Die Digitale Transformation ist für viele Mittelständler eine schwierige Aufgabe, die sie aufgrund gestiegener Kosten, mangelnder IT- Infrastruktur oder personellen Faktoren nur langsam bewältigen. Im Interview verrät Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland, wie Unternehmen dank moderner Technologien das Digitalisierungstempo vorantreiben können.
(Bild: flashmovie – stock.adobe.com)
Die Digitalisierung ist für viele immer noch eine Herausforderung. Was sind, Ihrer Erfahrung nach, die häufigsten Probleme, mit denen Unternehmen kämpfen?
Oliver Gürtler: Es geht dabei vor allem um die Rahmenbedingungen, unter denen Unternehmen moderne Technologien einsetzen: Sie haben mit steigenden Energiekosten und Lieferengpässen zu kämpfen. Wenn ihnen dann auch noch skalierbare und sichere IT-Infrastrukturen fehlen und ein Mangel an Fachwissen über den Nutzen der Digitalisierung besteht, dann verschärfen sich diese Bedingungen noch.
Neue Technologien schnell einsetzen
Was sind die Besonderheiten, wenn es um den Mittelstand geht?
Gürtler: Jedes Unternehmen kann heute moderne Technologien in jedem Maßstab einsetzen. Die Cloud, KI und auch Low-Code-Technologien haben für eine fundamentale Demokratisierung gesorgt. Der Mittelstand profitiert hierbei vor allem von seiner Dynamik und Domainkompetenz. Sie können diese Technologien schnell produktiv nutzen und sich entscheidend von Marktbegleitern differenzieren. Die Komplexität der digitalen Transformation bleibt aber weiter die wohl größte Herausforderung. Zusammen mit unseren Lösungspartnern stehen wir hier beratend zur Seite und unterstützen mit praxisorientierten und kostenfreien Schulungsangeboten. Um den Bundeskanzler zu zitieren: „You’ll never walk alone.“
Warum das Digitalisierungstempo in Deutschland so langsam ist
Sprechen wir über das Digitalisierungstempo im deutschen Mittelstand, Sie halten nicht hinter dem Berg damit, dass es Ihnen zu langsam vorangeht. Warum ist es so?
Gürtler: Wir sehen tagtäglich viele positive und erfolgreiche Beispiele von Mittelständlern, denen es mit vergleichsweise geringerem Invest gelingt, hohe Produktivitätssteigerungen zu erzielen. Dadurch agieren sie grundsätzlich weniger kostengetrieben und können mutiger und freier entscheiden. In der Breite allerdings hinkt der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich hinterher. Deshalb ist unsere Botschaft: Wer in seine Digitalisierung investiert, wird profitabler, innovativer und wettbewerbsfähiger.
Was sind die konkreten Vorteile der Digitalisierung für Unternehmen?
Gürtler: Digitalisierung macht Unternehmen zukunftsfähig. Es gibt praktisch keine Innovation, die nicht entscheidend von der Nutzung digitaler Technologien abhängt. Aber die Digitalisierung bringt auch handfeste finanzielle Vorteile: Noch nie waren weniger Investitionen nötig, um mit Digitaltechnologien einen messbaren Nutzen zu erzielen. Eine aktuelle Untersuchung im Auftrag von Microsoft zeigt, dass Unternehmen den Return on Investment ihrer KI-Investitionen im Durchschnitt in 14 Monaten erreichen.
Der ROI lässt sich schnell erreichen
Wie lange dauert es, bis Unternehmen von der Digitalisierung im alltäglichen Geschäftsleben profitieren?
Gürtler: Noch nie war die Time-to-Market so kurz wie heute. Um Cloud-Services gewinnbringend einzusetzen, braucht es keine eigene IT-Infrastruktur. Generative KI, die wir gerade als Copiloten in all unsere Produkte integrieren, verkürzt diese Zeit noch einmal enorm und senkt zudem durch ihre einfache Zugänglichkeit die Schwelle für ihren Einsatz. Wir haben Kunden, die in nur drei Stunden einen Copiloten aufgesetzt haben und damit arbeiten. Das ist die Benchmark, mit der wir ins Rennen gehen, auch wenn die genaue Zeit natürlich am Ende vom konkreten Use Case abhängt. Unsere Botschaft an den Mittelstand: Je früher ihr anfangt, desto schneller erreicht ihr den ROI!
Thema Fachkräftemangel: Wie können Unternehmen dem dank digitaler Technologien entgegenwirken?
Gürtler: Mit Copiloten schaffen wir persönliche Assistenten, welche die Mitarbeiter bei täglichen Routineaufgaben entlasten. Präsentationen auf Knopfdruck, automatische Antworten per Mail oder intelligente Zusammenfassungen von Meetings: Es gibt fast so viele Use Cases. Jede Routine-Tätigkeit, die von einer Software übernommen wird, setzt wertvolle Ressourcen frei. Wir unterstützen ebenfalls die Entwicklung neuer Anwendungen. Der gemeinsam von Siemens und Microsoft entwickelte „Siemens Industrial Copilot“ bildet zum Beispiel eine Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Ingenieure können so mittels natürlicher Sprache den komplexen Code zur Programmierung industrieller Automatisierungssysteme viel schneller generieren. Das ist ein sehr konkreter Beitrag gegen den Fachkräftemangel.
KI im deutschen Mittelstand
Wie genau kann der Einsatz von KI einen nachweisbaren und nachhaltigen geschäftlichen Nutzen bieten?
Gürtler: KI-Projekte haben immer dann die Chance, erfolgreich zu sein, wenn Unternehmen vor der Realisierung eine klare Business-Impact-Analyse durchführen, die sich auf Erfolgsfaktoren und mögliche Auswirkungen und interne Prozesse konzentriert. Darüber hinaus braucht es Transparenz über den zu erwartenden ROI und ein starkes Commitment der Geschäftsleitung für diese Projekte. Dann kann im Durchschnitt, das zeigt die erwähnte IDC-Studie, für jeden investierten Dollar eine 3,5-fache Rendite erzielt werden.
Stand: 16.12.2025
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Cyberangriffe sind leider an der Tagesordnung. Worauf sollten Unternehmen in Sachen Sicherheit bei der Digitalisierung achten?
Gürtler: Cyberkriminalität ist zur drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen. So groß sind die Kosten, die sie weltweit pro Jahr verursacht. Der Digital Defense Report von Microsoft zeigt, dass Unternehmen aber schon mit wenigen Maßnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung oder die zeitnahe Installation sicherheitsrelevanter Updates bis zu 98 Prozent aller Angriffe verhindern können. Darüber hinaus haben wir mit dem Microsoft Security Copilot einen Assistenten für Sicherheitsteams entwickelt, der mittels generativer KI dabei hilft, Cyberkriminelle in Schach zu halten.
Schnelleres Digitalisierungstempo: Wie es gelingt
Können Sie uns ein paar Tipps verraten für den Fall, dass Unternehmen die Digitalisierung vorantreiben wollen?
Gürtler: Es ist sinnvoll, mit kleinen Projekten zu starten, Erfahrungen zu machen, „Minimum viable Products“ zu bauen und Best Practices zu schaffen, die später bei der Skalierung helfen. Gleichzeitig brauchen Unternehmen konkrete Ziele. Daran schließt sich eine Evaluation an: Welche Technologien und Qualifikationen sind nötig, was ist vorhanden und was muss angeschafft oder aufgebaut werden?
Erfolgskritisch für jedes IT-Projekt ist das Change-Management: Unternehmen müssen Veränderungen transparent gestalten und das Personal dabei mitnehmen. Am Ende kommt es darauf an, die Mitarbeitenden für Digitaltechnologien zu begeistern, ihnen den Raum zum Ausprobieren und die Freiheit für Fehler zu geben.
Oliver Gürtler Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland und verfügt über 20 Jahre IT- und Digitalisierungserfahrung