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Bündnis gegen ePA Elektronische Patientenakte: Ist die Einführung ein Erfolg oder Flop?

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Die Kritik an der jetzt eingeführten „ePA für alle“ reißt nicht ab. Die Freie Ärzteschaft ist Teil eines kritischen Bündnisses gegen die zentrale elektronische Patientenakte. Der Vereinigung gehören Versicherte, Ärzte, Psychotherapeuten, Datenschützer und Bürgerrechtsorganisationen an.

(Bild:  © Zerbor/stock.adobe.com)
(Bild: © Zerbor/stock.adobe.com)

Nach 20-jähriger Planung, Milliardenausgaben und Verschiebungen soll die „ePA für alle“ ab dem 1. Oktober 2025 für Ärzte, Psychotherapeuten und Apotheker „verpflichtend“ eingeführt werden. „Auf teuren Kongressen wird die elektronische Patientenakte als Erfolgsmodell beworben. Für die gesetzlich Versicherten sieht die Sache völlig anders aus“, erklärt Jan Kuhlmann, Jurist und Sprecher des Bündnis Widerspruch gegen die ePA. Auch die Freie Ärzteschaft e.V.  ist Teil des Bündnisses gegen die zentrale elektronische Patientenakte.

„Wie die Süddeutsche Zeitung kürzlich berichtete, nutzen nur acht Prozent der gesetzlich Versicherten tatsächlich die ePA, während ein größerer Anteil von elf Prozent der Anlage ihrer ePA widersprochen hat. Unabhängig davon floppt das e-Rezept ebenfalls. In den letzten Monaten haben häufige Systemausfälle zu massiven Problemen in der Arzneimittel-Versorgung geführt. Ärzte und Apotheker sprechen inzwischen davon, dass das e-Rezept in punkto Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn den Rang abgelaufen habe“, so Kuhlmann weiter.

Politische Versprechen eingehalten

„Im April 2025 wurde der Zeitpunkt, die elektronische Patientenakte einzuführen, mit dem Versprechen verschoben, dass bis Ende September ausführliche Tests in Testregionen durchgeführt und als erfolgreich ausgewertet werden sollten. Außerdem sollten die Sicherheitslücken vollständig beseitigt sein. Nur dann würde die verpflichtende Einführung erfolgen“ so Dr. Silke Lüder, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Hamburg.

„Nichts davon ist passiert. Die beteiligten Test-Ärztinnen und Ärzte stellten der ePA in der Praxis ein eher schlechtes Zeugnis aus. Praktische Erfahrungen aus dem Klinikbetrieb sind unbekannt. Die technische Verfügbarkeit entspricht nicht den Anforderungen. Die Telematikinfrastruktur belastet die medizinische Versorgung in Deutschland durch Zeitverluste, hohe Kosten und häufige Totalausfälle. Trotzdem werden Ärzte und Psychotherapeuten jetzt mit finanziellen Strafen genötigt, die elektronische Patientenakte aktiv zu befüllen“, so Lüder weiter.

Elektronische Patientenakte: Schweigepflicht überflüssig?

„Mit der „ePA für alle“ wird die ärztliche Schweigepflicht faktisch abgeschafft", kritisiert Dr. Andreas Meißner, Psychiater und Psychotherapeut aus München. „Die freiwillige Teilnahme wurde gesetzlich umgeändert in eine Widerspruchslösung (opt-out). Gleichzeitig wurden Sicherheitskriterien gesenkt und die Zugriffsregelungen für alle Berufsgruppen sind viel zu weitgehend" bemängelt Meißner. Der Fokus des Mammutprojektes liege nicht auf besserer Medizin, sondern auf Auswertung der Krankheitsdaten durch Pharmafirmen und KI-Training. 

Aus diesem Grund lehnten viele Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeuten das für medizinische Zwecke wenig hilfreiche System weiterhin ab und engagierten sich zusammen mit Versicherten und Datenschützern in kritischer Zusammenarbeit, so Meißner. Auch der Deutsche Ärztetag 2025 habe im Mai deutliche Verbesserungen im Gesamtprojekt gefordert. Diese seien bis heute aber nicht realisiert worden.

Wer sicher sein möchte, dass seine Daten nicht in dieses unausgereifte System gelangen oder für andere Zwecke als die medizinische Behandlung missbraucht werden, hat die Möglichkeit, seine elektronische Patientenakte löschen zu lassen. Hierfür genügt ein formloser Widerspruch gegenüber der Krankenkasse, beispielsweise mithilfe des Widerspruchs-Generators auf widerspruch-epa.de.

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