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IT-Strategie 2026 Einsatz von KI: Mehr Pragmatismus statt Perfektionismus ist gefragt

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 4 min Lesedauer

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In geopolitisch und ökonomisch volatilen Zeiten fällt die EU und auch Deutschland im Bereich der Spitzentechnologie und Innovation zurück. Wenn hiesige Unternehmen nicht zügig signifikante Effizienzgewinne beim Einsatz von KI realisieren, droht der Vorsprung der USA und Asiens übermächtig zu werden.

(Bild:  ©  ImageFlow/stock.adobe.com)
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Darum geht’s:

Steigendes Investitionstempo in KI: Deutschland und Europa müssen ihr Investitionstempo bei der künstlichen Intelligenz erhöhen, um im internationalen Wettbewerb relevant zu bleiben, insbesondere angesichts der Herausforderungen durch den EU AI Act.

Notwendigkeit von Effizienz und Fachkräften: Unternehmen müssen Geschäftsmodelle optimieren und qualifizierte Fachkräfte im Bereich IT und KI rekrutieren und halten. Eine positive Fehlerkultur ist entscheidend für den nachhaltigen Erfolg von KI-Projekten.

Pragmatischer Ansatz vs. Perfektionismus: Eine pragmatische Herangehensweise an technologische Entwicklungen ist erforderlich, um Innovationshemmnisse zu überwinden und den Produktivitätswettbewerb nicht zu verlieren. 2026 könnte hierbei eine Wende bringen.

Für den europäischen und deutschen Wirtschaftsraum ist es an der Zeit, in etlichen Technologie-Bereichen wie dem Einsatz von KI das Investitionstempo wieder zu erhöhen. Bei den relevanten Trends des Jahres 2026 und darüber hinaus ist insbesondere Deutschland noch nicht gut aufgestellt, um im internationalen Wettbewerb die erforderlichen Fortschritte bei Produktivität und Innovation zu machen.

Robert Gögele, Area President Europe and Middle East bei Avanade, ist überzeugt „Ob Maschinen- und Anlagenbau, Automobil oder Finanzwelt: Als global tätiges Unternehmen erhalten wir zahlreiche wertvolle Einblicke in IT-Projekte rund um den Globus. Auf dieser Basis können wir gut Vergleiche anstellen. Und Europa steht hier vor großen Aufgaben, die durch die zunehmende Regulierung nicht vereinfacht wurden. Insgesamt wären wir gut beraten, etwas pragmatischer voranzugehen.“

Einsatz von KI: Trends für das Jahr 2026

Inkrafttreten des EU AI Act: Die Unternehmen werden erhebliche Ressourcen für die Umsetzung von regulatorischen Vorgaben einsetzen müssen. Gleichzeitig gilt es, kurzfristige operative Maßnahmen zum schnelleren und gewinnbringenderen Einsatz von KI zu verstärken und die diesbezügliche strategische Ausrichtung zu schärfen. Das bedeutet, dass ein erheblicher Einsatz von Ressourcen nötig sein wird, um Talente und Werkzeuge aufzubauen – bei gleichzeitig stagnierender Wirtschaft und großen Unsicherheiten, etwa bei der Zollpolitik.

Mehr Effizienz für Beibehalt der Marktrelevanz: Insgesamt stehen die Unternehmen in Europa und Deutschland vor der Aufgabe, ihre Geschäftsmodelle und sämtliche Prozesse schnell zu optimieren. Als durchschnittliche Mindestgröße stehen mittlere zweistellige Prozentsätze im Raum. Der Wettbewerb wird 2026 noch intensiver, so dass der Druck nach Optimierung größer wird.

Persistenz bei KI-Projekten: Während viele Unternehmen in Europa und Deutschland noch relativ zügig erste KI-Projekte begonnen haben, wurden diese durch einen Mix aus Ernüchterung und Bürokratie zwischenzeitlich ausgebremst. Daher werden im Jahr 2026 Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen und technologische Nachhaltigkeit gefragt sein: Wo IT- und operative Abteilungen mit viel Optimismus und Perfektionsanspruch begonnen haben, müssen sie nun ihre Anwendungsfälle prüfen, optimieren, neue aufbauen und skalieren. Hierfür ist auch eine positive Fehlerkultur entscheidend. Die Erwartung muss sich von „Selbstläufer KI“ weiterentwickeln zu „Einsatz von KI als kontinuierliches Programm“.

Fachkräfte: Während die Suche nach Talenten in den vergangenen Jahren eine qualitative und quantitative Herausforderung war, wird sich die bereits im Lauf des Jahres 2025 begonnene Entwicklung in Deutschland und Europa fortsetzen – Unternehmen werden sich beim Recruiting vor allem darauf fokussieren müssen, sehr erfahrene Arbeitskräfte zu finden und zu halten. Das gilt im Besonderen für Aufgaben rund um IT-Innovationen, Prozessoptimierung und künstliche Intelligenz. Überdies werden umfassende Investitionen in Schulungen und Weiterbildung erforderlich sein, was die Finanzpolster weiter belasten wird.

Bildungssystem: Das Bildungswesen hat sich noch nicht ausreichend auf die neue, von KI geprägte Arbeits- und Wirtschaftswelt eingestellt. Insbesondere die zersplitterte Bildungspolitik der einzelnen Länder wird dabei für die Bundesrepublik zur Herausforderung werden. Eine der zentralen Aufgaben für das Jahr 2026 wird es sein, diesen Zustand zu ändern und den Trend zum Einsatz von KI nachhaltig in den Lehrplänen und Schulen zu verankern – mitsamt der ihm inhärenten Dynamik.

Pragmatismus statt Perfektion: Aus teils abstrakten Sicherheits- und Souveränitätsdebatten ist eine Diskussion um digitale Souveränität entstanden, die bereits jetzt konkret Fortschritte und Entwicklungen hemmt. 2026 wird entscheidend sein, wieder auf den Pfad der Realität zurückzukehren: Abstrakte Gefährdungen mit niedrigen Eintrittswahrscheinlichkeiten dürfen nicht dazu führen, akute und aktuelle Innovationen nicht stattfinden zu lassen.

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Einsatz von KI erfordert technologische Geschwindigkeit

Robert Gögele ist Area President Europe and Middle East bei Avanade.(Bild:  Avanade)
Robert Gögele ist Area President Europe and Middle East bei Avanade.
(Bild: Avanade)

Robert Gögele erklärt: „Insbesondere Deutschland, aber auch weite Teile Europas insgesamt sollten sich wieder stärker um technologische Geschwindigkeit kümmern. Das bedeutet nicht, dass Risiken ignoriert werden sollten. Es wird jedoch entscheidend sein, die Chancen endlich wieder mindestens gleichwertig zu sehen und ihnen sehr rasch die entsprechende positive Energie zukommen zu lassen. Andernfalls sind wir digital souverän, aber verlieren jedes Innovationsfeld und den Produktivitätswettbewerb ans Ausland. 2026 wird insofern ein entscheidendes Jahr – mit mehr Pragmatismus können wir eine Wende zum Guten schaffen.“

Insbesondere Deutschland, aber auch weite Teile Europas insgesamt sollten sich wieder stärker um technologische Geschwindigkeit kümmern.

Robert Gögele, Avanade

Robert Gögele bringt globale Erfahrung für Europa mit

Robert Gögele hat nach über zwei Jahren in den USA als Verantwortlicher für die Region „North-East“ im September auf seinem Heimatkontinent die Führung von Avanade übernommen: Der ehemalige Deutschland-Geschäftsführer leitet seitdem die Europa-Geschäfte des Unternehmens; zudem verantwortet er die Region des Mittleren Ostens. In seiner neuen Rolle arbeitet er insbesondere daran, die Ausrichtung der europäischen Organisation auf eine KI-zentrierte Welt weiter voranzutreiben – vom Talentaufbau über die Entwicklung und den Ausbau des Geschäfts bis hin zum operativen Angebot als Experte für das Microsoft-Ökosystem. Die Nähe der vergangenen zwei Jahre zu den US-Pionieren im Bereich der künstlichen Intelligenz bildet dabei ein starkes Fundament, flankiert von seinem heimischen Netzwerk und dem Verständnis der jeweiligen Kulturen in Europa und im Mittleren Osten.