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Künstliche Intelligenz KI-Plattform: Wie sich damit implizites Wissen nutzen lässt

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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In dynamischen Geschäftsfeldern können Wissensvorsprünge einen entscheidenden Vorteil bedeuten. Allerdings wird es mitunter anspruchsvoll, diese oftmals versteckten Ressourcen freizusetzen. Der Einsatz einer KI-Plattform in Unternehmen steht dabei vor einem wichtigen Wendepunkt.

(Quelle:  lassedesignen - stock.adobe.com)
(Quelle: lassedesignen - stock.adobe.com)

Wissen kann unterschiedliche Gestalten annehmen. Geht es nach den japanischen Forschern Ikujirō Nonaka und Hirotaka Takeuchi, so sind in Organisationen zumindest zwei Grundformen maßgeblich: explizites und implizites Wissen. Hintergrund ist, dass sich dieses gerne in subjektiven Erfahrungen und Intuition verbirgt, was eine unmittelbare Nutzbarkeit erschwert. In ihrem Buch „Die Organisation des Wissens“ beschreiben die beiden daher die Notwendigkeit, intellektuelles Kapital zu transformieren, um nachhaltige Vorteile zu schaffen. Dafür definieren sie verschiedene Phasen, die sie in einer Wissensspirale zusammenfassen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Nutzung einer KI-Plattform.

Bis heute ist diese Idee aus dem Jahr 1995 eine der wichtigsten Theorien des Wissensmanagements. Die Strategien zur Umsetzung haben sich im Zuge der Digitalisierung allerdings stark verändert. Zumindest die Verarbeitung und Kombination expliziten Wissens ist längst durch KI automatisiert lösbar: Mit Techniken wie Optical Character Recognition (OCR) lassen sich zum Beispiel unkompliziert Daten aus transaktionalen Dokumenten wie Rechnungen oder Lieferscheine extrahieren und weiterverarbeiten. Das hat sich inzwischen zu einer Art Standard entwickelt; der Markt scheint gesättigt mit entsprechenden Softwarelösungen. So ergibt sich allerdings der Nebeneffekt, dass diese Herangehensweise für einen echten Wettbewerbsvorteil nicht mehr ausreicht. Zudem entbehrt sie der Berücksichtigung impliziten Wissens.

KI-Plattform: Narrative Dokumente als Wissensquelle

Neben transaktionalen Dokumenten, die überwiegend explizite Datenformen wie Beträge, Mengenangaben oder Adressen enthalten, tauchen in Unternehmen unzählige weitere Informationsträger auf. Das sind in der Regel hoch-individuelle Formate von ausgeprägter Komplexität und loser Strukturiertheit: Notizen, Berichte, E-Mails, Präsentationen und Kundenbewertungen transportieren typischerweise jeweils einzigartige Aussagen, die sich allerdings der Erfassung durch einfache Textextraktion entziehen. Man könnte dabei von „narrativen“ Dokumenten sprechen. Einmal angesehen, gelangen sie oft in die Untiefen verschiedener Ablagesysteme. Das darin implizierte Wissen droht dort von einer dicken digitalen Staubschicht bedeckt zu werden.

Um die verborgenen Ressourcen freizusetzen und das Potenzial datenbasierter Erkenntnisse weiter anzuheben, beschäftigt sich die KI-Entwicklung nun mit neuen technischen Ansätzen: Zur Verarbeitung narrativer Dokumente kommen übergeordnete Schnittstellen zum Einsatz, die Zugriff auf alle hochgeladenen Informationen erhalten. Dadurch wird die Integration spezieller multimodaler Sprachmodelle möglich. Diese können neben Textinhalten auch visuelle Elemente interpretieren, wie sie in vielen narrativen Formaten vorliegen. Am Frontend interagiert der Mitarbeiter über ein Chat-Plugin innerhalb dieser Dokumente mit der KI. So erhält er expliziten Zugriff auf all das implizite Wissen, das in den Archiven zwischen den Zeilen schlummert. Über Feedback-Schleifen getreu des Human-in-the-Loop-Ansatzes lassen sich die Ergebnisse langfristig optimieren. Mensch und Maschine schlüpfen damit in eine neue Rolle der Informationsverarbeitung.

Die Externalisierung, also der Übergang von implizit zu explizit, wird durch neue KI-Ansätze besser umsetzbar.(Helm & Nagel GmbH)
Die Externalisierung, also der Übergang von implizit zu explizit, wird durch neue KI-Ansätze besser umsetzbar.
(Helm & Nagel GmbH)

Wie eine KI-Plattform die Wissensspirale beschleunigt

Lange Zeit war Wissenstransformation nämlich ein rein soziokulturelles Phänomen. Durch Sozialisation wird nach Nonaka implizites Wissen interaktiv und erfahrungsbasiert geteilt. Wie genau das abläuft, ist tief in der Unternehmenskultur und -ethik verankert. Das betrifft zum Beispiel die Entscheidungsfindung, das Kundenverständnis sowie den Umgang mit externen Partnern. In jedem Fall hat digitale Kommunikation diesen Prozess erheblich verändert und ist zugleich zu einem wichtigen Dokumentationstool geworden. Auch die Kombination von explizitem Wissen wird etwa durch EDV-Anwendungen oder eben OCR vereinfacht. Mediale Aufbereitungen und Präsentationen helfen Mitarbeitern wiederum bei der Internalisierung. Einzig die Externalisierung, also die Transformation von implizitem zu explizitem Wissen, war stets problematisch und auch technisch kaum abbildbar. Das ändert sich nun durch den erweiterten Einsatz einer KI-Plattform.

Viele dieser Prozesse produzieren heute nebenbei Informationsquellen, die in den beschriebenen narrativen Formaten vorliegen. Dabei lassen sich diverse Einzelschritte schon seit einigen Jahren KI-basiert optimieren. Durch den Einsatz von Programmierschnittstellen werden routinemäßige Aufgaben wie das Abholen und Verarbeiten von Rechnungen automatisiert. KI-Anwendungen sind damit nicht mehr auf reine Schreibtischarbeit beschränkt, sondern ermöglichen durch ihre Konnektivität das Schaffen einer umfassenden Wissensbasis. Durch die kürzlich entwickelten multimodalen Sprachmodelle werden dabei nun auch die komplexesten Formate besser verarbeitbar. Eine KI-Plattform beschleunigt also weiterhin einzelne Phasen der Wissensspirale und nutzt dabei eingesetzte Informationsträger, um mit der Externalisierung die letzte technische Lücke der Theorie zu schließen. Dabei kommt es auf einen umfassenden, zentralisierten und sicheren Einsatz dieser disruptiven Technologie an. Das nimmt wiederum die Anbieter in die Pflicht.

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Disruption erhöht den Entwicklungsaufwand

Jede Vereinfachung auf Anwenderseite verschiebt letztlich Komplexität auf die Fähigkeiten der Entwicklung: Neben hoch-spezialisiertem Einsatz einer KI-Plattform kommt es bei der narrativen Dokumentenverarbeitung auch auf visuelle Datenintegration und einen möglichst reibungslosen Validierungsprozess zur Vermeidung von Fehlern an. Zudem erfordern die eingesetzten multimodalen Sprachmodelle nach aktuellem Stand immer noch häufig eine punktuelle Kombination mit weiteren Technologien wie Computer Vision.

Besonders wichtig ist dabei die Einhaltung von Sicherheitsstandards, die unter anderem davon abhängig sind, in welchem Maße externe Modelle und Services integriert werden. Nicht zuletzt haben die Anbieter auch für regelmäßige Updates entsprechend aktueller KI-Forschung Sorge zu tragen. Diese definieren schließlich das Ausmaß von direkten Wettbewerbsvorteilen. Die Wahl der Plattform sollte daher mit Bedacht getroffen werden. Kommen Mitarbeiter, KI-Plattform und Entwicklung in Einklang, ist der Weg zum langfristig wissenschaffenden Unternehmen vorgezeichnet – ganz im Sinne von Nonaka und Takeuchi. (sg)

Christopher Helm ist CEO der Helm & Nagel GmbH.(Helm & Nagel GmbH)
Christopher Helm ist CEO der Helm & Nagel GmbH.
(Helm & Nagel GmbH)

Über den Autor: Christopher Helm ist CEO der Helm & Nagel GmbH. Das Unternehmen bietet KI-Lösungen und weitere neue Basistechnologien an. Dazu gehört die Software Konfuzio, eine KI-Plattform für Prozessoptimierung und datenbasierten Erkenntnisgewinn.