Wettbewerber aus China werten ihre Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Geschäftsmodelle mit KI deutlich auf und drängen damit nach Europa. Sie verändern dabei internationale Standards und setzen viele westliche Unternehmen massiv unter Innovationsdruck. Diese müssen die KI-Software der Chinesen früh analysieren und selber entsprechend aufrüsten.
Die Software InferRead CT Pneumonia des chinesischen KI-Anbieters Infervision nutzt eine durch künstliche Intelligenz unterstützte Diagnose von Covid.
(Bild: Infervision)
Die chinesische Großreederei COSCO wirbelt durch den Einsatz künstlicher Intelligenz gerade den internationalen Logistikmarkt durcheinander. Sein intelligentes Containertransfersystem prognostiziert die globalen Containerbestände und optimiert den Transport von Leercontainern auf Grundlage des globalen Streckennetzes und jeweiligen Ladekapazitäten. Das KI-gestützte Assistenzsystem für Reparaturen wertet Fotos beschädigter Container durch Computer-Vision aus und prognostiziert auf Basis von Mustern die Kosten. Und der KI-gestützte Kühltransport IBOX der Tochtergesellschaft BoxPlus führt auf Basis von KI, Big Data und IoT ein globales Real-Time-Tracking von Kühltransporten durch. COSCO hat bereits 40 Prozent seiner Kühlcontainer damit ausgestattet, alle Daten stehen auf einer Plattform 24/7 zum Abruf bereit.
Der Sprung auf die Weltmärkte
Die Chancen-orientierten chinesischen Unternehmen setzen mit KI jetzt zum Sprung auf die Weltmärkte an – technologisch führend in der Gesichts- und Spracherkennung, der Bilderkennung und Computer Vision, dem Cloud-Computing und der KI-Infrastruktur sowie den Internetplattformen. Sie zielen auf das autonome Fahren, das Gesundheitswesen, die Robotik, Smart Cities, FinTech, Landwirtschaft sowie Bildung und Unterhaltung. Mit ihrer geballten KI-Power expandieren sie hauptsächlich nach Europa und in die USA.
So hat etwa Huawei mehrere Partnerschaften und Kooperationen im Bereich Smart-City-Technologie, dazu kommen Geräte mit KI-Funktionen wie z.B. High-End-Smartphones oder Applikationen für Industrie 4.0. Auch ZTE ist mit europäischen Städten Partnerschaften eingegangen und bringt Smart-City-Lösungen auf den Kontinent, u.a. für Verkehrsmanagement, Energieeffizienz, Überwachung und städtische Planung. Alibaba bietet im Rahmen von Partnerschaften europäischen Städten Cloud-basierte Lösungen für Big Data und KI-gesteuerte Analysen an, ByteDance nutzt Künstliche Intelligenz bei TikTok für Empfehlungsalgorithmen – die europäische Benutzerbasis ist riesig.
Was KI-Software schon alles kann
Die Autobauer BYD, Geely und Nio kommen mit autonomen Fahrzeugen und Fahrerassistenzsystemen, alle sind in der EU präsent. In den USA hat der Digitalkonzern Baidu jetzt eine Lizenz für selbstfahrende Taxis beantragt. Im Gesundheitswesen bringen chinesische Wettbewerber KI-gestützte medizinische Bildgebungssysteme und Diagnosetools auf den Markt, in der Industrie 4.0 setzt China mit KI-gestützter vorausschauenden Wartung, Qualitätskontrolle, Produktionsplanung und der Optimierung von Produktionsprozessen neue Standards.
KI-Software: Die richtigen Fragen stellen
Selbst kleinere und weniger bekannte Unternehmen verändern die Märkte. Etwa SenseTime und Megvii, die europäische Kunden mit Technologie zur Gesichtserkennung beliefern. Oder Infervision, das Deep Learning zur Verbesserung der medizinischen Diagnose einsetzt und Partnerschaften mit europäischen Krankenhäusern eingegangen ist. iFlytek vertreibt in der EU KI-Lösungen zur Spracherkennung für Ärzte, Ping An Technology investiert im Rahmen von Kooperationen mit europäischen Technologieunternehmen in KI-getriebene Lösungen für die Gesundheitsbranche und die Finanzwirtschaft.
Wie müssen europäische Unternehmen jetzt reagieren? In einem ersten Schritt kommt es darauf an, den internationalisierenden chinesischen Wettbewerb zu analysieren. Danach geht es darum, das eigene Angebot durch KI sinnvoll aufzuwerten. Zentrale Fragen:
Welche exportierenden chinesischen Unternehmen setzen in unserer Branche bereits KI ein? In welcher Form und in welchem Umfang? Auf dem europäischen Markt oder auf unseren Exportmärkten in Drittländern?
Über welche Produkt-Upgrades, innovative Dienstleistungen, Prozessverbesserungen oder neue Geschäftsmodelle verfügen oder planen sie?
Wie reagiert der Markt? Werden chinesische KI-Innovationen nachgefragt und bezahlt?
Können uns chinesische KI-Patente gefährlich werden?
Sind Trends bei den Anmeldungen chinesischer KI-Patente sichtbar, die auf strategische Richtungswechsel hinweisen?
Wettbewerb in Europa und in China
Intensiver KI-Wettbewerb droht aber nicht nur in Europa, sondern auch im Geschäft in China. Chinesische Hersteller rüsten ihre Produkte auf ihrem Heimatmarkt jetzt mit künstlicher Intelligenz auf. Sie entwickeln maßgeschneiderte Lösungen, automatisieren die Kundenbetreuung und optimieren ihre Lieferketten. In der Marktforschung und -analytik setzen sie KI-Software zur Analyse der für das Land typischen großen Datenmengen ein.
Stand: 16.12.2025
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Sie gewinnen dadurch schnell neue Erkenntnisse über Konsumentenpräferenzen, Markttrends und Verbraucherverhalten und können ihre Produkte agiler und besser anpassen. Diese Fragen sollten sich europäische Unternehmen im Chinageschäft stellen:
Wie können wir das Momentum des KI-Booms in China selbst nutzen?
Welche chinesischen KI-Basismodelle sind für uns interessant?
Haben wir im chinesischen Markt patentseitig Ausübungsfreiheit?
Können wir in China mit Hilfe von KI unser Risikomanagement und unsere Compliance verbessern – lokale Vorschriften und Standards besser einhalten, relevante Daten analysieren und Compliance-Berichte generieren?
Für ausländische Firmen interessant ist das Konzept „Künstliche Intelligenz as a Service “, die jüngste Variante des verbreiteten Geschäftsmodells „Software as a Service". Dabei wird KI-Software cloudbasiert bereitgestellt, Zusatzleistungen schaffen ein nutzerfreundliches Endprodukt. Die Basismodelle können durch chinesische Trainingsdaten individualisiert werden, der Anwender braucht kein tiefes technisches Know-how.