Die Telekommunikationstechnologie befindet sich derzeit im Wandel hin zu disaggregierten, Cloud-nativen Netzen. Allerdings werden für diese Technologie neue Kompetenzen benötigt, um sich in Cloud Native zurechtzufinden.
(Quelle: Mikko Lemola - Adobe Stock)
Der Telekommunikationsmarkt befindet sich im Umbruch. Die anhaltende Pandemie hat den weltweiten Internetverkehr um bis zu 60 Prozent in die Höhe getrieben, was die Nachfrage nach Bandbreite erhöht und den Druck auf die Betreiber verstärkt, zuverlässige Hochgeschwindigkeits-Breitbandverbindungen bereitzustellen. Dies hat die Perspektive der Betreiber auf eine zukunftsfähige und effiziente Netzinfrastruktur in Frage gestellt und sie dazu veranlasst, die Art und Weise, wie sie ihre Netze aufgebaut haben und betreiben, zu hinterfragen. Während die Telekommunikationstechnologie jahrzehntelang stagnierte, stehen wir nun an der Schwelle zu einem Wandel hin zu Cloud Native, das disaggregierte Netze ermöglicht. Branchenorganisationen wie der TIP-Initiative sind hier Vorreiter.
Cloud Native führt zu einem Schub neuer Qualifikationen
Auf dem Markt ist jetzt eine Verlagerung der Vernetzung hin zu einem Cloud Computing-Ansatz zu beobachten, weg von der traditionellen monolithischen Legacy-Hardware, die den Sektor seit seinen Anfängen dominiert hat. Damit einher geht die Nachfrage nach neuen Qualifikationen. So wie der Dot-Com-Boom in den 2000er Jahren zum Aufkommen von Coding-Bootcamps und zur Umschulung von Mitarbeitern für das neue Zeitalter führte, wird die Umstellung auf Cloud Native in den 2020er Jahren zu einem Schub für neue Qualifikationen in der Telekommunikationsbranche führen.
Diese neuen „Cloud Native Ingenieure“ müssen sich mit softwarezentrierten, Cloud-nativen und disaggregierten Netzwerken auskennen, vom Radio Access Network (RAN) bis zum Edge und 5G-Core. Die Mitarbeiter müssen in der Lage sein, die Welt der Cloud zu verstehen und mit Leichtigkeit zu navigieren und eine Anwendung von einem Repository über eine kontinuierliche Integrations- und Lieferpipeline in eine neue Betriebsumgebung zu bringen.
Die Herausforderung besteht nun darin, dass es eine Qualifikationslücke sowohl bei internen als auch bei externen Mitarbeitern gibt. Es gibt bereits einen Mangel an Technikern, die Glasfaser-, Strom- und Funkausrüstungen an Telekommunikationsstandorten ordnungsgemäß installieren können, ganz zu schweigen von Ingenieuren, die über das Fachwissen verfügen, um sich in der neuen Cloud Native-Umgebung zurechtzufinden. Wie können wir also die nächsten Arbeitskräfte für Cloud Native-Technologien aufbauen?
Anpassung an Cloud-Native-Umgebungen
In der Telekommunikationswelt wird der Begriff „Cloud Native“ verwendet, um verschiedene Funktionen in Netzwerken zu beschreiben, die von Anfang an als Software entwickelt wurden und auf unabhängiger Hardware laufen. Ein solches Design von Cloud Native bringt natürlich viele Vorteile mit sich, denn die unabhängigen Microservices werden in Containern bereitgestellt und ausgeführt. Wird eine neue Funktion oder ein Update benötigt, liefert der Softwareentwickler einen entsprechenden Microservice, der das jeweilige Feature innerhalb von Millisekunden aktualisiert oder hinzufügt, ohne den Dienst zu unterbrechen. Auf diese Weise sind Routenbearbeitung, Aktualisierung und Neustart 20-mal schneller als bei herkömmlichen Router-Betriebssystemen. Stehen zudem offene Schnittstellen zur Verfügung, können Netzbetreiber sogar eigene Funktionen entwickeln und implementieren.
Allerdings muss die Implementierung einer Cloud-Native-Umgebung, ebenso wie der Code und die Prozesse, die auf den regulierenden Funktionen und dem Management aufsetzen, von Ingenieuren mit neuen Kompetenzen durchgeführt werden. Im Vergleich zu älteren, fest installierten Netzwerken und Hardware müssen Cloud Native-Ingenieure verstehen, wie eine Container-basierte Architektur funktioniert, damit Microservices und APIs in einem lose gekoppelten Ansatz für maximale Flexibilität und Entwicklungsagilität zusammenarbeiten können. Darüber hinaus müssen sie über Kenntnisse in Bezug auf den Betrieb von Routing-Software verfügen, die Bare-Metal-Switches in IP/MPLS-Carrier-Router verwandelt, oft in verschiedenen Bereichen des Netzwerks, wie Breitbandzugang, Edge oder Core. Für Ingenieure ist es nicht einfach, die Lücke zur neuen Cloud-nativen Umgebung zu schließen, aber durch Training und Erfahrung lässt sich dies erreichen.
Neue Wege zum Aufbau einer Expertise in Cloud Native
Natürlich werden traditionelle Router und dynamische Kontrollsysteme durch neue Konzepte wie Disaggregation und verteilte SDNs herausgefordert. Diese versprechen eine deutlich schnellere Implementierung, automatisierte Steuerung und eine kürzere Markteinführungszeit. Damit künftige Routerdesigns diesen Herausforderungen gerecht werden können, müssen grundlegend neue Hardware und Software entwickelt sowie moderne Softwarearchitekturen und -paradigmen eingeführt werden.
Ein Cloud-nativer Ingenieur muss über Software-Kenntnisse verfügen, zum Beispiel in den Bereichen Kodierung, Testen, Design oder Architektur. Und gleichzeitig wissen, wie man Anwendungen anpasst, um die Dienste der Cloud-Plattform optimal zu nutzen. Der beste Weg, diese breite Wissensbasis aufzubauen, sind Trainingsmaßnahmen und praktische Erfahrungen. Zu den Trainings gehören in der Regel das Kennenlernen von Docker und Kubernetes in produktiven Anwendungsfällen, das Schreiben komplexer Cookbooks, die Umwandlung bestehender Anwendungen in Cloud-nativ ausgerichtete Anwendungen und so weiter. Leider konzentrieren sich die meisten Trainings derzeit auf den „Legacy“-Ingenieur, der im Feld eingesetzt wird, um Funkgeräte zu ersetzen oder neuere 5G-Stationen zu reparieren. Es wird nicht genug getan, um diesen neuen Cloud-nativen Weg an der Basis zu fördern, an Universitäten oder Weiterbildungseinrichtungen.
Stand: 16.12.2025
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Cloud-nativen Ansatz umsetzen
Die meisten Betreiber verstehen die Argumente für einen Cloud-nativen Ansatz, da die verbesserte Flexibilität bei der Bereitstellung, die Einführung von Diensten vor Ort und die Kosteneinsparungen klar auf der Hand liegen. Allerdings sind sie mit Tausenden von Betriebsmitarbeitern beschäftigt, die – anstatt in die Zukunft zu blicken – dafür ausgebildet wurden, die Probleme von gestern zu lösen. Stellen Sie sich vor, die Elektroautoindustrie käme daher und sagte: „Wir haben dieses coole Elektroauto entwickelt, aber wir verkaufen weder den Motor noch die Batterien, die es antreiben“. Genau das passiert jetzt mit dem Cloud-Native-Ansatz. Die Betreiber sind es nicht gewohnt, Netze auf diese Weise aufzubauen, so dass sie zur Umsetzung ihrer Pläne auf andere Arbeitskräfte zurückgreifen müssen.
Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter
Um Talente aufzubauen, sollte ein Unternehmen zuerst in seinen eigenen Reihen suchen. Sicherlich sträuben sich einige Mitarbeiter, wenn sie mit einem anspruchsvollen Qualifikationsprofil neu anfangen müssen. Aber es gibt viele junge, aufgeweckte und lernwillige Ingenieure, die sich gerne neue Cloud-Native-Kompetenzen aneignen würden, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten. Außerdem ermöglicht dieser Ansatz ein hybrides Modell von Fachwissen, das je nach Projekt für die Betreiber von Vorteil sein kann.
In Europa und Großbritannien sind Investitionen in technische Qualifikationen von entscheidender Bedeutung, um diesen Märkten in den kommenden Jahrzehnten einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Der beste Weg, dies zu erreichen, besteht darin, schon in jungen Jahren , in Schule, Universität, Hochschule und durch betriebliche Ausbildung, anzusetzen und eine praktische, projektbezogene Ausbildung anzubieten, die es jungen Ingenieuren ermöglicht, sich sowohl individuell als auch operativ zu entwickeln.
(Pravin S. Bhandarkar ist CEO bei RtBrick. (Bild: RtBrick))
Über den Autor: Pravin S. Bhandarkar ist CEO bei RtBrick. Das Unternehmen entwickelt Carrier-Routing-Software, die auf handelsüblicher Hardware läuft. Hierbei wendet RtBrick den gleichen Ansatz auf die Netzwerke an, den bei Cloud Native zum Aufbau und Betrieb ihrer webbasierten IT-Services verwenden.