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Darmkrebsvorsorge Darmpolypen: Wie ein KI-System beim Erkennen helfen kann

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 3 min Lesedauer

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Eine neue Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften zeigt: Medizinische Nachwuchskräfte können mithilfe künstlicher Intelligenz präzise Entscheidungen bei der Darmkrebsvorsorge wie gefährlichen Darmpolypen treffen.

Das Ärzteteam an der Universitätsklinikum St. Pölten, einem Lehr- und Forschungsstandort der Karl Landsteiner Privatuniversität der KL Krems.(Bild:  KL Krems)
Das Ärzteteam an der Universitätsklinikum St. Pölten, einem Lehr- und Forschungsstandort der Karl Landsteiner Privatuniversität der KL Krems.
(Bild: KL Krems)

Junge Ärztinnen und Ärzte können bei der Darmspiegelung ebenso zuverlässig harmlose von gefährlichen Darmpolypen unterscheiden wie erfahrene Spezialistinnen und Spezialisten – vorausgesetzt, sie nutzen künstliche Intelligenz. Das zeigt eine medizinische Studie aus Niederösterreich. Untersucht wurde dabei die Qualität der sogenannten „optischen Diagnose“ durch Endoskopie-Trainees, wenn diese vom KI-System GI Genius unterstützt werden.

Mit beeindruckendem Ergebnis: Die diagnostische Treffsicherheit des medizinischen Nachwuchses lag auf dem Niveau langjährig erfahrener Kolleginnen und Kollegen. Verantwortlich für die international publizierte Studie war das Universitätsklinikum St. Pölten, ein Lehr- und Forschungsstandort der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL Krems). Die Ergebnisse bieten das Potenzial, die Darmkrebsvorsorge sicherer, effizienter und kostengünstiger zu machen – und gleichzeitig die medizinische Ausbildung zu verbessern.

Vorsorgeuntersuchungen verhindern Darmpolypen

Darmpolypen gehören zu den häufigsten Krebsarten in Europa – gleichzeitig lässt er sich durch rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen effektiv verhindern. Die sogenannte Koloskopie gilt dabei als Goldstandard. Sie erlaubt es, potenziell gefährliche Darmpolypen frühzeitig zu erkennen und zu entfernen. Doch die Einschätzung dieser Polypen – ob harmlos oder potenziell bösartig – erfordert große Erfahrung. Diese Art der Beurteilung wird als „optische Diagnose“ bezeichnet.

Bislang galt: Nur langjährig erfahrene Internistinnen und Internisten treffen diese Einschätzung mit der nötigen Sicherheit. Genau hier setzt die neue Studie an – mit dem Ziel, den Weg zu einer gleichwertigen Beurteilung auch für weniger erfahrene Ärztinnen und Ärzte zu ebnen. Durchgeführt wurde sie an der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 2 des Universitätsklinikums St. Pölten (einem Lehr- und Forschungsstandort der KL Krems) unter der Leitung von Prim. Priv.-Doz. Dr. Andreas Maieron.

Win-Win-Situation durch KI-System GI Genius

„Wir wollten wissen: Kann künstliche Intelligenz jungen Kolleginnen und Kollegen helfen, schneller und sicherer zu werden? Die Antwort ist: Ganz klar ‚ja‘“, so Studienleiter Dr. Andreas Maieron. Der Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie betont: „Das ist eine seltene echte Win-Win-Situation – für die Ausbildung und für die Betroffenen.“ Das verwendete System GI Genius analysiert während der Koloskopie in Echtzeit die aufgenommenen Bilder und unterstützt mit Hinweisen zur Einschätzung der Polypenart.

Insgesamt wurden im Rahmen der prospektiven Studie 225 Personen untersucht. Die Untersuchungen wurden von Nachwuchsärztinnen und -ärzten durchgeführt, die dabei vom KI-System unterstützt wurden. Ihre Einschätzungen wurden im Nachhinein mit den Ergebnissen der histologischen Untersuchung der entfernten Polypen sowie mit den Beurteilungen erfahrener Fachkolleginnen und -kollegen ohne KI-Unterstützung verglichen. Ergebnis: Bei kleinen Polypen im Enddarm (≤ 5 mm) lagen die Nachwuchsärztinnen und -ärzte in über 90 Prozent der Fälle richtig, wenn sie einen Polypen als harmlos einstuften – und waren damit genauso treffsicher wie erfahrene Expertinnen und Experten. Auch das KI-System allein erreichte mit über 93 Prozent ein exzellentes Ergebnis.

KI-gestützte Koloskopien für eine Vorsorge bei Darmpolypen

Das bedeutet konkret: KI-gestützte Koloskopien können auch bei weniger erfahrenen Ärztinnen und Ärzten zu einer sicheren und qualitativ hochwertigen Vorsorge führen. Harmlos eingeschätzte Polypen müssen unter bestimmten Voraussetzungen nicht entfernt werden – das spart Risiken, Zeit und Kosten. Damit wird die Vorsorge nicht nur effizienter, sondern möglicherweise auch zugänglicher. Für Patientinnen und Patienten heißt das: mehr Sicherheit, weniger unnötige Eingriffe – und langfristig ein noch wirksamerer Schutz vor Darmkrebs.

Dass diese Ergebnisse aus Niederösterreich stammen, freut das Forschungsteam besonders: Die Studie wurde von der KL Krems gemeinsam mit dem Universitätsklinikum St. Pölten realisiert und vom Land Niederösterreich unterstützt. Die Veröffentlichung im renommierten American Journal of Gastroenterology unterstreicht die internationale Bedeutung dieser Forschung.

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Die Ergebnisse wurde in folgender Publikation veröffentlicht: The Augmented Colonoscopy with Computer-Aided polyp Characterization (AC-CADx) study – prospective study comparing the diagnostic reliability of optical diagnosis of trainees with experts without AI. S. Bernhofer, J. Prosenz,  C. Duller, D. Venturi & A. Maieron, The American Journal of Gastroenterology, E‑pub 28 May 2025, doi: 10.14309/ajg.0000000000003558.

Die 2013 gegründete Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL Krems) ist eine europaweit anerkannte Bildungs- und Forschungseinrichtung am Campus Krems. Diese bietet eine moderne, bedarfsorientierte Aus- und Weiterbildung in der Medizin und Psychologie sowie ein PhD-Programm im Bereich Mental Health and Neuroscience an. Die drei Universitätskliniken in Krems, St. Pölten und Tulln sowie das Ionentherapie- und Forschungszentrum MedAustron in Wiener Neustadt gewährleisten eine klinische Lehre und Forschung auf höchstem Qualitätsniveau.