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Serie: KI-Technologie aus China

KI-Offensive von China: Intelligente Drohnen, riskantes Terrain – Teil 3

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Führende Position Chinas bei Consumer-Drohnen

In puncto technischer Leistungsfähigkeit nehmen chinesische Hersteller im Consumer-Segment eine weltweit führende Position ein. Dies äußert sich in unübertroffenem Preis-Leistungs-Verhältnis, langer Flugzeit, Reichweite, Kameratechnologie und einer hochgradig automatisierten und dadurch benutzerfreundlichen Flugerfahrung. Das rasante Innovationstempo und geschlossene Ökosysteme aus Hardware, Software und Dienstleistungen verstärken diese Dominanz. Westliche Hersteller setzen gezielt auf Spezialisierung und regulatorische Compliance. Ihre Stärken liegen in hochspezialisierten Nischen für Industrie, Behörden und kritische Infrastruktur, in datenschutzfreundlichen Architekturen und in Lösungen, die von vornherein auf strenge Zertifizierungen ausgelegt sind.

Bei der Absturz- und Flugsicherheit werden technische und politisch-regulatorische Sicherheit unterschieden. Hochwertige chinesische Drohnen für Consumer verfügen über ausgeklügelte integrierte Sicherheitssysteme wie mehrfache Sensorredundanzen, präzises Geofencing und zuverlässige Notfallroutinen. Die zentralen Vorbehalte gegenüber diesen Systemen – vor allem von US- und EU-Behörden geäußert – betreffen jedoch Cybersicherheit und Datensouveränität. Es bestehen Bedenken hinsichtlich möglicher Datenabflüsse oder versteckter technischer Abhängigkeiten.

Pauschale Unterstellungen einer automatischen Datenweitergabe an den chinesischen Staat halten der Realitätsprüfung aber nicht stand. Chinesische Hersteller wie DJI bieten seit Jahren funktionale Datenschutzmodi wie den Local Data Mode an, der Internetverbindungen unterbindet, und unterwerfen sich für ihre Enterprise-Produkte strengen internationalen Zertifizierungen. Zudem unterliegen Drohnen auch chinesischen Datenschutzgesetzen wie dem Data Security Law (DSL) und dem Personal Information Protection Law (PIPL), das den Umgang mit Daten reglementiert. Die Risikominimierung erfolgt oft pragmatisch durch hybride Lösungen: Chinesische Hardware wird mit europäischer Sicherheitssoftware kombiniert, Daten auf lokalen Servern verarbeitet oder Systeme im Offline-Betrieb gefahren. Diese Praxis zeigt, dass Sicherheit weniger eine Frage der Herkunft, sondern vielmehr des konkreten Systemdesigns und Betriebskonzepts ist.

Das Risiko hängt vom Einsatzszenario ab

Eine statische Einstufung als kritisch oder unkritisch wird der Komplexität des Drohnen-Marktes nicht gerecht. Das Risiko ist abhängig von vier Faktoren:

1. Einsatzkontext: Beispielsweise kritische Infrastruktur vs. landwirtschaftliche Vermessung.
2. Datentyp und Datenfluss: Werden personenbezogene oder sicherheitsrelevante Daten erfasst? Erfolgt die Verarbeitung lokal und offline?
3. Technische und organisatorische Maßnahmen: Werden Security-by-Design-Prinzipien, lokale Server oder spezielle Sicherheitszertifizierungen genutzt?
4. Regulatorisches Umfeld: Werden DSGVO, Cyber Security Act und EU-Drohnenvorschriften eingehalten?

Beispiele: Die Drohne DJI Matrice 300 für die Inspektion einer Windkraftanlage im Offline-Betrieb hat ein völlig anderes Risikoprofil als dasselbe Gerät in der Online-Konfiguration bei der Überwachung einer Großveranstaltung.
Ein Komponentenlieferant wie T-Motor hat ein Lieferkettenrisiko, während ein Systemanbieter wie EHang, bedingt durch den Einsatz im Personentransport, mit komplexen regulatorischen und datenschutzrechtlichen Herausforderungen konfrontiert ist.

Einheitlicher Rechtsrahmen durch EU-Drohnenverordnung

Wir erwarten jedoch eine geopolitisch bedingte Verschärfung der europäischen Sicherheitsvorgaben. Die EU-Drohnenverordnung ist als einheitlicher Rechtsrahmen seit 1. Januar 2026 vollständig wirksam. Sie macht Betreibern sowie Unternehmen und Privatpersonen als Nutzer Vorgaben für sicheren, effizienten und rechtskonformen Einsatz von Drohnen in ganz Europa. Unternehmen, die Drohnen etwa für Inspektionen, Vermessung, Dokumentation, Marketing, Sicherheit, Landwirtschaft oder Bauüberwachung einsetzen, müssen sich EU-weit registrieren, eine Betreiberkennung führen, geeignete Drohnen mit korrekter Klassenkennzeichnung einsetzen und sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter die erforderlichen Fernpiloten-Nachweise besitzen.

Die Mitarbeiter müssen je nach Einsatzprofil standardisierte Betriebsregeln einhalten oder vorab eine behördliche Genehmigung mit Risikobewertung einholen. Die Auswahl der Drohnen-Plattform ist deshalb nicht nur eine technische, sondern auch eine regulatorische Entscheidung. Nur im Sinne der EU-Vorgaben korrekt klassifizierte, CE-konforme und zukunftssichere Systeme können ohne Sondergenehmigungen betrieben werden. Gleichzeitig müssen Unternehmen interne Prozesse für Schulung, Dokumentation, Einsatzplanung, Datenschutz und Haftung etablieren.

Bei der Kostenstruktur profitieren chinesische Hersteller von der Massenproduktion, der vertikalen Integration und von Skaleneffekten, was zu einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis führt. Ein leistungsfähiges Consumer-Modell ist oft für unter 1.000 Euro erhältlich. Westliche Lösungen sind dagegen typischerweise zwei- bis zehnmal teurer. Diese Premium-Preise rechtfertigen sich durch geringere Stückzahlen, höhere Arbeitskosten, aufwändige Zertifizierungsprozesse und die entwicklungsintensive Spezialisierung auf anspruchsvolle B2B- und Government-Märkte.

Dr. Hans Joachim Fuchs Chinabrand DrohnenDr. Hans Joachim Fuchs
ist geschäftsführender Gesellschafter der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand IP Consulting

Dr. Lili Yang Chinabrand DrohnenDr. Lili Yang
ist Senior Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand IP Consulting

Wei Zhong ChinabrandWei Zhong
ist Consultant bei der Chinabrand IP Consulting GmbH.

Bildquelle: Chinabrand IP Consulting

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