DB Podcast

Projekt ViKI pro Langzeitpflege: KI schafft mehr Zeit für pflegerische Tätigkeiten

Verantwortliche:r Redakteur:in: Konstantin Pfliegl 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Das Projekt ViKI pro der Forscher vom Fraunhofer ITWM soll die Arbeitsorganisation und Routineaufgaben in der Langzeitpflege effizienter gestalten. Das Ziel: Mehr Zeit für Pflegebedürftige.

(Bild:  Fedrelena / AdobeStock)
(Bild: Fedrelena / AdobeStock)

Die Situation in der Pflege ist angespannt, immer weniger Pflegekräfte müssen immer mehr Pflegebedürftige betreuen. Laut der Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland von rund 5,0 Millionen Ende 2021 auf etwa 6,8 Millionen im Jahr 2055 ansteigen. Dabei sollen bereits 2035 etwa 5,6 Millionen erreicht werden –  ein Plus von rund 14 Prozent. Doch gleichzeitig nimmt die Zahl der Fachkräfte die nächsten Jahre voraussichtlich weiter ab. Ein Weg, diesen Herausforderungen bei der Langzeitpflege zu begegnen, bieten KI-basierte, digitale Systeme.

ViKI pro: So sieht die Darstellung von fallspezifischen Maßnahmenvorschlägen der Künstlichen Intelligenz aus.(Bild:  Fraunhofer ITWM)
ViKI pro: So sieht die Darstellung von fallspezifischen Maßnahmenvorschlägen der Künstlichen Intelligenz aus.
(Bild: Fraunhofer ITWM)

Das Projekt ViKI pro (Versorgungsintegrierte Künstliche Intelligenz im professionellen Pflegeprozess) des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) hat das Ziel, die Erhebung von individuellen Pflegebedarfen und die Planung geeigneter Maßnahmen in der Langzeitpflege mit Unterstützung von KI zu optimieren. Das System, das gemeinsam mit Partnern aus der Pflegewissenschaft, Pflegepraxis, Forschung und Industrie entwickelt wird, erlaubt Pflegeexperten, individuelle Pflegebedarfe zu erheben und geeignete Maßnahmen auf der Grundlage von digitalisiertem Fachwissen zu planen. 

Präzise Falldaten der Langzeitpflege

Die Dokumentation der durchgeführten Pflegemaßnahmen in der Webanwendung wird auch für die Gewinnung von Erfahrungswissen genutzt, das bei zukünftigen ähnlichen Planungssituationen verwendet werden kann. Mit dieser digitalen Unterstützung der Prozesse sollen die Versorgungsqualität in der stationären Pflege verbessert und gleichzeitig die vorhandenen knappen Ressourcen geschont werden. 

Wichtig ist hierbei eine gute Datenbasis. Darum wird jeder Pflegefall in ViKI pro mit umfangreicher und detaillierter Anamnese inklusive Risikomatrix erfasst, wobei zahlreiche Faktoren wie Bettlägerigkeit, Selbstversorgung, Übergewicht, Depression, Müdigkeit bei täglichen Aktivitäten, kognitive Beeinträchtigungen et cetera berücksichtigt werden. Das vom Fraunhofer ITWM entwickelte System schlägt dann – ausgehend von den Daten eines Pflegefalls und von digitalisiertem Pflegewissen – mittels Künstlicher Intelligenz geeignete Pflegemaßnahmen vor. Im ersten Schritt fokussieren sich die Forschenden auf die Handlungsfelder Mobilität und Schmerz‹.

Die Software ersetzt das manuelle, mitunter auch fehleranfällige Aussuchen und Abwägen von Maßnahmen.

Dr. Alexander Scherrer, Fraunhofer ITWM

KI unterstützt – die Pflegekraft entscheidet

„Wird nun ein Fall in die Software hochgeladen, so wird die Wissensbasis automatisch ausgewertet, die Pflegeplaner erhalten Vorschläge für fallspezifisch geeignete Pflegemaßnahmen inklusive Begründung, warum bestimmte Maßnahmen optimalerweise geeignet sind. Die Software ersetzt also das manuelle, mitunter auch fehleranfällige Aussuchen und Abwägen von Maßnahmen“, erläutert Dr. Alexander Scherrer, stellvertretender Abteilungsleiter „Optimierung in den Life Sciences“ am Fraunhofer ITWM. Die Pflegeplaner können die vorgeschlagenen Maßnahmen dann auf der Grundlage ihrer Erfahrungen abwägen und geeignete Maßnahmen auswählen. 

ViKI pro entwickelt damit den etablierten manuellen Pflegeplanungsprozess, wie er mit klassischen Pflegedokumentationssystemen durchgeführt wird, weiter zu einem KI-assistierten Prozess. Durch Integration der Pflegedokumentation bietet ViKI pro eine umfassende digitale Prozessunterstützung. Ein erster Prototyp des Systems wird bereits diesen Sommer in den Pflegeeinrichtungen der Caritas und der Johanniter erprobt.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung