Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen oder Augmented Reality – digitale Technologien bieten enormes Geschäftspotenzial, sei es für Prozesse, Anlagen oder Wartungen. Aber wie schaffen Unternehmen den Einstieg, die sich bislang über ihre Kompetenz im Maschinen- und Anlagenbau definiert haben? Zur Unterstützung hat das BMBF das Verbundprojekt „KLUG“ gestartet.
Digitale Technologien wie Augmented Reality kommt bei der Fernwartung zum Einsatz.
(Bild: Ulrich Hüsken/Universität Paderborn)
Digitale Technologien erfolgreich integrieren stellt nach wie vor eine Herausforderung für Industriebetriebe dar. Der Erfolg liegt nicht mehr allein in der Herstellung eines Produkts, sondern in der effizienten Interaktion zwischen Anbietern und Nutzern. Das bedeutet: Unternehmen müssen Kompetenzen für den gesamten Produktlebenszyklus aufbauen. Für dieses Ziel soll das Vorhaben „KLUG“ neue Lösungen liefern. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt strebt eine „Kollaborations- und Lern-Umgebung für die wertorientierte Geschäftsmodell-Generierung“ an. Die Universität Paderborn arbeitet dazu als Verbundkoordinator mit Schlüsseltechnologie-, Bildungs- und Anwendungspartnern zusammen. „KLUG“ ist im Januar 2024 gestartet und umfasst ein Volumen von rund 3,7 Millionen Euro für die Dauer von drei Jahren.
Digitale Technologien als Basis für neue Geschäftsmodelle
Prof. Dr.-Ing. Iris Gräßler lehrt am Heinz Nixdorf Institut an der Universität Paderborn.
(Bild: Universität Paderborn)
Um die Hürden der digitalen Transformation zu überwinden, setzen Unternehmen auf zukunftsfähige Strategien und gezielten Kompetenzaufbau. Allerdings sind gerade kleine und mittlere Unternehmen vom zunehmenden Fachkräftemangel betroffen. Für die Verbundpartner von „KLUG“ basiert die Lösung daher auf drei Säulen: Unternehmer müssen in der Strategieentwicklung befähigt werden, digitale Technologien als Schlüssel nachhaltig auswählen und diese durch Kompetenzentwicklung auf operativer Ebene nutzbar machen. „Voraussetzung für digitale Geschäftsmodelle ist der gezielte Einsatz von Schlüsseltechnologien, wie beispielsweise die virtuelle Realität. Dabei müssen Potenziale vorausschauend greifbar, die Wirkung von Investitionen nachvollziehbar werden“, erklärt die Verbundkoordinatorin Prof. Dr.-Ing. Iris Gräßler vom Heinz Nixdorf Institut an der Universität Paderborn.
Am Lehrstuhl für Produktentstehung arbeitet sie an einer Entscheidungsunterstützung für KMU zur Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen und zur zukunftsorientierten Strategieentwicklung. Ziel ist unter anderem ein Lernportfolio mit verschiedenen Formaten wie beispielsweise Lernvideos und Templates. Unterstützt wird der Lehrstuhl von der Unternehmensberatung „Werkstatt für Kundenorientierung“. Durch die klare Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse werden die vielfältigen Möglichkeiten der digitalen Wertschöpfung ganzheitlich betrachtet. Partner für den Schlüsseltechnologie-Einsatz befähigen KMU, digitale Technologien im Unternehmen anzuwenden, damit diese selbstständig digitale Geschäftsmodelle realisieren können.
„PerFact Innovation“ unterstützt als Software-Lösungsanbieter hierbei insbesondere in der Prozessdatenanalyse mittels künstlicher Intelligenz: KMU werden befähigt, komplexe Prozessdaten beispielsweise im Kontext der Instandhaltung von Anlagen zu analysieren. Durch den Kompetenzaufbau in einer erlebbaren Lehrfabrik von ZEUS werden Mitarbeiter auf operativer Ebene abgeholt. Die Lehrfabrik soll dabei stetig anschauliche und zugleich inspirierende Lehrbeispiele anhand eines Demonstrators, der DigiTech-Toolbox, liefern.
Digitale Technologien: Ratgeber zur rechtskonformen Einsatz
Vorrangige Aufgabe der Anwendungspartner Harting Applied Technologies, Michael Weinig und eShoppen Germany ist es, die Tauglichkeit der Projektergebnisse an eigenen Fallbeispielen aus der Praxis zu validieren. Die Partner repräsentieren dabei Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe und dem E-Commerce. Die Professur für Wirtschaftsrecht der Universität Paderborn sichert die Ergebnisse ab. In dem Zuge entsteht außerdem ein Ratgeber zum rechtskonformen Daten- und Technologiemanagement. Auch für die Nachnutzung ist gesorgt: „Die Ergebnisse werden in regelmäßigen Transferveranstaltungen in der Region mit der Zielgruppe KMU präsentiert“, erklärt Gräßler.
Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm „Zukunft der Wertschöpfung Forschung zu Produktion, Dienstleistung und Arbeit“ in der Fördermaßnahme „Entwicklung neuer digitaler Leistungen für datenorientierte Wertschöpfung (DigiLeistDAT)“ (Förderkennzeichen 02K23A050) gefördert und vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut.
Stand: 16.12.2025
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