In dem Bericht „The Easy Way In/Out: Securing The Artificial Future“ warnt Trend Micro vor hochgradig individualisierten, KI-gestützten Betrugs-, Phishing- und Beeinflussungskampagnen im Jahr 2025. Ein besonders großes Potenzial für Cyberangriffe sehen die Experten von Trend Micro in bösartigen „digitalen Zwillingen“.
(Bild: Planum/Adobe Stock)
Mit „digitalen Zwillingen“ werden gestohlene oder geleakte persönliche Informationen verwendet, um ein Large Language Model (LLM) zu trainieren, welches das Wissen, die Persönlichkeit und den Schreibstil des Opfers nachahmt. In Kombination mit gefälschten Video- und Audiodateien sowie kompromittierten biometrischen Daten können solche LLMs missbraucht werden, um Identitäten vorzutäuschen und Freunde, Kollegen oder Familienmitglieder des Opfers in eine Betrugsfalle zu locken. Deepfakes und KI können auch für großangelegte, hyperpersonalisierte Cyberangriffe zum Einsatz kommen, die folgende Auswirkungen haben können:
Betrugsmaschen wie Business Email Compromise, Business Process Compromise und das Einschleusen falscher Mitarbeiter zu skalieren.
Opfer von „Pig Butchering“ – also dem Online-Beziehungs- und Investitionsbetrug – gezielt zu identifizieren und anzusprechen, bevor eine menschliche Kontaktperson die Täuschung vertieft.
Informationssammlung mittels Open Source Intelligence für Bedrohungsakteure zu erleichtern.
Entwicklung von Fähigkeiten bei der Vorbereitung auf einen Cyberangriff zu verbessern und somit erfolgreichere Attacken zu erzielen.
Authentisch wirkende Social-Media-Identitäten zu kreieren, die für Onlinebetrug sowie zur Verbreitung von Fehl- und Desinformation eingesetzt werden.
Neue Bedrohungen durch KI-Einsatz
Unternehmen, die in diesem Jahr verstärkt KI einsetzen, sollten folgende Bedrohungen im Auge behalten:
Ausnutzung von Schwachstellen und Manipulation von KI-Agenten, um schädliche oder verbotene Aktionen durchzuführen Unbeabsichtigtes Leaken von Informationen aus Systemen für generative KI Ressourcenverschwendung durch fehlerhafte oder missbräuchlich genutzte KI-Agenten, die zu Dienstunterbrechungen führen kann.
Jon Clay ist Vice President of Threat Intelligence bei Trend Micro.
(Bild: Trend Micro)
Jon Clay, Vice President of Threat Intelligence bei Trend Micro, kommentiert die Ergebnisse: „Da generative KI immer breiter in Unternehmen und der Gesellschaft zum Einsatz kommt, müssen wir uns auf die damit verbundenen Risiken einstellen“, erklärt „Hyper-personalisierte Angriffe und die Manipulation von KI-Agenten erfordern branchenweite Anstrengungen. Geschäftsführer sollten bedenken, dass es heute kein isoliertes Cyberrisiko mehr gibt. Jedes Sicherheitsrisiko ist letztlich ein Geschäftsrisiko und kann tiefgreifende Auswirkungen auf die künftige Strategie von Unternehmen haben.“
Cyberangriffe: Weitere Bedrohungen durch KI-Einsatz
Der Bericht hebt zudem weitere Bereiche hervor, die im Jahr 2025 gefährdet sind. Dazu zählen:
Schwachstellen
Fehler in der Speicherverwaltung sowie Speicherbeschädigungs-Bugs, Schwachstellenketten und Exploits, die auf APIs (Schnittstellen) abzielen Vermehrte Container-Ausbrüche Ältere Schwachstellen wie Cross-Site Scripting (XSS) und SQL-Injections Die Möglichkeit, dass eine einzelne Schwachstelle in einem weit verbreiteten System mehrere Modelle und Hersteller betrifft, beispielsweise in vernetzten Fahrzeugen
Ransomware
Bedrohungsakteure entwickeln zunehmend Strategien, um EDR-Tools (Endpoint Detection & Response) zu umgehen, etwa durch:
Kill Chains, die Umgebungen nutzen, in denen meist keine EDR-Tools installiert sind (z. B. Cloud-Systeme oder mobile, Edge- und IoT-Geräte) Deaktivierung von Antivirus- / EDR-Systemen BYOVD-Techniken (Bring Your Own Vulnerable Driver) Verstecken von Shellcodes in unauffälligen Ladeprogrammen Umleitungen in Windows-Subsystemen, um die EDR/AV-Erkennung zu umgehen
Im Ergebnis können sie damit schnellere Angriffe mit weniger Schritten durchführen, die schwerer zu erkennen sind.
Cyberangriffe: Zeit zu handeln
Die Sicherheitsexperten von Trend Micro empfehlen Unternehmen, proaktiv zu handeln und ihre Cybersicherheitsstrategien anzupassen:
Risikobasierter Ansatz: Zentrale Identifikation, Priorisierung und Minderung von Risiken in der gesamten IT-Umgebung.
KI als Verteidigung: Nutzung von KI für die Analyse von Bedrohungsdaten, gefährdeten Systemen, Angriffspfadvorhersagen und Abwehrmaßnahmen – idealerweise über eine einheitliche Plattform.
Mitarbeiterschulungen: Bewusstsein für die Fortschritte und Risiken von KI erhöhen.
Überwachung und Absicherung von KI-Systemen: Schutz vor Missbrauch durch strikte Validierungsprozesse für Input und Output
Schutz von LLMs durch gehärtete Sandbox-Umgebungen, strenge Datenvalidierung und mehrschichtige Sicherheitsmaßnahmen gegen Prompt-Injections.
Lieferkettensicherheit: Schwachstellen in öffentlich zugänglichen Systemen beheben und interne Netzwerke durch mehrschichtige Sicherheitsmaßnahmen besser schützen.
Stand: 16.12.2025
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