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Umfrage bei Chief Legal Officers CLOs: Geopolitik, KI und Regulatorik verändern die Entscheidungsfindung

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Eine neue Umfrage von Association of Corporate Counsel und FTI Consulting beleuchtet die aktuellen Herausforderungen für Chief Legal Officers (CLO). Demnach werden CLOs zunehmend zu zentralen Akteuren in der Unternehmensstrategie, vor allem im Hinblick auf KI-Einführung, Sanktionen und regulatorischen Vorgaben.

(Bild:  © Pat J./stock.adobe.com)
(Bild: © Pat J./stock.adobe.com)

Die Association of Corporate Counsel (ACC) hat gemeinsam mit der Unternehmensberatung FTI Consulting die europäischen Ergebnisse ihrer "Chief Legal Officers Survey 2026" veröffentlicht. Demnach werden CLOs in Europa zu wichtigen strategischen Partnern, da Unternehmen mit geopolitischer Instabilität, komplexen Vorschriften und raschen technologischen Veränderungen konfrontiert sind.

Die Umfrage von ACC unter CLOs, die nun bereits zum 27. Mal durchgeführt wurde, gibt Aufschluss darüber, wie leitende Juristen ihre Rollen und Ressourcen anpassen, um auf wachsende externe Risiken und internen Transformationsdruck zu reagieren. Der europäische Anhang stützt sich auf Antworten von CLOs aus der gesamten Region und vergleicht deren Prioritäten mit globalen Trends.

Jason L. Brown, Präsident und CEO der Association of Corporate Counsel, erklärt: „Die diesjährigen Ergebnisse für Europa bestätigen, dass die Rolle des CLO nicht mehr auf das rechtliche Risikomanagement beschränkt ist. Europäische CLOs sind tief in die Geschäftsstrategie, das Unternehmensrisiko und die ESG-Führung eingebunden, in einer Zeit, in der Unternehmen mit beispiellosen geopolitischen und regulatorischen Unsicherheiten konfrontiert sind. Die Daten zeigen einen Berufsstand, der sich entschlossen in den Mittelpunkt der Unternehmensentscheidungen bewegt.“

Europäische CLOs sind tief in die Geschäftsstrategie, das Unternehmensrisiko und die ESG-Führung eingebunden, in einer Zeit, in der Unternehmen mit geopolitischen und regulatorischen Unsicherheiten konfrontiert sind.

Jason L. Brown, ACC

Europäische CLOs erhalten besseren Zugang zur Führungsetage

Die Umfrage zeigt einen starken Anstieg des Einflusses von Führungskräften im europäischen Rechtswesen. Rekordverdächtige 82 Prozent der europäischen CLOs berichten nun direkt an den CEO, gegenüber 73 Prozent im Vorjahr, und nähern sich damit dem globalen Durchschnitt von 84 Prozent. Auch das Engagement des Vorstands hat zugenommen: 75 Prozent nehmen regelmäßig an Vorstandssitzungen teil, verglichen mit noch nur 56 Prozent im Jahr 2025. Europäische CLOs übernehmen deutlich häufiger als ihre globalen Kollegen die Federführung oder Mitfederführung bei:

  • ESG-Strategie: 48 in Europa versus 26 Prozent weltweit
  • Unternehmensrisikomanagement: 83 in Europa versus 65 Prozent weltweit
  • Beratung zu geopolitischen Risiken: 57 in Europa versus 41 Prozent weltweit

Sie definieren ihre Wirkung zunehmend in strategischer Hinsicht und verweisen dabei auf Beiträge zur Unternehmensstrategie und Unternehmenskultur, die über die traditionellen juristischen Funktionen hinausgehen.

Beschleunigte Einführung von KI in Europa

Europäische Rechtsabteilungen sind bei der Einführung neuer Technologien schneller als der weltweite Durchschnitt. Fast 62 Prozent planen, im kommenden Jahr neue Rechtstechnologien zu implementieren, und 77 Prozent gehen davon aus, dass sie innerhalb der nächsten 24 Monate generative KI-Tools einsetzen werden.

Die meisten CLOs rechnen zwar nicht mit größeren Stellenstreichungen, gehen jedoch davon aus, dass sich die Aufgabenbereiche erheblich weiterentwickeln werden. 72 Prozent erwarten, dass KI die juristische Arbeit grundlegend verändern wird, wobei der Schwerpunkt auf der Weiterbildung der Teams in den Bereichen Technologiekompetenz, Datenanalyse und juristische Innovation liegt.

Sophie Ross, Global CEO des Technologiebereichs von FTI Consulting, erklärt:„Europäische CLOs warten nicht tatenlos ab, wenn es um KI geht“, dazu „Sie legen Wert auf technologische Kompetenz und operative Effizienz, um den steigenden regulatorischen Anforderungen und schnelleren Geschäftszyklen gerecht zu werden.“

Sanktionen und ESG dominieren regulatorische Belange

Das regulatorische Risikoprofil Europas sticht in der Umfrage deutlich hervor. Europäische CLOs geben häufiger als ihre globalen Kollegen an, dass die Durchsetzung von Sanktionen wichtigstes Anliegen (34 gegenüber 13 Prozent) ist, ebenso wie die Durchsetzung von ESG-Kriterien (26 gegenüber 14 Prozent). Sie berichten auch von einem starken Anstieg der Komplexität und der Kosten von Untersuchungen. 45 Prozent geben an, dass die Untersuchungskosten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind, und 43 Prozent nennen eine größere Komplexität. Als Reaktion darauf haben 44 Prozent mehr Compliance-Spezialisten eingestellt, was einen Trend zu tiefergehender interner Expertise im Bereich des regulatorischen und geopolitischen Risikomanagements widerspiegelt.

Prioritäten der CLOs: Ressourcendruck und geopolitische Risiken

Geopolitische Instabilität ist derzeit das größte organisatorische Risiko für europäische CLOs. Dies gaben 28 Prozent der Befragten an, fast dreimal so viele wie weltweit. Gleichzeitig stehen den europäischen Rechtsabteilungen weniger Ressourcen zur Verfügung. Mehr Befragte als im globalen Durchschnitt nannten Budgetbeschränkungen (40 Prozent) und Fachkräftemangel (23 Prozent) als größte Hindernisse für den Erfolg. Trotz dieser Herausforderungen verstärken europäische CLOs ihre strategische Rolle. Zwei Drittel benennen als ihren wichtigsten Schwerpunkt für 2026 neben der Implementierung von Technologien und der Steigerung der betrieblichen Effizienz die Stärkung ihrer Position als Geschäftspartner.

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