Bei dem diesjährigen Univention Summit haben rund 750 IT-Experten und Entscheider aus Politik, IT-Wirtschaft und dem Bildungssektor in Bremen und online über digitale Souveränität und Wege aus der Abhängigkeit diskutiert.
(Bild: Univention)
Es ist noch nicht zu spät für digitale Souveränität: Unter dem Motto „Ready for Digital Sovereignty?“ diskutierten Experten, Politiker und IT-Verantwortliche beim Univention Summit vom 23. bis 24.Januar 2025 Summit im Congress Centrum Bremen über mögliche Wege aus der digitalen Abhängigkeit. Im Fokus der Beiträge auf drei Bühnen stand die Frage, wie man öffentliche Verwaltung und Bildungssektor schnell und effizient digitalisieren kann, ohne dabei in eine noch stärkere digitale Abhängigkeit von den großen US-amerikanischen IT-Konzernen zu geraten. Die jüngsten Verlautbarungen der neuen US-Regierung unter Trump hatten bei vielen Teilnehmern bestehende Sorgen weiter verstärkt.
Allgemeiner Tenor: Öffentliche Beschaffung muss umsteuern und in Vergabeverfahren Open-Source und offene Standards festschreiben, um Kontrolle zu behalten und die IT-Wirtschaft in Europa wettbewerbsfähig zu machen. Univention selbst stellte beim Summit erstmals die aktuelle Version 5.2 von Univention Corporate Server der Öffentlichkeit vor, die am 5. Februar verfügbar ist, und gab einen Ausblick auf die Roadmap seiner Lösungen UCS, Nubus für Kubernetes und UCS@school. Die Teilnehmenden nutzten den Summit ausgiebig, um in der Ausstellung moderne und offene IT-Lösungen von über 40 Softwareherstellern, IT-Dienstleistern und Univention-Partnern kennenzulernen und sich zu vernetzen.
Dominanz von China und den USA in der IT
CEO Peter Ganten hielt auf dem Univention Summit die Keynote.
(Bild: Univention)
Eröffnet wurde der Summit mit der Keynote von Peter Ganten, CEO von Univention, der zwar eine massive Bedrohung durch die chinesische und amerikanische Dominanz in der IT konstatierte, aber zu dem Schluss kam, dass unsere wirtschaftliche und digitale Abhängigkeit keineswegs besiegelt sei. Das disruptive Potential neuer Technologien, insbesondere in der KI, sei immens und würde von den Tech-Giganten gefürchtet, die sich mit Vendor-Lockin, Plattformeffekten und Marketing-Kampagnen dagegen zu wehren versuchten. Auch der renommierte Cybersicherheits-Forscher Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker vom Cyberintelligence.Institute unterstrich die Notwendigkeit digitaler Souveränität für Europa und Deutschland: „Es kommt nicht darauf an, wo die Daten liegen, sondern wer die Daten verwaltet.“
Panel diskutiert konkrete Maßnahmen für digitale Souveränität
Im einem Panel-Gespräch diskutierten Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, Jutta Horstmann (Leiterin ZenDiS), Dr. Laura Dornheim (CDO Stadt München), Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, Ann Cathrin Riedel (Load e.V.) und Peter Ganten über Strategien und ganz konkrete Schritte für mehr digitale Souveränität in den Verwaltungen. Unter anderem ging es dabei um das Für und Wider föderativer Strukturen, die Sinnhaftigkeit staatlicher Regulierung und Notwendigkeit digital souveräner IT-Infrastrukturen sowie darum, den Einsatz von Open-Source schon bei der Beschaffung mitzudenken. Jutta Horstmann betonte, dass wir mit der digitalen Abhängigkeit eine offene Flanke hätten und Donald Trump jede offene Flanke nutzen werde.
Rund 750 IT-Experten und Entscheider nahmen an dem Univention Summit in Bremen teil.
(Bild: Univention)
Dieses Thema beschäftige auch zahlreiche andere Teilnehmer wie Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter, der erklärte: „Die Sicherstellung der digitalen Souveränität muss höchste Priorität haben. Sie ist mindestens so wichtig wie Energiesouveränität. Der Univention Summit hat eindrucksvoll gezeigt, wie wir mit Open-Source-Lösungen digitale Unabhängigkeit sicherstellen und dass wir als öffentliche Verwaltung über Ländergrenzen hinweg gemeinsam mit den Unternehmen eine digital souveräne Zukunft erreichen können.“
Werkzeuge, um die digitale Souveränität zu sichern
Gründer und Geschäftsführer von Nextcloud, Frank Karlitschek, zog seine Bilanz: „Europa hat die Werkzeuge, um seine digitale Souveränität zu sichern. Diese werden jedoch nicht ausreichend genutzt. Bewährte und etablierte Open-Source-Lösungen sind der einzige Weg, um zu verhindern, dass Europa zur digitalen Kolonie wird.“
Peer Heinlein, Gründer und Geschäftsführer der Heinlein Gruppe, sagte zu der, auf dem Summit erstmals vorgestellten neuen Kollaborations-Plattform: „Mit OpenCloud präsentierten wir File-Management der nächsten Generation: Skalierbar, sicher und – natürlich – digital souverän. Eine wichtige und richtige Antwort für Politik, Verwaltung und Unternehmen.“
40 IT-Hersteller als Partner auf dem Univention Summit
Auf dem Summit präsentierten 40 Partner von Univention ihre aktuellen Lösungen und Services.
(Bild: Univention)
Neben dem Vortragsprogramm auf den drei Bühnen, das von weiteren 250 Teilnehmenden im Live-Stream verfolgt wurde, fanden zahlreiche Workshops auch von Univention-Partnern statt, darunter namhafte Softwarehersteller wie Nextcloud, OpenCloud, Open-Xchange, Apple, Collabora, OpenTalk, Thomas-Krenn sowie der Cloud-Anbieter Stackit. Dass sich öffentliche Verwaltung und Bildungssektor in einigen Bereichen schon sehr erfolgreich auf den Weg zu unabhängigeren IT-Systemen gemacht haben, zeigten Projekte wie openDesk, dessen Roadmap von Alexander Smolianitski, Produktentwicklung bei ZenDiS, vorgestellt wurde.
Stand: 16.12.2025
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Einblicke in den neuen Open-Source-Verzeichnisdienst des Landes Schleswig-Holstein gaben Sven Thomsen, CIO Schleswig-Holstein, und Alexander Graefe, Lösungsspezialist bei Dataport. Der Dienst werde in einem offenen Entwicklungsprozess kommunale Föderation, die Einbindung externer ID- und Account-Provider sowie kontextabhängige Mehr-Faktor-Authentifizierung bieten.
Zukunftsweisende Bildungsplattform und neue Version von UCS
Im Education Track stellten Schulträger Digitalisierungsprojekte vor, die sie mit Univention erfolgreich umgesetzt haben. Unter anderem präsentierte das Land Brandenburg sein Plattform- und Anwendungsübergreifendes Identitätsmanagement, das laut Reik Mauermann aus dem Bildungsministerium des Landes zu einer signifikanten Effizienzsteigerung der Nutzerverwaltung im Land geführt hat.
Darüber hinaus wurden im UCS Technik Track neue Features der Univention-Produkte sowie die Roadmap für 2025 vorgestellt. Wichtige Themen waren dabei die Weiterentwicklung der Univention IAM-Lösung Nubus für Kubernetes, ein differenzierteres Rollen- und Rechte-Modell und die Umstellung auf Keycloak als Identity-Provider mit der neuen Version UCS 5.2., die Anfang Februar offiziell released wird.