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Cybersecurity Awareness Month Cybersicherheit: Wie Nutzer ihre digitale Identität schützen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 6 min Lesedauer

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Seit der Veröffentlichung von GenAI setzen Angreifer zunehmend Tools gemeinsam mit Sprachmodellen (LLMs) ein, um groß angelegte Social-Engineering-Angriffe durchzuführen. Laut einer Prognose von Gartner werden bis 2027 17 Prozent aller Angriffe auf die Cybersicherheit sowie Datenlecks auf generative KI zurückgehen.

(Bild: Elnur/Adobe Stock)
(Bild: Elnur/Adobe Stock)

Laut der aktuellen Prognose von Gartner werden die weltweiten Ausgaben der Endanwender für Cybersicherheit im Jahr 2025 bei 212 Milliarden US-Dollar liegen, was einem Anstieg von 15 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Der Einsatz von KI und generativer KI wird die Investitionen in die Märkte für Sicherheitssoftware wie Anwendungssicherheit, Datensicherheit und Datenschutz sowie Schutz der Infrastruktur weiter erhöhen. 

Anlässlich des Cybersecurity Awareness Month haben wir die Meinung von Sicherheitsexperten von Chainalysis, Docusign, Eye Security und Solarwinds eingeholt. Sie geben Tipps, wie Nutzer ihre digitale Identität besser schützen können und welche Tools, wie die Blockchain-Analyse, helfen können, sich besser gegen Gefahren der Cybersicherheit schützen zu können

Lieferketten der Cyberkriminalität unterbrechen

Salih Altuntas ist Director of Investigations Central Europe bei Chainalysis.(Bild:  Chainalysis)
Salih Altuntas ist Director of Investigations Central Europe bei Chainalysis.
(Bild: Chainalysis)

Salih Altuntas, Director of Investigations Central Europe bei Chainalysis: „2024 ist auf dem besten Weg, das bisher umsatzstärkste Ransomware-Jahr zu werden. Denn auch wenn die Gesamtmenge der illegalen Aktivitäten auf der Blockchain im Vergleich zum letzten Jahr zurückgegangen ist, ist in den Kategorien gestohlenes oder gehacktes Vermögen und Ransomware ein Anstieg zu verzeichnen. Dabei ist bemerkenswert, dass sich die Modalität der Lösegeldzahlungen signifikant verändert hat. Während die Lösegeldsummen leicht angestiegen sind, sehen wir, dass es deutlich weniger Einzelzahlungen gibt, diese allerdings umso höher ausfallen.

Der Median der Lösegeldzahlungen für die bedeutendsten Ransomware-Varianten ist von knapp 200.000 US-Dollar Anfang 2023 auf 1,5 Millionen US-Dollar Mitte Juni 2024 gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass diese Angriffe sich vorrangig gegen größere Unternehmen und Anbieter kritischer Infrastrukturen richten, die aufgrund ihrer tiefen Taschen und systemischen Bedeutung eher bereit sind, hohe Lösegelder zu zahlen; auch bekannt als Big-Game-Hunting. Dieses Jahr wurde zudem die bisher größte singuläre Lösegeldzahlung verzeichnet: etwa 75 Millionen US-Dollar gingen an die Ransomware-Gruppe Dark Angels.

Der Schlüssel zur Bekämpfung der Cyberkriminalität liegt in der Unterbrechung ihrer Lieferketten, einschließlich Infrastrukturdienstleister, Geldwäscher und Auszahlungsstellen. Dank Blockchain-Analyse-Tools können Strafverfolgungsbehörden dem Geld folgen, um die Netzwerke zu verstehen und die Strukturen zu zerschlagen. Wie erfolgreich das Vorgehen mittlerweile ist, zeigen jüngste Erfolge wie die Zerschlagung der sehr aktiven Ransomware-Gruppe Lockbit oder die Operation ‚Final Exchange’ des Bundeskriminalamts gegen eben solche Auszahlungsstellen.”

Hohes Betrugspotential bei digitalen Identitäten

Maxime Hambersin ist Senior Director of Product Management International bei Docusign.(Bild:  Docusign)
Maxime Hambersin ist Senior Director of Product Management International bei Docusign.
(Bild: Docusign)

Maxime Hambersin, Senior Director of Product Management International bei Docusign: „Eines der schwerwiegendsten Risiken im Bereich Cybersicherheit ist das Betrugspotential bei digitalen Identitäten. Durch Technologien wie KI-generierte Stimmen oder Gesichts-Deepfakes wird es immer einfacher, Identitäten zu stehlen. Sowohl Angestellte in Unternehmen als auch Verbraucherinnen und Verbraucher werden mit Sicherheitsanweisungen geradezu überschwemmt – allerdings aus gutem Grund: Es ist wichtig, dass alle geschult werden und ihr Wissen regelmäßig auffrischen, um wachsam zu bleiben, Verdächtiges zu erkennen und zu melden.

Digitale Dokumente und Signaturen werden im privaten und beruflichen Umfeld immer mehr zur neuen Norm, und in Anbetracht der Menge an Daten, die bei Cloud- und KI-Diensten ausgetauscht werden, ist es wichtig, dass im Rahmen von Vereinbarungen das Prinzip „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ gilt. Dabei ist es entscheidend, mit verlässlichen Partnern zusammenzuarbeiten, die globale Sicherheitsstandards einhalten und Erfahrung beim Einsatz von KI haben. Zum Beispiel bei der Verwendung anonymisierter Daten von Nutzern, die ausdrücklich ihre Zustimmung gegeben haben.

Laut dem Docusign Digital Maturity Report 2024 planen 34 Prozent der Unternehmen in Deutschland, in den kommenden zwölf Monaten mehr in Cybersicherheit und Risikomanagement zu investieren. 32 Prozent wollen zudem mehr in KI investieren – unter anderem um die Cyberabwehr zu verbessern, wovon allerdings nur 6 Prozent einen bestimmten KI-Verantwortlichen benennen. Dedizierte KI-Expertise würde allerdings sicherstellen, dass Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und die stärkste Cyberabwehr gegen feindlich eingesetzte KI gewährleisten.

Die gute Nachricht: Sicherheitslösungen für das Identitäts- und Asset-Management, elektronische Signaturen, rechtliche Vereinbarungen und die Identitätsprüfung sind bei sachgemäßer Anwendung sehr leistungsstark. Allerdings gilt auch: Der menschliche Faktor kann bei guter Sicherheitsschulung der stärkste sein, oder aber bei Manipulation der schwächste.”

Tools für Cybersicherheit durch Cyberversicherung ergänzen

Cybersicherheit
Piet Kerkhofs ist CTO & Gründer bei Eye Security.
(Bild: Eye Security)

Piet Kerkhofs, CTO & Gründer bei Eye Security: „Cyberangriffe stellen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) eine zunehmend ernsthafte Bedrohung dar. Jeden Monat werden laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mehr als 2.000 neue Schwachstellen in Softwareprodukten entdeckt, und täglich werden 21.000 Systeme mit Schadsoftware infiziert. Trotz dieser alarmierenden Zahlen verfügen nur etwa 20 Prozent der KMUs in Deutschland über eine Cyberversicherung. Noch bedenklicher ist, dass zwei Drittel der Unternehmen laut dem Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) nicht einmal die Basisanforderungen für den Abschluss einer solchen Versicherung erfüllen.

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Genauso wie Unternehmen bei physischen Risiken nicht allein auf eine Feuerversicherung setzen würden, ohne gleichzeitig Brandschutzmaßnahmen zu implementieren, sollten sie auch Cyberrisiken ganzheitlich angehen. Cybersicherheit und Cyberversicherung gehen dabei Hand in Hand. Durch den Einsatz professioneller Cyber-Sicherheitslösungen – wie etwa 24/7-Schutz und proaktive Bedrohungsüberwachung – reduzieren Unternehmen ihr Risikoprofil erheblich. Diese Präventionsmaßnahmen bieten nicht nur Schutz vor Cyberangriffen, sondern verbessern auch die Versicherbarkeit für den Schadensfall. Und Versicherer sind eher bereit, Policen anzubieten, wenn Unternehmen nachweisbar robuste Schutzmaßnahmen vorweisen können.

Ein integrierter Ansatz, der Cybersicherheit und Cyberversicherung miteinander verknüpft, schafft ein umfassendes Sicherheitsnetz für KMUs. So wie Brandschutz den Abschluss einer Feuerversicherung vereinfacht, reduziert eine solide Cybersicherheit die Hürden für den Abschluss einer Cyberversicherung. Dieser ganzheitliche Ansatz verleiht Unternehmen die nötige Resilienz im Digitalen und macht einen Versicherungsschutz zugänglicher.“

Mit künstlicher Intelligenz die Cybersicherheit verbessern

Sascha Giese ist Tech Evangelist Observability bei SolarWinds.(Bild:  SolarWinds)
Sascha Giese ist Tech Evangelist Observability bei SolarWinds.
(Bild: SolarWinds)

Sascha Giese, Tech Evangelist Observability bei SolarWinds: „Alles steht im Zeichen der KI. Mittlerweile ist die Künstliche Intelligenz nicht nur via ChatGPT, Sora und Midjourney für die breite Masse zugänglich, sondern findet auch in immer neuen Bereichen der digitalen Infrastruktur von Unternehmen Anwendung - unter anderem eben auch in der Cybersicherheit. Kein Wunder, denn schließlich sind selbst hoch entwickelte KIs mittlerweile erschwinglich, relativ schnell einsatzbereit und die Vorteile scheinen schier grenzenlos. Das haben allerdings auch kriminelle Organisationen erkannt. Mit jedem technologischen Fortschritt wächst das Potenzial für böswilligen Missbrauch und es eröffnen sich neue Fronten.

So ist künstliche Intelligenz dem Menschen mittlerweile weit voraus, wenn es um das Sammeln und Verarbeiten von Informationen geht. Cyberkriminelle nutzen dies für ihre Angriffe ebenso wie IT-Teams für die Verbesserung ihrer Cybersicherheit. Wer Böses im Schilde führt, lässt einfach eine KI die Verteidigungsinfrastruktur analysieren und Informationen sammeln. Wie ist sie aufgebaut? Wie reagiert das System auf bestimmte Ereignisse? Gibt es blinde Flecken? Eine KI im Sicherheitseinsatz analysiert die gleichen Fragen - allerdings mit dem Ziel, die Lücke zu schließen, statt sie auszunutzen.

Aber Rettung ist in Sicht. Und so paradox es klingt, wieder durch KI. Quis custodiet ipsos custodes – oder auch: Who watches the watchmen? Relativ neu auf dem Markt gibt es Künstliche Intelligenz, die die Sicherheit anderer KI garantiert. Zum einen können Hersteller von KI-gestützten Lösungen diese zusätzlichen Sicherheitsnetze während der Entwicklungsphase nutzen, um Schwachstellen in Programmierung zu entdecken und zu beseitigen. Zum anderen können Unternehmen, die KI einsetzen, diese während der Implementierungsphase oder auch dauerhaft überwachen, etwa bei verdächtigen Änderungen der Berechtigungen für die KI-Lösung.

Auch im Hinblick auf bereits bestehende oder noch entstehende gesetzliche Regelungen zum Betrieb von KI sind derartige Lösungen tatsächlich ein Thema, das man im Auge behalten sollte. Der Krieg der Künstlichen Intelligenzen, der Kampf von Gut gegen Böse, wird uns in naher Zukunft mehr und mehr beschäftigen. Leider nicht nur als Science-Fiction.”