Eine neue Studie von QuEra Computing zeigt, wie pragmatisch Unternehmen Quantencomputing bewerten: Sie verlangen belastbare Ergebnisse statt Visionen. 62 Prozent stoßen mit klassischer IT an Grenzen. 56 Prozent evaluieren Quantencomputing aktiv oder pilotieren es.
Der internationale Wettbewerb im Quantencomputing verschärft sich zunehmend. Unternehmen verabschieden sich von früheren Erwartungen und verlangen belastbare Ergebnisse, nachvollziehbare Fortschritte und einen klaren wirtschaftlichen Nutzen. Das zeigt der neue „Quantum Readiness Report 202“ von QuEra Computing, für den 291 Branchenexperten, darunter 82 aus dem EU-Raum befragt wurden.
62 Prozent der Befragten mit relevanten Anwendungsfällen geben an, dass klassische Rechenverfahren bereits an ihre Grenzen kommen. Der Bedarf an Quantencomputing entsteht damit weniger aus technologischer Neugier als aus Leistungsgrenzen heutiger IT-Systeme. Gleichzeitig hat sich der Blick auf den Markt ernüchtert. Der Anteil der Befragten, die ihr Land als „sehr gut positioniert“ im Bereich Quantencomputing einschätzen, ist gegenüber dem Vorjahr um zwanzig Prozentpunkte gesunken – von über 45 Prozent im Jahr 2025 auf 25 Prozent im Jahr 2026. Der anfängliche Optimismus weicht einer nun immer kritischeren Bewertung.
Vertrauen in das Potenzial von Quantencomputing
Yuval Boger ist Chief Commercial Officer bei QuEra Computing.
(Bild: QuEra Computing)
Yuval Boger, Chief Commercial Officer bei QuEra Computing, erklärt: „2026 werden die Karten neu gemischt. Unternehmen glauben weiterhin fest an das Potenzial von Quantencomputing. Aber sie wollen wissen, wo und unter welchen Bedingungen es tatsächlich Mehrwert bringt. Der Markt misst Fortschritt inzwischen an Ergebnissen, nicht an Versprechungen.“ Zwar beschäftigen sich immer mehr Organisationen mit Quantencomputing, doch die Selbsteinschätzung zur Einsatzreife fällt zurückhaltender aus. Nur noch 55 Prozent der globalen Befragten halten ihr Unternehmen für zumindest teilweise vorbereitet. Im Vorjahr lag dieser Wert bei über 65 Prozent.
Unternehmen glauben weiterhin fest an das Potenzial von Quantencomputing. Aber sie wollen wissen, wo und unter welchen Bedingungen es tatsächlich Mehrwert bringt.
Yuval Boger, QuEra Computing
62 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass klassische Rechenverfahren bereits an ihre Grenzen kommen.
(Bild: QuEra Computing)
Die Studie weist auf ein Paradoxon der Einsatzreife hin: Mit wachsender Erfahrung steigen auch die Maßstäbe. Was vor einem Jahr noch als Vorbereitung galt, reicht heute nicht mehr aus. Auffällig ist zudem ein struktureller Unterschied. Große Organisationen bewerten ihre eigene Einsatzfähigkeit kritischer als kleinere, agilere Unternehmen. Komplexe IT-Landschaften, längere Entscheidungswege und konkurrierende Investitionsvorhaben erschweren dort den Übergang vom Experiment in den Betrieb. Während 56 Prozent der Befragten Quantencomputing aktiv evaluieren oder Pilotprojekte durchführen, haben bislang nur 13 Prozent Anwendungen produktiv eingeführt oder skaliert. Der Schritt vom Testbetrieb in den Alltag bleibt die zentrale Hürde.
Fachkräfte werden zum limitierenden Faktor
Neben technologischen und finanziellen Fragen rückt der Arbeitsmarkt zunehmend in den Fokus. 37 Prozent der Befragten nennen mangelnde Fachkräfte als eines der größten Hindernisse für den Einsatz von Quantencomputing in der Praxis. Yuval Boger ist überzeugt: „Der Fachkräftemangel bremst inzwischen das Tempo. Unternehmen können Technologien nur dort einsetzen, wo sie über die nötige Expertise verfügen. Qualifizierung wird damit zu einer strategischen Voraussetzung.“
Quantencomputing: Europa zurückhaltender als die USA
Während 56 Prozent der Befragten Quantencomputing aktiv evaluieren, haben nur 13 Prozent Anwendungen produktiv eingeführt oder skaliert.
(Bild: QuEra Computing)
Die Studie zeigt erneut deutliche internationale Unterschiede auf. In den Vereinigten Staaten sehen 82 Prozent der Befragten ihr Land bereits als gut im Bereich Quantencomputing aufgestellt. In der Europäischen Union liegt dieser Wert 51 Prozent. Auch auf Unternehmensebene unterscheiden sich die Perspektiven. US-Unternehmen schätzen ihre Einsatzbereitschaft insgesamt höher ein. Europäische Befragte betonen dagegen stärker Themen wie Beschaffungsprozesse, technologische Souveränität und industrielle Einbindung. Der europäische Ansatz ist damit vorsichtiger, aber stärker strukturiert.
Quantencomputing: Simulation als naheliegender Anwendungsfall
Simulationen gelten als der derzeit greifbarste Anwendungsfall für Quantencomputing. Insbesondere in der Materialforschung, der Chemie und der Wirkstoffentwicklung bündeln sich 42 Prozent der geplanten Einsatzszenarien. Unternehmen aus der Pharma- und Life-Sciences-Branche sind hier überdurchschnittlich aktiv. Boger kommentiert: „Der Mehrwert von Quantencomputern zeigt sich dort am schnellsten, wo klassische Rechenverfahren an ihre Grenzen kommen. Molekulare Simulationen, Batterieforschung oder Proteinfaltung gehören zu den Problemen, die Unternehmen bereits heute beschäftigen.“
Ambitionierte Zeitpläne bei gleichbleibenden Budgets
Der langfristige Nutzen von Quantencomputing gilt als gesetzt, doch die Mittelvergabe wird selektiver. 46 Prozent der Befragten geht für 2026 von unveränderten Budgets aus, lediglich zehn Prozent rechnen mit Einsparungen. Das deutet auf eine Konsolidierungsphase hin. Ungeachtet der zurückhaltenderen Marktbewertung sind die Zeithorizonte weiterhin ambitioniert. 43 Prozent der Befragten erwarten innerhalb von fünf Jahren einen Vorsprung von Quantencomputern bei ausgewählten Anwendungen. Weitere 37 Prozent gehen von einem Zeitraum von sechs bis zehn Jahren aus. Nur eine sehr kleine Minderheit hält diesen Entwicklungsschritt für unrealistisch. Weitere Analysen des Quantum Readiness Reports zu Investitionsentscheidungen und zu technologischen Erwartungen werden in den kommenden Monaten veröffentlicht.
Stand: 16.12.2025
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Zur Methodik der Studie: Die Umfrage für den „Quantum Readiness Report 2026“ wurde im Dezember 2025 durchgeführt. Befragt wurden 291 Fach- und Führungskräfte aus Wissenschaft, Industrie, öffentlichem Sektor und Technologieanbietern in mehr als 25 Ländern. Ziel der Studie ist es, den Stand der Einführung, Einsatzreife und Markterwartungen im Bereich Quantencomputing zu erfassen. QuEra Computing, gegründet an der Harvard University und dem MIT, übersetzt die Quantenforschung von der Theorie in die Praxis. Als wissenschaftlicher und kommerzieller Vorreiter beim Quantencomputing mit neutralen Atomen unterstützt QuEra Unternehmen dabei, mit Quantentechnologien Wettbewerbsvorteile zu erzielen, Hochleistungs-Rechenzentren bei der Lösung unlösbarer Probleme zu stärken und Regierungsinitiativen beim Aufbau nationaler Kompetenzen und souveräner Infrastrukturen zu befähigen.