Die umweltgerechte Gestaltung von Produkten (Ökodesign) leistet einen wichtigen Beitrag, um die Energie- und Ressourceneffizienz zu verbessern. Die geplante EU-Ökodesign-Verordnung hat weitreichende Auswirkungen für Unternehmen, insbesondere für die Softwareentwicklung.
(Quelle: brutto film - Adobe Stock)
Die Europäische Kommission schätzt, dass europaweit bis 2030 jährlich Energie im Umfang von knapp 167 Terawattstunden eingespart werden kann. Dies entspricht einer Verringerung von über 46 Millionen Tonnen CO2 – und damit etwa dem jährlichen Energieverbrauch Dänemarks. Die nun geplante Nachhaltigkeitsinitiative in Form der Ökodesign-Verordnung zielt darauf ab, den ökologischen Fußabdruck von Produkten über ihren gesamten Lebenszyklus zu reduzieren.
Ökodesign-Verordnung bietet Chancen für Verbraucher
Für Verbraucher wird die EU-Ökodesign-Verordnung in erster Linie eine bessere Produktqualität bedeuten – aber auch eine längere Lebensdauer von Software, die smarten Produkten ihre Fähigkeiten verleiht. Dies bedeutet, dass Anwendungen weniger anfällig für Fehler und Abstürze sein sollten, was die Benutzererfahrung insgesamt verbessert. Die Verordnung könnte außerdem dazu beitragen, dass Verbraucher weniger häufig Updates oder Upgrades durchführen müssen, was wiederum Kosten spart und die Umweltbelastung durch die Herstellung neuer Software weiter reduziert. Darüber hinaus könnte die EU-Regelung die Transparenz bezüglich der Umweltauswirkungen von Software verbessern: Nutzer könnten leichter Informationen darüber erhalten, wie ressourceneffizient eine Anwendung ist und auf Basis dieser Einblicke umweltfreundlichere Entscheidungen treffen.
Ökodesign-Verordnung führt zu besserer Produktqualität
Die Verordnung stellt für Softwarehersteller hingegen eine bedeutende Herausforderung dar. Sie erfordert eine Überprüfung und Neugestaltung von Entwicklungsprozessen, um sicherzustellen, dass Software und die damit ausgestatteten Produkte länger nutzbar sind und weniger Ressourcen verbrauchen. Dies könnte zu höheren Anfangsinvestitionen führen, aber langfristig zu Kosteneinsparungen durch weniger Kundenbeschwerden, Support-Anfragen und Software-Updates. Auch wenn es erst einmal aufwändig klingt, führt wohl kein Weg an einer Veränderung vorbei: Hersteller müssen in Zukunft sicherstellen, dass ihre Softwarelösungen den Anforderungen der EU entsprechen und nachhaltiger werden. Dies erfordert eine bessere Integration von Umweltaspekten in den gesamten Software-Entwicklungszyklus.
Nachhaltige Softwareentwicklung in Europa
Die EU-Ökodesign-Verordnung wird nicht nur ein Umdenken in Unternehmen bewirken, sondern auch weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringen. Den Rahmen für einheitliche, verbindliche Ökodesign-Mindestanforderungen an Produkte innerhalb der EU bildet seit 2005 die EU-Ökodesign-Richtlinie. Die neue Verordnung wird die bestehende Richtlinie aus dem Jahr 2009 ersetzen und den Anwendungsbereich erweitern, um Anforderungen an die ökologische Nachhaltigkeit für fast alle Waren festzulegen, die in der EU in Verkehr gebracht werden. Sie schafft einen „digitalen Produktpass“ und legt Regeln für Transparenz und Verbraucherschutz fest.
Die Europäische Kommission fördert damit eine nachhaltigere Softwareentwicklung und trägt zur Reduzierung des Elektroschrotts bei. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Bewältigung des (elektronischen) Abfallproblems und zur Verringerung des CO₂-Ausstoßes, der mit der Softwareentwicklung verbunden ist. Darüber hinaus kann die Verordnung die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich der Software-Optimierung und -Wartung fördern, da Hersteller verstärkt auf Nachhaltigkeit achten müssen. Die Herausforderung in einer sich ständig weiterentwickelnden Umgebung, insbesondere im Kontext vernetzter Produkte, besteht darin, sicherzustellen, dass Software und Software-gestützte Produkte auch langfristig effektiv bleiben. Dies erfordert eine kontinuierliche Aktualisierung und Anpassung.
Product Line Engineering als bewährte Methode
Bei der Einhaltung der EU-Ökodesign-Verordnung kann Product Line Engineering (PLE) eine wichtige Rolle spielen. PLE ermöglicht es Herstellern, Software-Produktlinien zu entwickeln, die auf gemeinsamen Kernkomponenten basieren, aber auch flexibel genug sind, um sich an sich ändernde Umgebungen anzupassen. Durch diese modulare Herangehensweise können Hersteller schon heute nachhaltige Software entwickeln, die einfacher gewartet und aktualisiert werden kann. In der Automobilproduktion und im Bereich der Luft- und Raumfahrt ist das bereits seit mehreren Jahren eine bewährte Methode. Der Vorteil: nachhaltige Softwareentwicklung von Anfang an, die sich für Anwender und Hersteller gleichermaßen lohnt.
Durch Ökodesign-Verordnung Ressourcen schonen
Eine der Grundideen von PLE ist die maximale Wiederverwendung von Softwarekomponenten. Dies bedeutet, dass Entwickler weniger Zeit und Ressourcen für die Erstellung neuer Komponenten aufwenden müssen. Denn sie können auf bereits entwickelte Module zurückgreifen. Dies reduziert den Ressourcenverbrauch und den Energieaufwand für neue Softwareprodukte.
Die ständige Weiterentwicklung von Softwareumgebungen, insbesondere im Kontext vernetzter Produkte, erfordert eine hohe Anpassungsfähigkeit. Dank PLE können Software und smarte Produkte leicht und flexibel an sich ändernde Umgebungen angepasst werden, ohne von Grund auf neu entwickelt zu werden. Dies spart Zeit und Ressourcen und reduziert den Bedarf an neuen Produktionszyklen.
Fehler beheben, Lebensdauer verlängern
Softwarealterung und Fehler sind oft Gründe für die Entsorgung von Produkten. Mit PLE können Hersteller Anwendungen schneller und effizienter aktualisieren und Bugs beheben, da sie auf eine gemeinsame Codebasis zurückgreifen. Dies führt zu einer geringeren Anzahl von veralteten oder unbrauchbaren Produkten, was wiederum den ökologischen Fußabdruck verbessert. Durch die Möglichkeit, Produkte mit eingebetteter Software länger zu unterstützen und anzupassen, kann PLE dazu beitragen, dass sie länger auf dem Markt bleiben und nicht so schnell veralten. So erhöhen Hersteller die Lebensdauer ihrer Produkte und tragen zu mehr Nachhaltigkeit bei.
Stand: 16.12.2025
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Die Implementierung von PLE erfordert zwar initial höhere Investitionen in die Entwicklung einer flexiblen und modularen Codebasis, zahlt sich jedoch langfristig aus. Hersteller können Kosten reduzieren, da sie weniger Zeit und Ressourcen für die Neuentwicklung von Software aufwenden müssen. Dies ermöglicht es ihnen, von nachhaltigen Produkten zu profitieren, die über einen längeren Zeitraum hinweg Einnahmen generieren.
PLE als Schlüssel für nachhaltige Software-Entwicklung
Die geplante EU-Ökodesign-Verordnung wird Veränderungen in der Art und Weise bringen, wie Software entwickelt, genutzt und verwaltet wird. Für Verbraucher bedeutet dies eine verbesserte Qualität und eine längere Lebensdauer von Produkten und Lösungen. Hersteller müssen dagegen Anpassungen in ihren Entwicklungsprozessen vornehmen, um nachhaltigere Anwendungen zu schaffen. Insgesamt wird die Verordnung dazu beitragen, den ökologischen Fußabdruck der Softwareindustrie zu verringern und langfristig positive Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Umwelt haben. Mit Product Line Engineering (PLE) gibt es zum Glück eine leistungsstarke Methode, um Software und smarte Produkte nachhaltiger zu gestalten und die Anforderungen der Verordnung zu erfüllen. In einer sich ständig weiterentwickelnden Softwarelandschaft wird PLE damit zu einem entscheidenden Werkzeug für nachhaltige und wirtschaftliche Software.
(Prof. Dr. Danilo Beuche ist Mitbegründer und CEO von der Pure-systems GmbH. (Bild: Pure-systems))
Über den Autor: Prof. Dr. Danilo Beuche ist Mitbegründer und CEO von der Pure-systems GmbH. Der Anbieter für ganzheitliches Variantenmanagement und Product Line Engineering (PLE) wurde im Oktober 2023 von PTC übernommen. Seit Mitte der 90er Jahre beschäftigt sich Beuche mit eingebetteten Betriebssystemen und Softwarefamilien. Seine Arbeit zur Toolentwicklung für Feature-basierte Softwareentwicklung an der Universität Magdeburg führte schließlich zur Gründung von pure-systems im Jahr 2001. Seit 2016 ist Danilo außerdem Honorarprofessor am Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) der Universität Leipzig. (sg)