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Universitätsklinikum Heidelberg Kunstherz: Kein Muskel, sondern moderne Robotik pumpt das Blut durch den Körper

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

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Die Herzchirurgie am Uniklinikum Heidelberg hat zwei Patienten ein Kunstherz der Firma Carmat implantiert. Die Geräte unterstützen das biologische Herz nicht nur, sondern ersetzen es komplett.

(Bild:  Universitätsklinikum Heidelberg)
(Bild: Universitätsklinikum Heidelberg)

Sechs Monate. So lange beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf ein Spenderherz, wenn man als Patient als dringlich eingestuft ist. Für viele Patienten ist das aber zu lang. Um die Wartezeit bis zur lebensrettenden Transplantation zu überbrücken, benötigen Herzkranke dann ein Kunstherz.

Das Team der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) hat zwei Patienten nun mit den aktuell modernsten verfügbaren Kunstherzen (Carmat Aeson) versorgt. Die Hydraulikpumpe, etwas größer als ein natürliches Herz, wird wie bei einer Herztransplantation in den Brustkorb eingesetzt und mit den großen Blutgefäßen und Herzvorhöfen vernäht. Der Brustkorb wird anschließend wieder verschlossen – nur das Kabel zur Stromversorgung ragt heraus. Es verbindet das Kunstherz mit den Akkus, welche die Patienten in einer Umhängetasche, die zu einem Rucksack umfunktioniert werden kann, immer bei sich tragen.

Die beiden hochkomplexen Eingriffe sind hervorragend verlaufen: Beide Patienten erholen sich aktuell gut von der OP und den körperlichen Folgen ihrer schweren Herzerkrankung.

Das Herz

Das Herz ist in etwa so groß wie eine Faust und wiegt ungefähr 300 Gramm. Die ausgeklügelte Maschine versorgt Organe und Gewebe kontinuierlich mit Blut und so mit Sauerstoff und Nährstoffen. Jeden Tag pumpt das Herz bis zu 10.000 Liter Blut durch unsere Gefäße. Dabei schlägt es ganze 60 bis 80 Mal pro Minute, also 4.200 Schläge pro Stunde und 100.000 Mal pro Tag. Im gesamten Leben kommt das gesunde Herz durchschnittlich auf bis zu 3 Milliarden Herzschläge.

Kunstherz: Moderne Robotik

Das Carmat Aeson ist als voll implantierbares Ersatzsystem für die komplette Herzfunktion in Deutschland zugelassen. Zwar gibt es seit längerem voll implantierbare Unterstützungssysteme für die linke Herzkammer, die ähnlich einem Bypass die linke Herzhälfte umgehen, aber nicht für die rechte Seite des Herzens. 

Diese Tasche mit vier Batterien und dem Controller ist seit der Implantation der Begleiter der Patienten. Sie wiegt rund vier Kilogramm.(Bild:  Universitätsklinikum Heidelberg)
Diese Tasche mit vier Batterien und dem Controller ist seit der Implantation der Begleiter der Patienten. Sie wiegt rund vier Kilogramm.
(Bild: Universitätsklinikum Heidelberg)

Bei den bislang verfügbaren Unterstützungssystemen für die rechte Herzkammer sowie das komplette Herz befindet sich die Blutpumpe außerhalb des Körpers. „Diese Systeme haben einen pneumatischen Antrieb und sind sehr laut. Zudem ziehen die  Patienten den Antrieb auf einem Caddy hinter sich her. Das war unter anderem der Grund für unsere Patienten, sich für das Carmat Aeson zu entscheiden“, erklärt Prof. Dr. Anna Meyer, Leitende Oberärztin und Leiterin des Herzunterstützungsprogrammes der Klinik für Herzchirurgie am UKHD.

Das neue System ist eine Hightech-Hydraulikpumpe, die wie ein echtes Herz einen pulsierenden Blutfluss erzeugt. Eingebaute Sensoren erfassen den Blutdruck und passen die Pumpleistung automatisch an. Herzklappen und Innenauskleidung aus Rinderherzgewebe beugen der Gerinnselbildung vor. Die Patienten werden daher keine starken Gerinnungshemmer benötigen. 

Bis zur Transplantation eines Spenderherzens sind die Patienten nun allerdings von einer Stromquelle abhängig: Die Akkus versorgen den Herzroboter sechs bis sieben Stunden lang mit Energie, dann muss gewechselt werden. Nachts wird das System mit einem Netzstecker an das Stromnetz angeschlossen. Und bei einem längeren Stromausfall? Dann gilt es, schnell eine Klinik mit Notstromversorgung aufzusuchen.

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