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Innovative Technologien

Quantencomputing: Kopfüber in die Zukunft springen

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Wissenstransfer zwischen den beteiligten Stakeholdern

Wie gestalten Sie dabei den Wissenstransfer zwischen den beteiligten Stakeholdern?

Damir Bogdan: Wir arbeiten intensiv daran, unser Angebot an hochmodernen Technologieplattformen weiter auszubauen und zu vermarkten. Dazu gehört die Entwicklung von Plänen für den länderübergreifenden Austausch zwischen Forschenden, Ingenieur:innen sowie der direkte Zugang zu unseren Technologien und Projekten. Durch die Stärkung dieser Netzwerke, fördern wir den Wissenstransfer und machen Quantencomputing einem globalen Publikum zugänglich. Unser langfristiges Ziel ist der Aufbau eines nachhaltigen, interdisziplinären Ökosystems, das Quantum und AI-Technologien rund um den Globus verknüpft. Dabei legen wir Wert auf die strategische Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bildungsinstitutionen, um die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und -lösungen zu beschleunigen. Unser internationales Engagement macht deutlich: Quantum Basel bleibt nicht stehen, sondern entwickelt sich dynamisch weiter, um global innovative Ansätze zu etablieren und zu fördern.

Wie gehen Sie bei der Globalisierung des Themas vor und mit welchen Nationen gibt es schon nennenswerte Fortschritte?

Wir bauen Partnerschaften mit verschiedenen internationalen Regierungen und Organisationsstrukturen auf, um Quantum Hubs und Technologiezentren auf der ganzen Welt zu entwickeln. Kürzlich haben wir Verträge mit Telangana in Indien abgeschlossen, um ein AI- und Quanten-Technologiezentrum in Hyderabad zu errichten. Ebenso haben wir Gespräche mit der saudischen Regierung und anderen globalen Partnern geführt, um ähnliche Initiativen zu starten. 

Dies unterstreicht nicht nur unseren Status als Innovationsführer, sondern zeigt auch den internationalen Bedarf und die Anerkennung, die Quantencomputing weltweit erlangt. Wir wollen regionale Unterschiede und Bedürfnisse berücksichtigen und gleichzeitig die Technologie und das Wissen von Quantum Basel zur Nutzung anbieten. Über die nächsten Jahre hinweg planen wir, diese Strategie auf weitere Länder und Städte auszudehnen, um mit der wachsenden Nachfrage nach Quantenlösungen Schritt zu halten.

Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie bei der Integration von Quantentechnologie in bestehende Industrieprozesse?

Die grundlegendste Herausforderung besteht darin, die Relevanz und das Verständnis von Quantentechnologien auf allen Hierarchieebenen eines Unternehmens zu etablieren. Das beginnt häufig mit einer großen Kluft zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was als geschäftlich umsetzbar und vorteilhaft angesehen wird. Viele hochrangige Führungskräfte haben das Konzept noch nicht vollständig integriert - nicht zuletzt deshalb, weil es eine radikale Abkehr von traditionellen IT- und Rechensystemen bedeutet. Quantencomputer allein werden keine Wunder vollbringen; der Schlüssel liegt darin, die richtigen Anwendungsbereiche zu identifizieren, von der Optimierung über die Simulation bis hin zu maschinellen Lernen.

Viele hochrangige Führungskräfte haben das Konzept noch nicht vollständig integriert. Nicht zuletzt deshalb, weil es eine radikale Abkehr von traditionellen IT- und Rechensystemen bedeutet. Unternehmen müssen bereit sein, ihre Systeme entsprechend anzupassen.

Damir Bogdan, QuantumBasel

Stoßen Sie auch auf Hürden bei der Weiterentwicklung und praktischen Implementierung der Technologie?

Ein wesentliches Hindernis ist die Verbreitung von Hypes, die unrealistische Erwartungen schüren. In der Vergangenheit haben überzogene Erwartungen zu Enttäuschungen geführt, als die Technologie ihre Versprechungen nicht sofort gehalten hat. Wir legen großen Wert darauf, realistische Potenziale aufzuzeigen und Geschäftsfelder zu definieren, in denen Quantentechnologie heute bereits einen klaren Mehrwert leisten kann. Ein weiterer Aspekt ist die Integration in bestehende Prozesse. Wir gehen systematisch und strukturiert vor: 

Zuerst führen wir strategische Analysen durch, um potenzielle Einsatzbereiche zu identifizieren. Im nächsten Schritt priorisieren wir, wo sich der Einsatz von Quantencomputing kurzfristig lohnt. Sobald wir einen Anwendungsfall validiert haben, setzen wir auf kleine, überschaubare Pilotprojekte zur Validierung und Skalierung. Zusammenarbeit mit Innovationsteams ist dabei entscheidend, um Quantenprojekte zu einem integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie zu machen. 

Dies erfordert Investitionen, nicht nur in Technologie, sondern auch in die Ausbildung der Mitarbeiter und die Schaffung einer Kultur des Experimentierens und Lernens. Schließlich ist die Kompatibilität von Quantencomputern mit bestehenden IT-Infrastrukturen eine kritische Frage. Es handelt sich hierbei um eine hybride Technologie, die nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu bestehenden Architekturen betrachtet werden sollte. Unternehmen müssen bereit sein, ihre bestehenden Systeme entsprechend anzupassen und Brücken zwischen der klassischen und der neuen Technologie zu schlagen.

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Welche konkreten Anwendungen und Erfolge können Sie für das Quantencomputing präsentieren?

Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Konzern Vinci Energies: es wurde mittels eines hybriden Ansatzes eine Simulationstechnologie für die Planung und Optimierung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen in industriellen Umgebungen entwickelt. Traditionelle Rechner sind häufig ineffizient in der optimalen Lagenberechnung solcher komplexen Systeme - ein Quantencomputer hingegen kann eine Vielzahl von Lösungen parallel prüfen, wodurch eine exaktere und schnellere Berechnung der optimalen Lösungen möglich wurde. 

Wir konnten signifikante Einsparungen in Material- und Energieverbrauch sowie eine drastische Verkürzung der Planungsprozesse erreichen. Ein weiteres bemerkenswertes Projekt führten wir mit Pfizer durch, bei dem der Produktionsprozess für Medikamente optimiert wird. Nachdem das bestehende Verfahren bereits KI-optimiert war, gelang es, durch den Einsatz von Quantencomputing die Produktion zusätzlich zu beschleunigen. Das führt zu erheblichen Zeit- und Kostenersparnissen und trägt zur strategischen Ressourcenschonung im Unternehmen bei.

Das Tempo macht also den Unterschied?

Einer der großen Vorteile des Quantencomputings ist die Möglichkeit, Aufgaben mit außergewöhnlich hoher Geschwindigkeit auszuführen. In einer zunehmend wettbewerbsorientierten und kostenbewussten Welt ist jede Optimierung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. In der medizinischen Bildverarbeitung ist es uns beispielsweise gelungen, die Effizienz der Krebsdiagnose deutlich zu steigern. Gemeinsam mit dem Start-up Moonlight AI haben wir Algorithmen für Bildverarbeitungsprozesse entwickelt, welche klinische Tests erheblich beschleunigen können, und damit wichtige Konsequenzen für die Diagnose und Therapieansätze eröffneten. 

Auch hier zeigt sich, dass Projekte, die traditionell langwierig und ressourcenintensiv sind, durch Quantencomputing dramatisch verbessert werden können. All diese Projekte sind Beispiele dafür, wie Quantencomputing nicht nur theoretische, sondern greifbare Vorteile für die industrielle Anwendung bieten kann. Sie manifestieren sich in signifikanten Verbesserungen sowohl effizienter Nutzung der Ressourcen als auch im Hinblick auf Arbeitsabläufe, die in der Industrie von strategischer Bedeutung sind.