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SAP S/4 HANA Cloud-Migration: Wie SAP-Anwender diese zum Erfolg führen

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Lösungen wie SAP S/4HANA haben die Bedenken bezüglich Funktionsumfang, Erweiterbarkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit von Cloud Computing verringert. Immer mehr Unternehmen setzen deshalb auf SAP S/4 HANA. Eine neue Studie zeigt, wie die Business Technology Platform von SAP die Cloud-Migration unterstützen kann.

(Quelle:  Werckmeister - Adobe Stock)
(Quelle: Werckmeister - Adobe Stock)

Cloud-Verweigerer gibt es kaum noch in der deutschen Wirtschaft, zeigt eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Immer mehr Unternehmen setzen eine Cloud-Migration um. Neun von zehn Unternehmen nutzen inzwischen teilweise Anwendungen aus der Cloud. Elf Prozent der Unternehmen nutzen eine Cloud-Only-Strategie und verzichten auf lokal betriebene IT-Infrastrukturen und Anwendungen.

Die Cloud-Migration in Unternehmen soll in erster Linie zu einer Kostenreduzierung (63 Prozent) und einer Reduktion ihrer CO2-Emissionen führen. Auch Digitalisierung und Prozessautomatisierung stehen besonders stark im Fokus. Daran zeigt sich, dass die Zeit der niedrigen Früchte abgelaufen ist. Einfache Anwendungen wie Spesenabrechnungen oder Randsysteme wie HR-Lösungen sind längst in der Cloud.

Doch bei den Kernsystemen – komplexen Anwendungen für geschäftskritische Prozesse – agierten viele Unternehmen lange Zeit vorsichtig. Inzwischen verschwinden die alten Vorbehalte, auch bei SAP-Anwendungen. Das ergab eine aktuelle Studie von valantic. Demnach gab es bei der Bekanntheit des Private-Cloud-Angebots der SAP einen großen Sprung nach oben, nämlich von 41,8 Prozent im Jahr 2022 auf 72,7 Prozent 2023.

Cloud-Migration: Zurückhaltung wegen Eigenentwicklungen

Die Skepsis gegenüber der Cloud ist allerdings noch nicht ganz weg, gewisse Restzweifel bleiben bei einigen Unternehmen. So befürchten sie, dass die gegenüber den klassischen Anwendungen eingeschränkten Customizing-Möglichkeiten ihren Anforderungen nicht genügt. Auch der gefürchtete Vendor-Lock-In wird angesichts der Cloud neu diskutiert. Zudem erwarten viele Unternehmen höhere Kosten beim Betrieb von Cloud-Lösungen.

Eine der größten Herausforderungen aus Sicht der Zögerer sind allerdings die vielfältigen Eigenentwicklungen, die noch in großer Zahl ihren Dienst leisten. Sie laufen üblicherweise On-premise und sind eine Hürde bei der Cloud-Migration. Zwar entstehen bei der Transition dieser Individualentwicklungen in die Cloud erst einmal Aufwände, doch die langfristigen Gesamtkosten (TCO – Total Costs of Ownership) sind in der Regel niedriger als die der abzulösenden Umgebungen.

Schon seit einiger Zeit steht die SAP Business Technology Platform (SAP BTP) zur Verfügung. Die Platform as a Service (Paas) vereinigt Tools und Funktionen für die Bereiche Integration, Anwendungsentwicklung, Automation, Analytics und künstliche Intelligenz. Für SAP-fokussierte Anwendungslandschaften ist sie ein zentraler Baustein einer modernen, zukunftssicheren Systemarchitektur. Aber auch Non-SAP-Lösungen lassen sich mit ihr integrieren, erweitern und mit Innovationen ergänzen.

Integration von SAP- und Non-SAP-Systemen

Neben der unternehmensübergreifenden Prozess-Integration (B2B, B2C, B2G) lassen sich mit der Komponente „Integration Suite“ der SAP BTP beliebige Anwendungen koppeln (Anwendungsintegration). Dabei ist es unerheblich, ob SAP- oder Non-SAP-Systeme verbunden werden. Für die gängigen Anwendungen sind fertige Konnektoren vorhanden, sodass einfache A2A-Integrationen schnell umzusetzen sind. Ob die zu integrierenden Anwendungen On-premise betrieben werden oder es sich um Cloud-Lösungen handelt, spielt keine Rolle.

Das Thema Integration kann in modernen Systemarchitekturen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Anzahl und Komplexität der Schnittstellen nimmt stetig zu und bedarf entsprechender Strategien, Konzepte und Technologien. Ansätze wie die ISA-M (Integration Solution Advisor Methodology) bieten einen Weg, um den umfangreichen und komplexen Herausforderungen Herr zu werden. Sie können für ein strukturiertes Vorgehen zur Ist-Aufnahme und Analyse der vorhandenen Integrationslandschaft und den Aufbau einer neuen modernen, intelligenten und zukunftssicheren Integrationsarchitektur sorgen.

Low-Code/No-Code-Ansatz für Eigenentwicklungen

Kaum ein Unternehmen kommt heutzutage ohne Eigenentwicklungen aus, bieten diese doch die Möglichkeit, sich von der Konkurrenz zu differenzieren und sich somit Wettbewerbsvorteile zu sichern. Eine der Herausforderungen stellt aktuell und künftig der Fachkräftemangel in der IT dar. Software-Entwickler sind rar und der Wettbewerb um diese knappen Ressourcen ist weltweit groß. Eine Möglichkeit, diesem Problem entgegenzuwirken, ist die Nutzung von Low-Code/No-Code-Lösungen.

Diese Lösungen erlauben Anwendern den Zugriff auf Daten und Prozesse sowohl aus SAP-Anwendungen wie S/4HANA als auch aus Non-SAP-Systemen. Um etwa mit SAP Build unternehmensindividuelle Applikationen zu erstellen oder Prozesse zu automatisieren, sind keine klassischen Softwareentwicklungskenntnisse notwendig. Sogenannte Citizen Developer (Mitarbeitende aus den Fachbereichen der Unternehmen) können mit visuellen Drag-and-Drop-Tools und vorgefertigten Bausteinen ohne klassisches Coding Anwendungen entwickeln und betreiben. Dies führt zur Entlastung der IT-Abteilung und zum Abbau des vielfach in den Unternehmen vorzufindenden Anwendungsstaus.

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Cloud-Migration: Private Cloud und Service-Plattform

In der Kombination S/4HANA Private Cloud und SAP BTP trifft der Software-Konzern aus Waldorf den Nerv vieler Unternehmen. So können sie ihr ERP- System weiterhin in eigener Hoheit betreiben, was in bestimmten Branchen und Konstellationen weiterhin erwünscht ist. Die Bereiche Integration, Applikationsentwicklung, Automation, Analytics und KI werden mit Lösungen wie etwa der SAP BTP in die Cloud verlagert.

Das ist aber bei den DACH-Unternehmen noch nicht ganz angekommen. Nur die Hälfte der Umfrageteilnehmer hat SAP BTP im Einsatz (34 Prozent) oder ist mit der Einführung beschäftigt (13 Prozent). Die andere Hälfte zögert laut der aktuellen Umfrage von valantic noch. 64 Prozent der Befragten nennen als Hauptgrund, dass sie sich noch nicht ausreichend mit SAP BTP beschäftigt haben. Auch vermeintlich hohe Kosten halten 18 Prozent von einer Cloud-Migration ab.

SAP-Berater und -Systemhäuser sind aufgerufen, die Vorteile der SAP BTP in Gesprächen mit Unternehmen und Kunden klarer und deutlicher herauszustellen. Die Nachricht an die Unternehmen: Die mannigfaltigen Möglichkeiten der Plattform sollten entschiedener genutzt werden, um die Cloud-Migration zu vereinfachen und die Zukunftsfähigkeit SAP-orientierter IT-Architekturen für die nächsten fünf bis zehn Jahre sicherzustellen.

Timo Rüb
Timo Rüb ist Vice President bei valantic und Experte für die SAP Business Technology Platform. Er besitzt mehr als 20 Jahre Erfahrung als SAP Consultant. Seit 2016 begleitet und leitet er Projekte rund um die SAP BTP.

Bildquelle: valantic