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Interview

Gaia-X: So funktioniert der europäische Ansatz für digitale Souveränität

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Das Ökosystem Gaia-X in der Praxis

Gaia-X bietet ein „europäisches Ökosystem aus vernetzten Datenräumen, in dem Daten durch feste Standards und offene Schnittstellen miteinander verknüpft, sicher geteilt und einfach zwischen verschiedenen Systemen portiert werden können.“ Vielleicht können Sie kurz erläutern, was Gaia-X Unternehmen aus Europa konkret bietet?

Ulrich Ahle: Einfach gesagt: Gaia-X hilft Unternehmen, Daten sicher, transparent und effizient über Grenzen und Plattformen hinweg zu teilen und zu nutzen. Konkret stellen wir drei Bausteine bereit:

  • Das Gaia-X Trust Framework – ein Satz offener, überprüfbarer Regeln und Compliance-Mechanismen, die Transparenz und Vertrauen garantieren.
  • Das Technische Framework – Spezifikationen und Open-Source-Komponenten wie das Gaia-X Registry, den Notary und die Compliance Engine, die Interoperabilität ermöglichen.
  • Die Gaia-X Digital Clearing Houses – unabhängige Einrichtungen, die Dienste und Teilnehmer durch überprüfbare Nachweise zertifizieren.
    Für europäische Unternehmen bedeutet das: Sie können Daten und Dienste über verschiedene Clouds hinweg verbinden, Compliance automatisch sicherstellen und Anbieterabhängigkeit vermeiden. Es ist das Fundament einer vertrauenswürdigen europäischen Datenökonomie.
Gaia-X ist nicht mehr theoretisch – es ist operativ, skalierbar und liefert greifbare Souveränität.

Ulrich Ahle, CEO von Gaia-X

Wie muss man sich das in der Praxis vorstellen: Als europäisches Unternehmen bin ich auf der Suche etwa nach einem KI-Cloud-Dienst – und Gaia-X hilft mir dabei, einen entsprechenden Anbieter aus Europa zu finden, bei dem ich mir sicher sein kann, dass meine digitale Souveränität gewahrt bleibt?

Ulrich Ahle: Genau. Über das Gaia-X-Ökosystem können Sie Anbieter finden, die Gaia-X-konform sind – also europäischen Standards für Datenschutz, Transparenz und Interoperabilität entsprechen.

Jeder Dienst wird durch überprüfbare digitale Nachweise beschrieben, die angeben, wo Daten gespeichert werden, welches Recht gilt, welche Interoperabilitätsschnittstellen bestehen und wie ein Datenwechsel möglich ist.

Als Unternehmen können Sie diese Nachweise vor der Beschaffung oder während des Betriebs automatisch prüfen. Das reduziert Risiken und Compliance-Kosten erheblich und stellt sicher, dass Ihre KI-Anwendungen unter europäischer Governance bleiben. Das funktioniert bereits in realen Anwendungsfällen, etwa bei KI-Modellen in vertrauenswürdigen Datenräumen für Mobilität oder Gesundheit, in denen mehrere europäische Partner sicher nach Gaia-X-Prinzipien zusammenarbeiten.

Gibt es schon erste große Gaia-X-Projekte, die bereits in der Praxis zur Verfügung stehen – und mit deren Hilfe ich mich weitgehend unabhängig von den großen Hyperscalern machen kann?

Ulrich Ahle: Ja, absolut. In ganz Europa werden über 20 groß angelegte Gaia-X-Lighthouse-Projekte und nationale Datenräume umgesetzt – in Bereichen wie Mobilität, Energie, Landwirtschaft, Finanzen und Gesundheit.

In Deutschland beispielsweise verbindet Catena-X die gesamte Automobil-Lieferkette und ermöglicht den vertrauenswürdigen Datenaustausch zwischen Herstellern und Zulieferern. Der Mobility Data Space unterstützt Städte und Unternehmen bei der Entwicklung intelligenterer und nachhaltigerer Verkehrslösungen. Der Energy Data Space fördert Netzoptimierung und Integration erneuerbarer Energien.

Wir sehen auch regionale und gemeinschaftsgetriebene Beispiele – etwa Etteln, das digitalisierteste Dorf der Welt, oder das Hamburger Straßenüberwachungssystem, beide auf Basis der Gaia-X-Konzepte. Diese Projekte beweisen: Gaia-X ist nicht mehr theoretisch – es ist operativ, skalierbar und liefert greifbare Souveränität. Unser Ziel ist nun, diese Modelle europaweit auszuweiten und vertrauenswürdiges Datenteilen zur Norm zu machen – nicht zur Ausnahme.

GAIA-X – Digitale SouveränitätKonstantin Pfliegl
ist leitender Redakteur für das e-commerce Magazin und Digital Business. Er verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Journalist für verschiedene Print- und Online-Medien.

Bildquelle: Foto Marquart, Tutzing

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