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Technologieentscheidungen im Mittelstand KI für KMU: „Bei den Mitarbeitenden das Feuer entfachen“

Das Gespräch führten Heiner Sieger und Ralf Pechmann 5 min Lesedauer

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Ralf Pechmann, Geschäftsführer Telekom MMS und verantwortlich für das Telekom-Geschäftskundenportfolio im Bereich KI, über Vorbehalte, Implementierung und Nutzen von standardisierter KI für KMU.

(Bild:  rina Ukrainets – stock.adobe.com)
(Bild: rina Ukrainets – stock.adobe.com)

Welche speziellen Leistungen im Bereich KI bietet die Telekom für KMU an?

Ralf Pechmann: Die kleineren Unter­nehmen, das sind dann eher die Handwerksbetriebe und Unternehmen mit rund 15 Mitarbeitenden. Für diese Unternehmensgröße gibt es standardisierte Angebote wie Kollaborations- und Videokonferenzlösungen beispielsweise von Zoom mit Trans­kriptionsfunktionen für Kundengespräche. Spannend ist die Lösung Business GPT, und das schon für ein überschaubares monatliches Entgelt von 650 Euro/Monat. Sie basiert auf einem Large-Language-Modell, bei dem man Anfragen stellt und generative Antworten bekommt.

Allerdings können dabei im Gegensatz zum allgemeinen GPT-Modell auch Unternehmensunterlagen abgelegt werden und zwar in einem sicheren Datenraum bei der Telekom. KMU nutzen die Lösung etwa für das Verfassen von Kundenschreiben. Größere Unternehmen setzen sie weitergehend für Prozesse ein wie die Generierung von Angeboten. Je mehr man das Tool mit eigenen Informationen anreichert, zum Beispiel mit bestehenden Angeboten, desto treffender und nutzbarer sind die Ergebnisse. Mit Partner-Anwendungen wie Copilot von Microsoft können Unternehmen ebenfalls effizienter werden, zum Beispiel den Posteingang vorsortieren, komplette Zusammenfassungen von angefügten Dokumenten erstellen lassen und sich so schneller einlesen. Natürlich sollte bei allem noch mal ein Mensch am Ende drüber schauen. Aber zu 80 - 90 Prozent passt das Ergebnis in der Regel. Insgesamt bringt das einen Zeitgewinn von 30 Prozent in einem Büro-Arbeitsalltag.

KI für KMU per plug & play

Wie schnell lässt sich das implementieren?

Pechmann: Den Unternehmen wird zunehmend klarer, dass der Fachkräftemangel und die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit die Nutzung von KI immer dringlicher machen. Wir bringen dazu alles aus einer Hand – nach dem Prinzip ‚plug & play‘ – mit – und das mit höchstem Sicherheitsstandard. Wir könnten grundsätzlich die Implementierung an einem Tag durchziehen, aber in der Regel braucht es etwas länger, da die Unternehmer oft noch im Tagesgeschäft verhaftet sind. Wir wollen den Kunden bei der Implementierung auch das Wissen rund um die Funktionsweise der KI-Lösung vermitteln, sodass eine Vervielfachung der Lösung im Unternehmen durch den Unternehmer selbst möglich ist. Die KMUs haben ja selten spezielles IT-Personal, geschweige denn KI-Expertise. Wir übernehmen in dem Zuge aber nicht nur die Einweisung des Fachpersonals, sondern bringen auch zusätzliche Beratungskompetenz in der Form unseres „Schubkraft“-Programms mit. Denn die meisten Unternehmen wissen nicht, dass es zahlreiche Fördermöglichkeiten für derartige Digitalisierungen gibt und wie man diese Töpfe anzapft.

Welche KI empfehlen Sie KMU – analytische oder generische?

Pechmann: Generell beraten wir immer die Technologieentscheidung ausgehend vom Use Case zu treffen. Idealerweise setzen KMU sowohl analytische als auch generative KI-Lösungen ein, um von den Vorteilen beider Ansätze zu profitieren. Wir haben einen kompletten Baukasten an analytischer KI bei dem wir Text, Bild und Sprache verarbeiten, die oft in unstrukturierter Form in Unternehmen vorliegen. 

Nehmen Sie das Beispiel der Palettenlabel-Erkennung im Lager eines Lebensmittelhändlers durch eine Kamera, die dann mit Hilfe von KI die Eingangs- und Ausgangsbuchung übernehmen kann. Statt von einem Menschen wird von der Kamera das Papierlabel an der Palette erfasst. Diese analytische KI kann zusätzlich mit generativer KI ergänzt werden, so dass Fragen etwa nach der Anzahl der Paletten im Lager gestellt werden können, und die Antworten in Text oder Sprache ausgegeben werden. Unternehmen können auch Conversational AI im Kundenservice einbinden, also Sprachassistenten, die eine Anfrage annehmen und den Dialog mit einem Kunden entsprechend routen.

Wie wird das Thema KI bei KMU aufgenommen?

Pechmann: Da gibt es schon viele Unternehmen, die mutig vorangehen, indem sie Tools und Anwendungen mit ihren Mitarbeitenden ausprobieren und mit und während der Nutzung lernen. Wichtig ist es allerdings, vorab sicherzustellen, welche Daten in eine KI einfließen und welche die Mitarbeitenden dafür nutzen dürfen. Man braucht aber zu Beginn die Ideen der Belegschaft, wie und wo verschiedene KI-Tools besonders hilfreich sein könnten. Natürlich gibt es auch Vorbehalte gegenüber der Technologie. Da muss man bei den Mitarbeitenden das Feuer entfachen und spielerische Ansätze finden. Erfolgsentscheidend für erste KI-Projekte ist es, die Mitarbeitenden dahin zu bringen, in Use-Cases zu denken. Erst dann erfolgt die Standardisierung eines Prozesses sowie die Verknüpfung unterschiedlicher Tools und Anwendungsmöglichkeiten sowie das Ausrollen auf weitere Standorte. Unternehmen, die so vorgehen, erleben erfahrungsgemäß eine steile Lern- und Nutzungskurve.

KI lohnt sich für Unternehmen

Gerade bei kleineren Unternehmen ist der Einsatz von KI noch vergleichsweise gering. Wie überzeugt die Telekom diese Unternehmen vom KI-Einsatz?

Pechmann: Die Telekom begleitet die digitale Transformation der Unternehmen ganzheitlich und verantwortungsvoll. Beispiele von Anwendungsfällen sind besonders hilfreich. Da kommt dann schnell der Aha-Effekt. Und den müssen die Unternehmer dann auf ihre Mitarbeitenden und ihr Geschäft übertragen.

KI für KMURalf Pechmann
Geschäftsführer Telekom MMS

Bildquelle: Telekom MMS

Welche zwei bis drei konkrete KI-Anwendungsfälle, die bei KMUs Effizienz und Produktivität steigern, können Sie nennen?

Pechmann: Da gibt es inzwischen sehr viele Beispiele, wie die Prozessautomatisierung im Auftragsmanagement durch KI-gestützte Textanalyse beim Unternehmen LESER, das Sicherheitsven­tile in Einzelanfertigungen produziert. Aus den individuellen Bestellungen, die in unterschiedlichen Formaten im Auftragsmanagement eingehen, erfolgte dort früher eine händische Übertragung der produktionsrelevanten Auftragsdaten in den Produktkonfigurator des ERP-Systems. Unser KI-Tool erfasst Kundenaufträge jetzt fehlerfrei automatisch und in Echtzeit. Das Ergebnis ist eine signifikante Zeit- und Kosteneinsparung. 

Oder Optiplan, ein Hersteller von glasfaserverstärkten Kunststoffen: Mit unserer Unterstützung führte das sächsische Unternehmen eine KI-gestützte Qualitätskontrolle in der Produktion ein. Computer Vision ermöglicht hier, dass bestimmte Fehlerklassen in den Kunststoffen direkt erkannt werden. Bei der sensorbasierten Lösung wurden Videokameras entlang der Fertigungslinie installiert, um den Zustand der bis zu 3,50 Meter breiten Kunststoffbahnen visuell zu erfassen. Das KI-gestützte Verfahren speichert entdeckte Materialfehler, zeigt sie auf einem Dashboard an und informiert via Mobilfunk einen Mitarbeitenden von Optiplan, der anschließend die notwendigen Gegenmaßnahmen veranlasst.

Die Zukunft der generativen KI für KMU

Welche weiteren Leistungen können KMU 2025 und der weiteren Zukunft von der Entwicklung im Bereich GenKI erwarten?

Pechmann: Durch den einfacheren Zugang zu fortschrittlichen KI-Tools und -Modellen werden auch KMU ihre Geschäftsprozesse weiter optimieren und besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen können. Ein unterstützender Rechtsrahmen und qualitativ hochwertige digitale Infrastrukturen in Europa sind dabei essenziell, um diese Potenziale voll auszuschöpfen. Bereits heute ermöglichen digitale Zwillinge und KI eine verbesserte Prozessüberwachung und vorausschauende Wartung in der Produktion. 

Der nächste Schritt wird sein, die Flexibilität weiter zu steigern, sodass Produktionsstraßen schneller auf Produktwechsel reagieren und humanoide Roboter komplexere Aufgaben übernehmen können. Langfristig soll die Mensch-Maschine-Interaktion so intuitiv und harmonisch werden, dass sie den Arbeitsalltag bereichert. Wesentlich bleibt jedoch: Die Technik soll den Menschen befähigen. Die ethischen Fragen des KI-Einsatzes bleiben präsent und werden die Entwicklung stets begleiten, um sicherzustellen, dass die Technologie dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Um diese Chancen zu nutzen, müssen Unternehmen jedoch proaktiv in Weiterbildung, Technologie und die Entwicklung klarer KI-Strategien investieren.

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