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Neue Messverfahren

Rechenzentren: Vorausschauende Überwachung als Erfolgsfaktor

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Störungen in Rechenzentren verhindern

Herr Schübel, wie erfassen die Messsysteme von PQ Plus diese Störungen und welche Analysen sind damit möglich?

Jens Schübel: Unsere Messsysteme bieten eine hohe Auflösung: Wir messen Strom-, Spannungs-, Leistungs- und Frequenzdaten mit bis zu 57,6 Kilohertz. Außerdem erfassen wir Oberschwingungen weit über die üblichen Standards hinaus, oft entscheidend bei der Analyse von komplexen Störungen. Alle Messdaten werden für mindestens ein Jahr im Gerät gespeichert. Über unsere spezielle und kostenfreie Software ermöglichen wir gezielte Auswertungen.

Hierbei prüfen wir die Einhaltung von Normen, können aber auch sehr detailliert den Verlauf von Anomalien nachzeichnen und Korrelationen beispielsweise mit Lastwechseln, Schaltzuständen oder bestimmten Ereignissen untersuchen. Die Möglichkeit, lückenlos auf historische Daten zuzugreifen, ist für viele Betreiber ein entscheidender Vorteil – sie können so nicht nur akute Probleme lösen, sondern auch längerfristig die Entwicklung ihrer Infrastruktur gezielt analysieren und optimieren.

Der Gesprächspartner

Jens Schübel ist Prokurist und technischer Leiter mit besonderem Fokus auf Produktions- und Entwicklungsprozesse bei PQ Plus.

Jens Schübel PQ Plus Rechenzentren
(Bild: PQ Plus)

Eine Besonderheit von PQ Plus ist die Differenzstrommessung. Was ist das und warum spielt sie gerade in Rechenzentren eine so zentrale Rolle?

Jens Schübel: Differenzstrommessung bedeutet, dass wir permanent überwachen, ob Ströme irgendwo im elektrischen System unerlaubt „verloren gehen“ – also typische Leckströme, die auf Isolationsfehler, Verschleiß oder Defekte hindeuten können. In Rechenzentren ist die Infrastruktur sehr komplex und verwinkelt. Gerade dort ist es essenziell, schon kleinste Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Wenn sich beispielsweise der Differenzstrom an einer Leitung langsam erhöht, kann das ein Zeichen für einen schleichenden Isolationsschaden sein – ein Risiko, das bei rechtzeitiger Intervention meist einfach zu beheben ist und vor großem Schaden bewahrt.

Wie einfach können Ihre Systeme in bestehende Monitoring- und Gebäudemanagementsysteme eingebunden werden?

Jens Schübel: Die Integration ist so einfach wie möglich gestaltet, da wir mit allen gängigen Protokollen wie Modbus RTU, Modbus TCP, SNMP und MQTT arbeiten. Das bedeutet, unsere Messgeräte können direkt in bestehende Leitsysteme eingebunden werden – egal ob es sich um Neubauten oder Nachrüstungen handelt. Diese Offenheit war uns besonders wichtig, weil unsere Kunden so ihre gewohnte Infrastruktur weiter nutzen und mit unseren Systemen flexibel erweitern können.

Können Sie ein konkretes Praxisbeispiel nennen, das zeigt, wie der Einsatz Ihrer Systeme die Ausfallwahrscheinlichkeit reduziert hat?

Jens Schübel: Ein gutes Beispiel ist ein mittelgroßes Rechenzentrum, das wir ausgerüstet haben. Unsere Oberschwingungsanalyse deckte Unregelmäßigkeiten an den Ausgängen einer USV-Anlage auf. Ein genauerer Blick zeigte, dass eine Fehlfunktion an einer der Leistungsstufen die Ursache war – ein Problem, das im Rahmen der nächsten planmäßigen Wartung gelöst werden konnte, bevor ein echter Schaden entstand. Ohne diese permanente Überwachung und die Möglichkeit, solche Details in Echtzeit zu erkennen, hätte sich das Problem unbemerkt fortgesetzt und womöglich zu Ausfällen mit enormen Folgekosten geführt.

Technologietrends in der Messtechnik für Rechenzentren 

Welche Weiterentwicklungen und Technologietrends sehen Sie im Bereich Mess- und Monitoringtechnik speziell für Rechenzentren in den kommenden Jahren?

Jens Schübel: Der Trend geht deutlich in Richtung KI-gestützter Analyseverfahren. Intelligente Algorithmen werden künftig nicht nur Anomalien noch schneller und zuverlässiger erkennen, sondern können eventuell schon selbstständig eingreifen – zum Beispiel Schwellwerte anpassen oder Hinweise zur Fehlerbehebung geben. Ein weiterer wachsender Bereich ist die Direktversorgung von Anlagen über Gleichstrom (DC), etwa durch den verstärkten Einsatz von Photovoltaik oder anderen erneuerbaren Energiequellen.

 Gerade Unternehmen wie die Deutsche Telekom investieren heute stark in die direkte Nutzung von Gleichstrom, weil sie so Energieverluste vermeiden. Auch in diesem Bereich halten wir unsere Technik stets bereit: Unsere Geräte sind sowohl für AC als auch DC ausgelegt – und für die Cloudanbindung zur Datennutzung der nächsten Generation vorbereitet. Weiterhin beobachten wir, dass neue Kommunikationsprotokolle und Sensorintegration immer wichtiger werden. Diese Offenheit eröffnet uns und unseren Kunden die Möglichkeit zur kontinuierlichen Optimierung und den Zugang zu neuen Märkten.

Lutz Beyer: Ergänzend möchte ich sagen: Solche Innovationen sind für uns gelebte Praxis. Unsere Geräte sind so aufgebaut, dass sie ständig weiterentwickelt werden können – sei es für neue Netzformen oder komplexe Auswertungen. Mit unseren strategischen Partnerschaften sichern wir die Flexibilität, die es uns erlaubt, sehr schnell auf technologische Trends oder veränderte Marktanforderungen zu reagieren.

Warum lohnt sich gerade für Betreiber kritischer Infrastrukturen die Investition in moderne Mess- und Überwachungstechnik?

Lutz Beyer: Ein zuverlässiges Stromnetz ist das Rückgrat aller digitalen Prozesse. Gerade kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren, Krankenhäuser oder Verkehrssteuerungen sind ohne ständige Qualitätskontrolle hochgradig verwundbar – oft unterschätzt man, wie sensibel selbst kleinste Fehler sich auswirken. Die Investition in kontinuierliche Überwachung und intelligente Auswertung reduziert Risiken und Kosten: Sie verhindert Ausfälle, senkt Wartungsaufwände und schafft die Grundlage dafür, mit Zukunftstechnologien wie KI und nachhaltigen Energien optimal zu arbeiten. Wer auf präzise Mess- und Monitoringtechnik setzt, investiert in Widerstandsfähigkeit, Skalierbarkeit und wirtschaftliche Sicherheit.

Glossar der Fachbegriffe

Power Quality (PQ): Der Begriff beschreibt die Qualität und Beständigkeit der elektrischen Versorgung, die gerade in IT-lastigen Umgebungen von entscheidender Bedeutung ist.

Fehlerstrommessung: Eine Methode zum Aufspüren von ungewollten elektrischen Leckströmen, welche durch defekte Isolierungen verursacht werden können.

Modbus/MQTT: Diese sind Protokolle für die Kommunikation von Industriemaschinen und -systemen, die zur Integration und Steuerung von Geräten innerhalb eines Netzwerks verwendet werden.

USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung): Dieses System stellt sicher, dass bei Stromausfällen sofort auf einen Ersatzstromversorger umgeschaltet wird, um die Betriebsfähigkeit der Geräte zu gewährleisten.

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