthaltenen Token ein und Patienten erhalten auf diesem Wege ihr Medikament. 17 Prozent der E-Rezepte werden über diesen Weg eingelöst. 
 Eine vierte Einlöseoption ist das sogenannte CardLink-Verfahren. Bei diesem Verfahren können E-Rezepte zukünftig ortsunabhängig mittels eGK abgerufen werden – die Rolle des physischen Kartenterminals zum Abruf der E-Rezept-Informationen übernimmt dabei ein Smartphone mit entsprechender App. Zur Protokollierung der Zugriffe dient zum aktuellen Stand ein Code, den Nutzer per SMS erhalten, ähnlich wie es Banken einsetzen. In der aktuellen Version bringt das CardLink-Verfahren für die Patienten jedoch noch erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich, da für entsprechende Smartphone-Apps nicht die gleichen strengen Sicherheitsanforderungen gelten wie für Anwendungen in der Telematikinfrastruktur. Darauf haben zuletzt zahlreiche Verbände sowie auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik aufmerksam gemacht.

Ausblick

Das E-Rezept bietet im Vergleich zum Papierrezept bereits zahlreiche Vorteile. So wird beispielsweise die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessert und die Nachhaltigkeit gefördert. Die Patienten sparen Zeit, bürokratische Hürden in Apotheken und Arztpraxen werden abgebaut und menschliche Fehler nehmen ab. 
 
Im Zusammenhang mit der ePA, die ab 2025 für alle gesetzlich Versicherten in Deutschland verfügbar wird, ermöglicht ein E-Rezept einen schnellen Abgleich von Daten, um beispielsweise Arzneimittelunverträglichkeiten besser aufzudecken. Der Einsatz von Software unterstützt Apotheken gezielt dabei, aktuelle Herausforderungen anzugehen und gleichzeitig Arztpraxen durch umfangreiche Beratungsleistungen zu entlasten. Das E-Rezept ist dabei ein wirklicher Meilenstein und der erste Schritt in Richtung digitalisiertes Gesundheitswesen. 

Die nächsten Entwicklungsschritte sind bereits geplant. Beispielsweise soll künftig die GesundheitsID als Alternative zur eGK flächendeckend Einsatz finden. Sie bietet dann per Smartphone einen kartenlosen Zugang zur ePA oder einen der beschriebenen Einlösewege. Dadurch ergeben sich nicht nur neue Möglichkeiten, auch die Patientenversorgung wird sich langfristig weiterentwickeln und verbessern.

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Petra Terhardt(Bild:  Noventi Health SE)
Petra Terhardt
(Bild: Noventi Health SE)

Die Autorin: Petra Terhardt, Managing Director Sales NOVENTI Health SE