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Zahnmedizin „Die Dentalbranche steht vor einer Zeitenwende“

Von Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Das angespannte ambulante Gesundheitssystem trifft auch die Dentalbranche: Fachkräftemangel, überdurchschnittlich hohe Materialkosten und -verbrauch sowie immer weniger Praxisneueröffnungen und Hochschulabsolventen. Eine innovative Sodftware unterstützt Zahnarztpraxen dabei, laufende Kosten und bürokratischen Zeitaufwand signifikant einzusparen.

(Bild:  Wawibox)
(Bild: Wawibox)

Die zahnmedizinische Versorgung galt in Deutschland lange Zeit als die stabilste Säule innerhalb des Gesundheitssystems. Doch das Bild der strahlenden Dentalbranche verdüstert sich: Nicht nur die Zahl der Zahnarztpraxen sinkt stetig, die Zahnmedizin wird auch für den Nachwuchs sowohl auf Seiten der Ärzteschaft als auch für Zahnmedizinische Fachangestellte immer unattraktiver. Etliche Praxen beklagen steigende Materialkosten, Fachkräftemangel und komplizierte Bürokratie. Die Gründer von Wawibox machen daraus ein Geschäft: Ihre Software senkt nachweislich unnötige Ausgaben und administrative Zeitfresser signifikant – und trägt so zum Erhalt einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung bei.Wie groß der Kosten- und Zeitdruck auf Zahnarztpraxen ist, erlebt Wawibox-Gründer Angelo Cardinale hautnah. Sein Unternehmen ist 2015 an den Markt gegangen, um Arztpraxen dabei zu unterstützen, ihre Kosteneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit mithilfe eines digitalen Bestell- und Lagerprozesses zu erhöhen. Europaweit herrscht besonders in dem Fachrichtungssegment ein hoher Bedarf an Angeboten dieser Art.      
Bisher fokussierte sich das Unternehmen auf den Dentalbereich, der beim Materialverbrauch im Branchenvergleich am intensivsten zu Buche schlägt. Zudem konnte für Verbrauchsmaterialien in Zahnarztpraxen von 2020 bis 2023 eine Preissteigerung von durchschnittlich 19 Prozent festgestellt werden, was deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegt. Heute nutzen tausende Zahnarztpraxen und Dentallabore Wawibox für einen unabhängigen Einkauf und effiziente Materialverwaltung. Damit gehört das Tool zu den Marktführern in dem Segment der Vergleichsportale für medizinischen Bedarf. Angelo Cardinale sagt: 

Unsere Vision ist klar: Wir wollen zu einer stabilen Gesundheitsversorgung beitragen – durch reduzierte Ausgaben, verschlankte Prozesse und Transparenz. Damit liefern wir Gesundheitsversorgern einen der wichtigsten wirtschaftlichen Hebel, den sie selbst steuern können.
Angelo Cardinale, Wawibox-Gründer
(Bild: Wawibox)

Größter wirtschaftlicher Hebel: Einsparungen bei Materialkosten – ohne administrativen Mehraufwand

Wawibox selbst agiert unabhängig von Händlern und Depots, was Praxen einen freien Materialeinkauf mit tagesaktuellen Preisinformationen von über 200 Lieferanten ermöglicht. Die Software vergleicht Preise von über 200.000 Dentalprodukten in Sekundenschnelle. Die Produkte können im Anschluss direkt über die Vergleichsplattform bezogen werden. Gerade in turbulenten Zeiten der Inflation mit ständig veränderten Preisen sieht das Unternehmen in der Markttransparenz eine wichtige Schlüsselrolle. 

„Mithilfe einer digitalen Materialwirtschaft, die Transparenz im Einkauf und im Lager schafft, können Bestände digital jederzeit eingesehen und reguliert werden. Es wird nur das gekauft, was tatsächlich gebraucht wird“, so Cardinale. So werde nicht nur ein Überbestand an Materialien vermieden, der sich negativ auf die Kosten der Praxis auswirke. Auch die Nachbestellung sei schneller und einfacher, da das Tool anhand der individuellen Daten und Erfahrungen optimiert werden kann und der Prozess so stetig weiter verbessert wird. Das Ergebnis: Zeit- und Geldeinsparung und eine Verringerung des administrativen Aufwands. So habe ein Kunde beispielsweise seine Materialkosten in vier Jahren um 45 % reduzieren können.

Zahngesundheit gefährdet: Warum es immer weniger Praxen gibt 

Die zahnmedizinische Versorgung gilt in Deutschland als vorbildlich – und bildet eine der größten Arztgruppen. Derzeit gibt es in Deutschland insgesamt über 100.000 Zahnärzte und Zahnärztinnen, über 70.000 davon sind zahnärztlich aktiv. Davon sind über 60 Prozent in eigener Praxis niedergelassen, knapp 40 Prozent befinden sich in einem Angestelltenverhältnis in Praxen, medizinischen Versorgungszentren oder anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens. Doch das angeschlagene ambulante Gesundheitssystem hat auch Auswirkungen auf die Dentalbranche, die Versorgung bröckelt. Immer mehr Zahnarztpraxen schließen, der Branchenumsatz ist allein in 2023 um 3 Prozent gesunken und ist seit 2018 durchschnittlich um 1,9 Prozent pro Jahr zurückgegangen. Auch die Anzahl der Zahnärztinnen und Zahnärzte sinkt: Je nach Zahl der Approbationen werden 2030 zwischen 60.400 und rund 52.580 niedergelassen tätig sein. Da diese vielfach in Teilzeit arbeiten, fehlen nach Umrechnung auf die sogenannten Vollzeitäquivalente gut 2.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte in der Versorgungsleistung. Insbesondere die steigenden Anforderungen bei gedeckeltem Honorar macht die Zahnmedizin für den Nachwuchs zunehmend unattraktiver.

  • Wachsender Personalbedarf seitens des Assistenzfeldes wirkt sich als zusätzlicher Faktor aus: Steigende Patienten- und Behandlungszahlen sorgen ebenso für einen erhöhten Bedarf an qualitativem Fachpersonal wie zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) – ein Tätigkeitsfeld, das fast deutschlandweit als Engpassberuf eingestuft wird. Obwohl ZFA zu den beliebtesten Ausbildungsberufen zählt, im Jahr 2022 mit über 14.000 neuen Ausbildungsverträgen, herrscht eine hohe vorzeitige Abbruchquote unter den Auszubildenden, im Jahr 2021 zwischen 30-39 % je nach Bundesland. Stress, Zeitdruck, vergleichsweise niedrige Löhne und ein wachsender Aufgabenumfang bewirken zudem eine hohe Fluktuation in dem Berufsfeld.

    Die Mission: Weniger Bürokratie, mehr Zeit für die Behandlung

    Die akuten Painpoints der Branche liegen für den Wawibox-Gründer auf der Hand: Weniger Zeit für Patienten und Patientinnen aufgrund von täglichen, administrativen Tätigkeiten und steigenden Kosten. „Das sind Ressourcen, die an wichtigen Stellen fehlen. Zahnmediziner wollen mehr Zeit für das, was sie können: zahnärztlich behandeln. Es braucht Bürokratie- und Kostenentlastung. Wir wollen helfen, Praxen zu erhalten und denken, dass Technologie in diesem Kontext menschliche Arbeit spürbar bereichern und beflügeln kann“, so Cardinale. Der Nutzen und die Vorteile von Wawibox sollen zukünftig auf andere Fachbereiche und Länder ausgeweitet werden.
     
    Wawibox gehört seit August 2020 zur Unternehmensgruppe Vivecti Group, die größte und führende deutsche Plattform für Serviceleistungen für Krankenhäuser, Pflegeheime und Praxen.

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