Anna Lena Steinborn von der Stuttgarter Cloud- und IT-Beratung Zoi hat sich durch die Kombination von Controlling- und Cloud-Know-how darauf spezialisiert, Unternehmen bei der Cloud-Infrastruktur auf die richtige Kostenspur zu bringen. Im Interview erklärt sie, wie es mit FinOps gelingt, die gewünschte Transparenz über die Cloud-Kosten zu erlangen und dabei die Kosten massiv zu minimieren.
(Bild: AdobeStock)
Die Situation kennen viele Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen: Nach der gelungenen und oft über Jahre andauernden Migration der Workloads in die Public Cloud sollte alles besser werden. Eigentlich. Doch peu à peu schwinden die anfangs realisierten Kostenvorteile. Gerade Enterprises und der gehobene Mittelstand kämpfen mit zunehmenden Kosten für die Cloud-Infrastruktur. Laut einer Gartner-Studie zahlen die Unternehmen bis zu 70 Prozent mehr als nötig. Doch das muss nicht sein.
Die Verbindung aus Controlling und Cloud
Digital Business Cloud: Was brachte Sie auf die Idee, Controlling und Cloud-Know-how miteinander zu verbinden?
Anna Lena Steinborn: Ich bin durch und durch Zahlenmensch und finde nach wie vor die Möglichkeit spannend, mit Hilfe von Auswertungen und Kennzahlen datenbasierte Entscheidungsgrundlagen für Unternehmen zu schaffen und Möglichkeiten aufzuzeigen. Im Zuge einer klassischen Controlling-Karriere bin ich zu Zoi gekommen, um das Team Finance & Processes im Bereich Controlling zu unterstützen. Durch den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen habe ich mitbekommen, dass bei den Kunden das Thema FinOps – also die nachhaltige Kostentransparenz- und Optimierung – ein immer größeres Thema wird. Und so habe ich begonnen, auch hier meine Finance Expertise einzubringen und „FinOps” als Leistungsbaustein mitzuentwickeln.
Cloud-Kosten senken: Durch FinOps gelingts
Definition FinOps: FinOps ist eine sich entwickelnde Methodik im finanziellen Cloud-Management und eine unternehmenskulturelle Praktik, die auf die Maximierung des geschäftlichen Nutzens in hybriden und in Multicloud-Umgebungen abzielt. FinOps ist ein Kunstwort aus Finanzwirtschaft und DevOps, wobei der Schwerpunkt darauf liegt, dass IT, Rechnungswesen und Geschäftsteams zusammenarbeiten müssen, um die Cloud finanziell abrechenbar zu machen und informierte, datengesteuerte Entscheidungen bei der Verwaltung von Kompromissen zwischen Übertragungsgeschwindigkeit, Aufwand und Leistung zu treffen. (Quelle: FinOps Foundation)
DBC: Was hat Sie veranlasst, sich auf FinOps zu spezialisieren?
ALS: Das war eindeutig der wachsende Bedarf der Kunden. Für mich war ohnehin der Gedanke naheliegend, Controlling-Kompetenzen ganz stark mit Cloud-Know-how zu vernetzen. Thematisch ist dies wirklich spannend. Denn das Herausragende bei FinOps ist, dass sich schon mit wenigen Stellschrauben die Ergebnisse unmittelbar einstellen. Konkret heißt das also, dass Kunden sehr schnell Einsparungen sehen. Was kostet die IT-Infrastruktur für Produkt X, Maßnahme Y oder für die Datensicherungen oder den Data Lake? All diese Fragen lassen sich durch und mit FinOps einfach beantworten.
DBC: Welche Aspekte des klassischen Controllings können neue Impulse im Cloud-Bereich liefern?
ALS: Grundsätzlich ist die Art des klassischen Controllings, die Zahlen auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen und zu hinterfragen, vorteilhaft. Ich erinnere mich an einen Kunden, der stolz erzählte, er hätte in einem Fall durch die Cloud-Nutzung sogar Geld verdient. Um solche fatalen Fehleinschätzungen zu vermeiden, ist es notwendig, ein ausgeprägtes Verständnis für die Zahlen und Darstellungen in den Reports bei den Kostenverantwortlichen zu entwickeln.Das Zweite ist der Umgang mit Kennzahlen und Metriken – auch über längere Zeiträume, um sinnhafte und valide Aussagen treffen zu können und auf dieser Basis datengestützte Entscheidungen treffen zu können und ungewollte Kostenexplosionen zu vermeiden.
Für wen ist FinOps zur Senkung von Cloud-Kosten geeignet?
DBC: Wer braucht eigentlich FinOps?
ALS: FinOps eignet sich insbesondere für Konzerne, Großunternehmen, Großorganisationen und den gehobenen Mittelstand. In der herstellenden Industrie, im Retail sowie in der Informations- und Kommunikationstechnologie selbst sind in Deutschland bisher die meisten FinOps-Ansätze zu finden. Voraussetzung ist, dass genau diese Unternehmen ihre Workloads bereits zum Großteil in die Cloud migriert haben. Erst mit dieser gewissen Cloud-Reife entfaltet sich FinOps richtig.
DBC: Ist FinOps als Produkt ein kostenintensives Abonnement oder eher Hilfe zur Selbsthilfe?
ALS: Optimalerweise ist die Implementierung von FinOps abgeschlossen, wenn das Team in der Organisation selbst in der Lage ist, die wichtigen Stellschrauben zu bedienen. Wir verstehen FinOps tatsächlich als Hilfe zur Selbsthilfe. Durch die Dynamik einer Organisation – Wachstum, Skalierung oder auch Personalwechsel – gibt es auch weiterhin die Möglichkeit zu supporten, aber das ist nicht unser Anliegen, da wir hier von einem Zeitbedarf von wenigen Stunden sprechen. Doch die Möglichkeit, auf die professionelle Hilfe zurückzugreifen, ist natürlich gegeben.
DBC: Welche Ad-hoc-Tipps haben Sie, um den Bedarf an FinOps festzustellen und schnelle Kostenvorteile zu generieren?
ALS: Der Bedarf sollte prinzipiell immer dann offensichtlich werden, wenn die Cloud-Kosten kontinuierlich ansteigen. Hier braucht es auf allen Ebenen das Bewusstsein, dass jede Instanz Geld kostet und dass sich die einzelnen Services stark aufsummieren. Bei den Kostenvorteilen geht es wieder Hand in Hand mit der Kostentransparenz. Zunächst schauen wir, was in den einzelnen Accounts läuft. Und drittens: Was davon brauche ich in welcher Intensität? Übertragen gesprochen: Wir drehen das Thermostat zu dem Zeitpunkt und an der Stelle auf, wo bzw. wann die Wärme benötigt wird – nicht vorsorgend 24/7 im gesamten Haus, falls mal jemand kurz die Etage wechselt und etwas aus einem anderen Raum holt.
Stand: 16.12.2025
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Cloud-Kosten senken: Wie lange dauert es und was sind die Voraussetzungen?
DBC: Wie lange dauert es, bis Unternehmen von den Vorzügen von FinOps profitieren?
ALS: Erst Erfolge stellen sich nach der Ist-Analyse recht zügig im weiteren Prozess ein. Und am Dashboard lässt sich die Einsparung durch jede einzelne Komponente transparent und in Echtzeit nachvollziehen. Da zeigt sich auch, dass sich die Kosten für den FinOps-Support schnell wieder amortisieren.
DBC: Welche Beispiele von Kosteneinsparungen können Sie aus der Anwendungspraxis nennen?
ALS: Verständlicherweise halten sich fast alle Organisationen zurück, wenn es darum geht, ihre Einsparpotenziale öffentlich zu machen. Wir können allerdings aus der Erfahrung sagen, dass wir Einsparungen im Bereich von mehreren Hunderttausend Euro pro Jahr realisieren konnten.
DBC: Was benötigen Unternehmen für die Umsetzung – technisch und personell?
ALS: Unternehmen und Organisationen brauchen vor allem ein Team aus Business, IT und Controlling. Nur in diesem Zusammenspiel ergibt die Implementierung von FinOps überhaupt Sinn. Zeit spielt – gerade anfangs – natürlich auch eine Rolle. Alles weitere kann nach der Implementierung leicht über den Browser gesteuert und bedient werden.
Anna Lena Steinborn (33) treibt als Leiterin der FinOps-Unit der Stuttgarter Zoi TechCon GmbH die Etablierung des innovativen Ansatzes FinOps in Deutschland voran. Steinborn blickt auf mehr als zehn Jahre Controlling-Expertise zurück.