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Enterprise Resource Planning Experten-Talk: Cloud-ERP und digitale Souveränität

Von Konstantin Pfliegl 6 min Lesedauer

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Ein Enterprise Resource Planning (ERP) gehört in vielen Unternehmen zum Standard – häufig aus der Cloud. Doch wie lässt sich digitale Souveränität im ERP-Bereich sicherstellen, ohne dass die Interoperabilität zu stark eingeschränkt wird?

(Bild:  © AI.Era/stock.adobe.com)
(Bild: © AI.Era/stock.adobe.com)

Um ein Enterprise Resource Planning (ERP) zur Steuerung und Optimierung der unternehmerischen und betrieblichen Abläufe kommt kaum ein Unternehmen herum. Und viele setzen hierfür auf die Cloud. Doch wie lässt sich eine digitale Souveränität im ERP-Bereich sicherstellen? DIGITAL BUSINESS fragt bei Experten von ams.Solution, Gebra-IT, IFS, Forterro und Xentral nach: „Wie lässt sich in Zeiten der Cloud eine digitale Souveränität im ERP-Bereich sicherstellen, ohne dass die Interoperabilität zu stark eingeschränkt wird?“

Jens Schulte – Prokurist Produktentwicklung bei ams.Solution

ERP-Systeme steuern sämtliche Unternehmensprozesse zentral und sorgen so für Effizienz und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mit Blick auf die Sensibilität der in den ERP-Lösungen verarbeiteten Daten einerseits und dem Wunsch nach größtmöglicher Interoperabilität mit Dritt- und Cloudsystemen andererseits rückt die Frage nach digitaler Souveränität zunehmend in den Fokus – zumal der Faktor künstliche Intelligenz und die datentechnisch nicht risikolose Nutzung frei zugänglicher Large Language Models wie ChatGPT hinzukommt.

Jens Schulte, Prokurist Produktentwicklung bei ams.Solution.(Bild:  ams.Solution)
Jens Schulte, Prokurist Produktentwicklung bei ams.Solution.
(Bild: ams.Solution)

Für ams.Solution bedeutet digitale Souveränität im ERP-Kontext die Wahrung der technischen und juristischen Datenhoheit. Dabei geht es zunächst um passende Governance- und Sicherheitsmaßnahmen. Dies darf jedoch nicht zu technologischen Abhängigkeiten und Einschränkungen führen. Vielmehr müssen die ERP-Anwender in der Lage sein, ihre Software flexibel durch die Anbindung von Drittsystemen und Cloud-Applikationen zu erweitern. 

Der On-Premises-Betrieb bleibt für viele ams-Kunden die bevorzugte und strategisch sinnvollste Option, weil er maximale Kontrolle über Daten, individuelle Anpassungen und Release-Zyklen ermöglicht. Insbesondere in regulierten Branchen oder bei sensiblen Produktions- und Betriebsdaten sprechen Compliance-Anforderungen, Sicherheitsaspekte und Performance-Vorteile für eine lokale Infrastruktur. Zudem lassen sich Investitions- und Betriebskosten langfristig planen.

Unser modular aufgebautes ERP-System mit seinen offenen Standards schafft die Balance zwischen technologischer Eigenständigkeit und nahtloser Integration in digitale Ökosysteme. Unter Interoperabilität verstehen wir in diesem Zusammenhang die Fähigkeit, ams.erp über passende leistungsstarke APIs mit unterschiedlichsten Systemen, Anwendungen und Komponenten kommunizieren zu lassen. Der Austausch von einzelnen Datensätzen und ganzen Dokumenten steht dabei im Vordergrund. Damit wird die Zusammenarbeit verschiedener Systeme massiv vereinfacht, was zu effizienteren Prozessen und verbesserter Zusammenarbeit führt. In puncto KI empfiehlt sich die Nutzung unserer lokal installierten Plattform, die den Abfluss geschäftskritischer Daten verhindert, aber dennoch in der Lage ist, andere LLMs anzubinden. Somit wird ams.erp auch in diesem Kontext zum verlässlichen Prozess- und Datenraum.

Udo Hensen – Geschäftsführer der Gebra-IT

Digitale Souveränität im ERP-Bereich bedeutet für mich nicht, die Cloud grundsätzlich infrage zu stellen. Im Gegenteil: Cloud-Technologien bieten Unternehmen enorme Chancen in Bezug auf Skalierbarkeit, Verfügbarkeit und Geschwindigkeit. Entscheidend ist aber, dass Unternehmen dabei nicht die Kontrolle über ihre eigenen Prozesse, Daten und Entwicklungsmöglichkeiten verlieren. Genau darin liegt heute die eigentliche Herausforderung.

Udo Hensen, Geschäftsführer der Gebra-IT.(Bild:  Gebra-IT)
Udo Hensen, Geschäftsführer der Gebra-IT.
(Bild: Gebra-IT)

Ein ERP-System darf nicht zur Black-Box werden, die zwar vieles kann, aber nur innerhalb eines starren Anbieter-Ökosystems funktioniert. Digitale Souveränität entsteht dort, wo Unternehmen ihre Abläufe selbst gestalten, ihre Daten sicher und transparent nutzen und ihre Systemlandschaft flexibel weiterentwickeln können. Dafür braucht es offene Schnittstellen, verlässliche Integrationsmöglichkeiten und eine Architektur, die Interoperabilität nicht als Zusatzfunktion versteht, sondern als Grundprinzip.

Aus unserer Sicht ist genau das der richtige Weg: ein ERP, das als stabiles digitales Rückgrat funktioniert und gleichzeitig offen genug bleibt, um andere Systeme, Plattformen und Anwendungen nahtlos einzubinden – ob in der Cloud, hybrid oder in bestehenden Infrastrukturen. Denn kaum ein Unternehmen arbeitet heute noch in einer abgeschlossenen IT-Welt. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss Finanzwesen, Logistik, Produktion, Einkauf, CRM, E-Commerce oder branchenspezifische Lösungen intelligent miteinander vernetzen können.

Mit der Gebra-Suite verfolgen wir deshalb einen Ansatz, der Anpassungsfähigkeit und Konnektivität bewusst in den Mittelpunkt stellt. Unternehmen sollen nicht gezwungen sein, ihre Prozesse an ein System anzupassen – sondern das System muss die Prozesse des Unternehmens unterstützen. Genau so lässt sich digitale Souveränität in der Cloud sichern: nicht durch Abschottung, sondern durch Offenheit, Flexibilität und die Freiheit, Systeme so zu verbinden und weiterzuentwickeln, wie es das eigene Geschäftsmodell verlangt.

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