DB Podcast

Compliance-Anforderungen NIS2 und DORA: Lieferkettensicherheit als Sollbruchstelle?

Verantwortliche:r Redakteur:in: Stefan Girschner 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Regulatorische Anforderungen betreffen zunehmend nicht-regulierte Drittanbieter. Die Dienstleister stehen durch NIS2 und DORA unter Compliance-Druck. De facto ist die NIS 2-Konformität noch vor Inkrafttreten erforderlich. So wird die richtige Vorbereitung zum Wettbewerbsfaktor.

(Bild: Hikmet/Adobe Stock)
(Bild: Hikmet/Adobe Stock)

Im Zeitraum vom 14. bis 28. April 2025 müssen Finanzinstitute in der EU ihre IT-Dienstleister bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (BaFin) registriert haben. Mit dem Inkrafttreten des Digital Operational Resilience Act (DORA) geraten damit viele IT-Dienstleister ohne unmittelbare Regulierung in den Fokus von Aufsichtsbehörden. Gleichzeitig sorgt die bevorstehende Umsetzung der europäischen NIS2-Richtlinie in weiteren Branchen für erhöhten Handlungsdruck.

„Etliche Dienstleister stehen aktuell vor der Aufgabe, Sicherheitsnachweise, Risikoanalysen und Vertragskonformität kurzfristig zu dokumentieren – oft, ohne dass sie bisher mit vergleichbaren Anforderungen konfrontiert waren“, erklärt Ulrich Plate, Leiter der Kompetenzgruppe Kritische Infrastrukturen beim eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

NIS2-Richtlinie: Nachweise der Zulieferer zur Cybersicherheit

Auch außerhalb des Finanzsektors zeigt sich bereits eine zunehmende Dynamik: Unternehmen, die künftig unter NIS2 fallen, fordern schon heute von ihren Zulieferern konkrete Nachweise zur Cybersicherheit. Die Richtlinie verpflichtet Unternehmen unter anderem dazu, auch ihre IKT-Lieferkette auf ein Mindestmaß an Sicherheit zu verpflichten. Ulrich Plate erklärt: „Was wir beobachten, ist eine Art regulatorische Vorwirkung. Viele Auftraggeber fordern vertraglich bereits heute de facto NIS2-konforme Sicherheit, obwohl die Anforderungen noch nicht in nationales Recht überführt wurden.“

Laut aktuellen Schätzungen werden rund 30.000 Unternehmen in Deutschland künftig direkt unter die NIS2-Regelung fallen. Doch auch nicht unmittelbar betroffene Dienstleister spüren die Auswirkungen: In der Praxis werden Verträge angepasst, Sicherheitsfragebögen verschickt und Anbieter nur bei entsprechender Compliance beauftragt. „Zulieferer geraten häufig früher in die Pflicht als ihre Auftraggeber. Wer sich nicht vorbereitet, wird bei Ausschreibungen künftig nicht mehr berücksichtigt“, so Plate.

DORA bringt neue Sichtbarkeit für Drittanbieter

Ulrich Plate ist Leiter der Kompetenzgruppe Kritische Infrastrukturen beim eco e. V.(Bild:  eco - Verband der Internetwirtschaft e.V.)
Ulrich Plate ist Leiter der Kompetenzgruppe Kritische Infrastrukturen beim eco e. V.
(Bild: eco - Verband der Internetwirtschaft e.V.)

DORA konkretisiert diese Entwicklung im Finanzbereich mit einem klaren Stichtag. Die Registrierungspflicht umfasst nicht nur eine Meldung an die BaFin, sondern auch umfassende Prüfpflichten – von der Risikoanalyse bis hin zur Auditfähigkeit. Die Aufsicht kann künftig auch IT-Dienstleister kontrollieren, die nicht direkt reguliert sind. Plate weist darauf hin, dass „DORA die IT-Dienstleister in die direkte Sichtbarkeit der Aufsicht bringt. Die Marktgrenze für Cybersicherheit verschiebt sich – wer im Geschäft bleiben möchte, muss sich der Regulierung anpassen.“

NIS2: Compliance als Wettbewerbsvorteil nutzen

Besonders mittelständische Dienstleister stehen vor der Aufgabe, ihre internen Prozesse auf neue Anforderungen auszurichten – etwa mit Zertifizierungen, Notfallplänen oder strukturierten Nachweisverfahren. Dabei kann eine frühzeitige Positionierung zum Vorteil werden. IT-Dienstleister sollten daher laut Plate jetzt prüfen, wie gut sie auf regulatorische Anforderungen vorbereitet sind – und mögliche Lücken zügig schließen. „IT-Compliance ist ein Differenzierungsmerkmal. Wer heute in Sicherheitsstandards investiert, stärkt die eigene Resilienz und gewinnt Vertrauen - auch bei neuen Auftragnehmern“, sagt Plate.

Der eco - Verband der Internetwirtschaft e.V. mit rund 1.000 Mitgliedsunternehmen gestaltet eit 1995 maßgeblich das Internet, fördert neue Technologien, schafft Rahmenbedingungen und vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik und in internationalen Gremien. eco setzt sich für ein leistungsfähiges, zuverlässiges und vertrauenswürdiges Ökosystem digitaler Infrastrukturen und Dienste ein.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung