Wem gelingt es eher, ein digitales Ökosystem erfolgreich zu etablieren: einem Start-up oder einem gestandenem Unternehmen? Pauschal lässt sich diese Frage zwar nicht beantworten. Was jedoch feststeht, ist: Nur, wer bereit ist, ein gewisses Risiko einzugehen, kann sich mit einem digitalen Ökosystem auch als First Mover am Markt etablieren.
(Quelle: Wright Studio/shutterstock)
Digitale Ökosysteme in der Praxis: Die deutsche Industrie stellt sich zunehmend dem digitalen Wandel. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie, die der Digitalverband Bitkom im Auftrag des Software-Unternehmens Autodesk im Herbst 2022 durchgeführt hat. Was auf den ersten Blick gut klingt, muss jedoch differenziert betrachtet werden.
Digitale Ökosysteme: Nur bei wenigen Unternehmen etabliert
So verbessern der Erhebung zufolge zwar immer mehr Firmen mit Hilfe digitaler Technologien ihre bestehenden Produkte. Wirklich neue digitale Geschäftsmodelle entwickeln jedoch nur wenige Unternehmen. Oder kurz gesagt: Bei nur rund einem Viertel der Befragten kommen auch digitale Ökosysteme zum Einsatz.
Doch woran liegt das? Die Gründe dafür sind vielseitig. Und natürlich lässt sich ein digitales Ökosystem nicht von heute auf morgen entwickeln und etablieren. Was mir in meiner Arbeit dennoch immer wieder auffällt, ist, dass viele deutsche Firmen digitalen Ökosystemen mit einer gewissen Vorsicht begegnen. Insbesondere im Vergleich zu US-amerikanischen Firmen. Das ist per se nicht schlecht, schließlich handelt es sich bei der Transformation um eine grundlegende Business-Entscheidung. Mit Blick auf das Potenzial digitaler Ökosysteme würde ich mir an mancher Stelle jedoch etwas mehr Risikobereitschaft hierzulande wünschen.
Bevor ich mich nun den dafür notwendigen Transformationsschritten widme, möchte ich vorab noch einmal kurz erklären, was genau unter einem digitalen Ökosystem zu verstehen ist. Hinter dem Begriff verbirgt sich ein sozio-technisches System. In diesem kooperieren Unternehmen und Menschen so miteinander, dass sie zwar voneinander unabhängig sind, sich von der Teilnahme aber einen gegenseitigen Vorteil versprechen. Ein digitales Ökosystem hat in seinem Zentrum eine digitale Plattform, die diese Kooperation über Ökosystem-Dienste besonders gut unterstützt. Der Gesamtnutzen eines Digitalen Ökosystems ergibt sich somit aus der Kombination der digitalen, vermittelnden Plattform und einer großen Menge an Partnern, die zum gegenseitigen Nutzen am Digitalen Ökosystem teilnehmen und durch ihre Interaktionen über die Plattform zu Netzwerkeffekten führen.
Langfristige Business-Entscheidung
So weit, so gut. Doch ist ein digitales Ökosystem auch automatisch ein interessantes Geschäftsmodell für jedes beliebige Unternehmen? Pauschal lässt sich diese Frage nicht mit Ja beantworten. Damit ein digitales Ökosystem vielmehr zu einem nachhaltigen Erfolg führt, braucht es vorab eine fundierte Entscheidungsgrundlage. Diese sollte Aufschluss darüber geben, welcher individuelle Business-Case sich konkret aus der Transformation ableitet und weshalb es die Mühen wert sind, diese Herausforderung anzugehen.
Mit Blick auf große Unternehmen verfügen diese in der Regel über die notwendigen Ressourcen, um ein digitales Ökosystem in die Tat umzusetzen. Ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich explizit mit den einzelnen Transformationsschritten beschäftigen. Und auch wenn die Entwicklung wider erwartend längere Zeit benötigen sollte, sind die finanziellen Mittel trotzdem meist vorhanden, um das Projekt zum Abschluss zu bringen. Umgekehrt sind viele Firmen dieser Kategorie aufgrund ihrer Größe häufig eher unflexibel und tun sich mit Veränderungen verhältnismäßig schwer. Hier sind wir an einem entscheidenden Punkt angekommen, der maßgeblich über den Erfolg eines digitalen Ökosystems entscheidet: das Commitment aller Mitarbeitenden. Denn nur, wenn wirklich die gesamte Belegschaft bei der Transformation an einem Strang zieht, kann diese auch tatsächlich funktionieren.
Agil und flexibel vs. ressourcenstark und etabliert
Was das Thema Gemeinschaft angeht, können gerade kleinere Unternehmen wie Start-ups dieses oft als klaren Vorteil für sich verbuchen. In den allermeisten Fällen sind die Organisationsstrukturen hier wesentlich schlanker und agiler ausgestaltet, sodass sich Veränderungen auch schneller realisieren lassen. Umgekehrt stehen Start-ups eher geringere finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung, was gleichbedeutend mit einem erhöhten Risiko bei der Durchführung der Transformation ist. Entsprechend verwundert es nicht, dass sich in puncto digitale Ökosysteme in der Vergangenheit oft Ausgründungen größerer Unternehmen als die „goldene Mitte“ herauskristallisiert haben. Sie bringen die notwendigen Ressourcen des Konzerns mit und sind zugleich aufgrund ihrer start-up-ähnlichen Strukturen wendig genug, um die Transformation schnell vorantreiben zu können.
Digitale Ökosysteme: Mut und Weitsicht werden belohnt
Dass Ausnahmen in diesem Fall die Regel bestätigen, zeigt das Beispiel Intersport Deutschland e.G. Das Unternehmen gilt als die größte mittelständische Verbandgruppe im weltweiten Sportfachhandel. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IESE hat es sich Intersport zum Ziel gesetzt, ein Digitales Ökosystem für Sportexperience aufbauen zu wollen. Dabei sollen mit Hilfe einer Plattform Sporterlebnisse zwischen den Anbietern und ihren Kundinnen und Kunden vermittelt werden. Inzwischen ist das Projekt abgeschlossen und die konzipierte Plattform wird nun von Intersport entwickelt.
Die Ausführung macht deutlich: Bringt ein Unternehmen Mut und Weitsicht auf und geht die digitale Transformation aktiv an, so kann mit Hilfe einer fundierten Herangehensweise wirklich Großes entstehen. Natürlich kann man nun nicht sagen, dass sich ab sofort zwingend jede Firma mit der Entwicklung eines digitalen Ökosystems beschäftigen sollte.
Stand: 16.12.2025
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Es gibt durchaus Firmen, bei denen es sinnvoll sein kann, dass sie sich eher einem bereits bestehenden digitalen Ökosystem anschließen. Was diesen Unternehmen dabei aber klar sein sollte, ist: Wer die Chance vergibt, sich mit einem digitalen Ökosystem als First Mover am Markt zu etablieren, wird das Rad der Zeit später nicht mehr zurückdrehen können.
(Bild: Fraunhofer IESE)
Der Autor Steffen Heß ist Hauptabteilungsleiter „Digital Innovation & Smart City“ am Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE.