Im Krankenhausalltag sind noch immer zu viele Medienbrüche zwischen digitalen und analogen Abläufen vorhanden. Die Folgen: Komplexität, eine unübersichtliche Informationsgrundlage sowie kontextlose, ineffiziente und kostspielige Prozesse.
(Bild: j-mel / Adobe Stock)
Ein Blick auf medizinische Versorgungseinrichtungen verrät: Laut dem Zwischenbericht des DigitalRadar Krankenhaus erreichen deutsche Krankenhäuser im Mittel 40,6 Prozent des DigitalRadar-Scores im Bereich organisatorische Steuerung und Datenmanagement.
Die meisten von ihnen verwalten und nutzen Informationen hauptsächlich in ihren jeweiligen Expertensystemen, wie in abteilungsspezifischen Subsystemen oder sogar digitalen und analogen Ordnern. Eine Integration erfolgt nur teilweise über die Anlieferung von Berichten in Dokumentenform an das klinische Arbeitsplatzsystem (KAS/KIS), wo dann meist keine effektive Arbeit mit den Inhalten möglich ist. Dies liegt einerseits an der Bereitstellung der Inhalte in diesen Anwendungssystemen. Andererseits sind an vielen Prozessen auch nicht-medizinische Mitarbeitende beteiligt, die meist keinen Zugriff auf die medizinischen Anwendungssysteme haben.
Da somit keine gemeinsamen Anwendungssysteme bereitstehen, entstehen für zahlreiche Prozesse manuelle und allzu oft analoge Workarounds, welche die Zusammenarbeit im Krankenhaus enorm behindern.
Braucht das bereits unterbesetzte und überlastete Personal die Zeit für die Suche nach Daten, fehlt sie bei der Behandlung von Patienten.
Diese Heterogenität verhindert einerseits den holistischen Blick auf medizinische und administrative Inhalte. Hinzu kommt, dass nicht alle Mitarbeiter den gleichen Zugang zu Wissen haben, was den Informationsaustausch erheblich einschränkt. Dadurch entstehen langwierige, sehr zeit- und kostenintensive Prozesse. Anderseits entsteht dadurch ein Mehraufwand, der potenziell auf Kosten der Patientenversorgung und -sicherheit geht.
Denn braucht das bereits unterbesetzte und überlastete Personal die Zeit für die Suche nach Daten, fehlt sie bei der Behandlung von Patienten. Zudem steigt das Risiko, dass Informationen unter dem enormen Zeitdruck im Klinikalltag kontextlos oder sogar gar nicht betrachtet werden, erheblich.
Digitalisierung und Effizienz gehen Hand in Hand
Effiziente Prozesse, die nicht nur Zeit, Kosten und Personalaufwand reduzieren, sondern gleichzeitig auch eine integrierte und kontextbezogene Sicht auf alle medizinischen und administrativen Inhalte bieten, sind hier das Stichwort für eine grundlegende Optimierung der Arbeit im Krankenhaus.
Digitalisierung, Standardisierung und Vereinfachung von Arbeitsabläufen, die beschleunigte und stets Compliance-konforme Prozesse sicherstellen, sind dafür wesentliche Bausteine. Doch helfen diese Maßnahmen allein nur bedingt weiter – vor allem, wenn sie lediglich auf einzelne Prozesse angewendet werden und viele Subsysteme weiterhin ohne Verbindung zueinander bestehen bleiben.
Wichtig ist, dass eine holistisch vernetzte Gesundheitsversorgung geschaffen wird. Alle Bereiche – einschließlich der Patienten zu Hause, medizinische Leistungsstellen und Verwaltungsbereiche – sind innerhalb eines digitalen Ökosystems miteinander verknüpft und im Austausch.
Dafür braucht es eine digitale Umgebung, die eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und eine ganzheitliche Patientensicht ermöglicht und allen Berechtigten jederzeit Zugriff auf alle für sie relevanten und wichtigen Informationen gewährleistet. Dies gelingt mithilfe einer ganzheitlichen Digitalstrategie, die medizinische und administrative Daten unabhängig von der Netzwerkinfrastruktur –lokal oder (Hybrid-)Cloud – zentral bereitstellt.
Rundum-sorglos-Paket für alle Bereiche
Solch ein ganzheitlicher Ansatz fördert Verbindungen in alle Richtungen: zwischen medizinischen und administrativen Daten, zwischen Organisationen im Gesundheitswesen sowie zu weiteren Produkten, wie dem digitalen Dokumentenmanagement und der digitalen Signatur. Einzelne Subsysteme bleiben weiterhin bestehen, sind aber von nun an so miteinander vernetzt, dass eine effiziente Zusammenarbeit möglich ist. Zudem wird das medizinische Personal durch sinnvoll eingesetzte digitale Lösungen entlastet.
Es braucht eine digitale Umgebung, die eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und eine ganzheitliche Patientensicht ermöglicht und allen Berechtigten jederzeit Zugriff auf alle für sie relevanten und wichtigen Informationen gewährleistet.
So lassen sich beispielsweise die Formularverwaltung oder andere Routineaufgaben zu einem großen Teil automatisieren. Dadurch werden für die medizinischen Mitarbeitenden wertvolle Kapazitäten frei, die es dem Personal ermöglichen, sich mehr auf die Patienten und ihre Gesundheit zu konzentrieren. Außerdem können Patienten bereits von zu Hause aus eingebunden werden und Behandlungsdokumente digital vorab unterschreiben. Auch die Verwaltung profitiert durch eine effizientere Bearbeitung und Zusammenarbeit mit anderen Bereichen.
Stand: 16.12.2025
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Mehr Zeit für den Blick auf das große Ganze
Auch wenn Gesundheitseinrichtungen viele ihrer Prozesse noch analog oder in weitestgehend isolierten Subsystemen umsetzen, schreitet die Digitalisierung voran – gemächlich, aber es geht voran. Neben der ganzheitlichen Sicht auf und der einfachen, anwendungssystemübergreifenden Verwaltung von Inhalten, zielt die ganzheitlich vernetzte Gesundheitsversorgung grundsätzlich darauf ab, Mitarbeitende zu entlasten, keine Abhängigkeiten zu einzelnen Anwendungssystemen entstehen zu lassen und weitere Lösungen unkompliziert zu integrieren.
Für die Zukunft des Gesundheitswesens ist es wichtig, genau dieses Bewusstsein in Krankenhäusern und Kliniken zu stärken. Vereinzelte und nicht miteinander verbundene digitale Prozesse reichen in der heutigen Zeit nicht mehr aus, um das übergeordnete Ziel des Gesundheitswesens erfüllen zu können.
Dr. Nils Benning ist Manager Product Strategy Healthcare bei d.velop