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Kommentar Nachhaltige Innovationen: Die Tech-Welt verliert alle 15 Jahre ihr Gedächtnis

Ein Gastkommentar von Christian Claussen 5 min Lesedauer

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In der schnellen Welt der Tech-Innovationen vergessen wir alle 15 Jahre wertvolle Lektionen, da der Blick stets nur nach vorn gerichtet wird. Doch wahre Fortschritte basieren auf dem Verständnis der Vergangenheit.

(Bild:  © Inlovehem/stock.adobe.com)
(Bild: © Inlovehem/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Gedächtnisverlust in der Tech-Welt: Alle 15 Jahre erlebt die Tech-Branche einen kollektiven Gedächtnisverlust, der ältere Konzepte als neu verkauft und bekannte Fehler wiederholt. Dieser Zyklus behindert nachhaltige Innovation durch mangelnden historischen Lerneffekt.

Mehrdimensionale Innovation: Echte Innovation entsteht durch die Fusion mehrerer Entwicklungen und Technologien. Solche Mehrdimensionalität ist nötig, um langfristige Neuheiten zu schaffen, die über kurzlebige Modetrends hinausreichen.

Künstliche Intelligenz als Ausnahme: Die gegenwärtige KI-Welle ist durch eine seltene Mehrdimensionalität geprägt: Sie kombiniert fortgeschrittene mathematische Modelle, erschwingliche Rechenleistung und immense Datenverfügbarkeit, was sie von eindimensionalen Hypes abhebt.

In der Hochgeschwindigkeitswelt der Venture-Capital- und börsengetriebenen Innovationsfinanzierung gilt der Blick zurück als nahezu unanständig. Wer im Rückspiegel fährt, so die unausgesprochene Doktrin, verpasst das nächste „Big Thing“. Stattdessen wird nach vorn gestarrt, nach dem nächsten Buzzword gegriffen, nach der nächsten Disruption gejagt. Doch genau diese Fixierung birgt ein Risiko, das sich immer wieder bemerkbar macht: ein kollektiver Gedächtnisverlust im Rhythmus von etwa 15 Jahren.

Es ist ein erstaunlich robustes Muster. Rund alle zwei Business-Generationen werden alte Konzepte als neu verkauft, bekannte Fehler erneut begangen und historische Warnsignale routiniert übersehen.

Christian Claussen, General Partner beim VC Ventech

Es ist ein erstaunlich robustes Muster. Rund alle zwei Business-Generationen werden alte Konzepte als neu verkauft, bekannte Fehler erneut begangen und historische Warnsignale routiniert übersehen. Gleichzeitig scheitert der Transfer zentraler Lernerfahrungen aus früheren Technologiezyklen regelmäßig – vor allem dann, wenn technologische Euphorie auf Kapitalüberschuss trifft

So wurde aus dem Börsen-Blindpool der frühen 1980er die „Blank-Check-Company“ der späten 1990er. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase kehrte das Modell im Krypto-Zeitalter als ICO zurück, um wenig später als SPAC erneut auf den Titelseiten zu landen. In den Nullerjahren wiederum ignorierten Investoren beim Aufbau erstmalig cloudbasierter SaaS‑Modelle beharrlich jene KPIs, die den Telcos bereits in den 80ern und 90ern schmerzlich vertraut waren – mit entsprechend teuren Lernkurven. Und als ab 2014 drohnenbasierte Flugtaxis als urbane Mobilitätsrevolution gefeiert wurden, schien kaum jemand an das krachend gescheiterte CargoLifter-Projekt des Neuen Markts zu erinnern – inklusive seiner nahezu unüberwindbaren regulatorischen Hürden.

Auch heute lässt sich in manchem Deep-Tech-Versprechen mehr Begeisterung für das technisch Machbare erkennen als eine nüchterne, historisch informierte Zukunftsplanung.

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