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RISE with SAP: Die Qual der Wahl bei SAP S/4HANA

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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RISE with SAP erscheint vielen Unternehmen, die auf die Cloud-Version von S/4HANA umsteigen wollen, als ein ideales Servicepaket. Doch stimmen die Ankündigungen von SAP? Oder sollen Unternehmen lieber auf weniger standardisierte Managed Services zurückgreifen? Vor einer Entscheidung bedarf es einer genauen Überprüfung.

(Quelle:  Deemerwha studio - Adobe Stock)
(Quelle: Deemerwha studio - Adobe Stock)

SAP S/4HANA zu implementieren ist für viele Unternehmen der entscheidende nächste Schritt in der digitalen Transformation. Doch beim Umstieg auf das neue System stellen sich einige Fragen, gerade wenn man es in der Cloud ansiedeln will. Eine davon ist, ob Unternehmen das Service-Paket RISE with SAP in Anspruch nehmen sollten oder lieber den Weg über einen Managed Services Provider (MSP) gehen, der dann Hosting und Betrieb der SAP S/4HANA Cloud übernimmt.

Unternehmen haben die Qual der Wahl. Noch komplizierter wird die Entscheidung dadurch, dass es viele verschiedene Cloud-Umgebungen mit jeweils spezifischen Eigenheiten gibt. Vor allem, wenn innovative Applikationen mit Big Data, KI und IoT über die Cloud deployed werden sollen, ist eine differenzierte und vorausschauende Betrachtung und Strategie gefordert. Wer sich schließlich für die Implementierung von S/4HANA mit RISE with SAP entscheidet, sollte einiges beachten.

RISE with SAP erfordert Überwachung und Kontrolle

Allgemein gilt die Formel: Wer Dienstleistungen oder Produkte erwirbt, muss trotzdem die effiziente Ausführung dieser Leistungen gewährleisten und in SLAs regeln. Gesamte Prozessabläufe können immerhin empfindlich gestört werden, sollten Ressourcenknappheit oder Softwarefehler auftreten. Im Kontext der Serviceleistungen von RISE with SAP müssen Unternehmen deshalb ein komplexes Netzwerk von Systemen und Abläufen errichten, welches eine ständige Überwachung erfordert. Hierbei ist die Verwendung zertifizierter Überwachungstools wie PowerConnect für SAP von zentraler Bedeutung, da sie eine tiefgreifende Analyse des SAP-Betriebs ermöglichen.

Diese spezialisierten Tools eröffnen Echtzeiteinblicke in das System und unterstützen Kunden dabei, potenzielle Ausfälle frühzeitig zu erkennen, mitunter sogar in präventiver Weise. Dadurch wird der erhebliche Zeitaufwand für die Fehlersuche signifikant reduziert. Anhand eines solchen Überwachungswerkzeugs lässt sich beispielsweise das Risiko von Störungen um bis zu 65 Prozent minimieren. Und die Zeitspanne für die Behebung kritischer Anwendungsfehler lässt sich um bis zu 75 Prozent verkürzen. Ferner trägt die frühzeitige Erkennung von drohenden Ausfällen dazu bei, potenzielle Beeinträchtigungen im Voraus abzumildern. Eine konsequente Überwachung ist also maßgeblich für einen stabilen Geschäftsbetrieb mit RISE with SAP. Doch für welche Unternehmen lohnt sich RISE with SAP überhaupt?

Stärken und Schwächen von RISE with SAP

Bei dieser kritischen Entscheidung spielen vor allem drei Aspekte eine wichtige Rolle: Technologie, Kosten und begleitende Services. MSPs hosten und betreiben die Cloud in der Regel bei zertifizierten und sicheren Hyperscalern wie Microsoft Azure, AWS und Google Cloud Platform. Auch SAP bietet das Hosting von SAP S/4HANA in eigenen Rechenzentren oder in den Clouds der vorgenannten Hyperscaler an.

Auf den ersten Blick erscheint RISE with SAP mit seinem Alles-aus-einer-Hand-Prinzip als attraktive Lösung. Auch das Service-Angebot gestaltet sich umfangreich. Doch Vorsicht: Jedes Unternehmen hat eigene spezifische Bedürfnisse und Anforderungen, welche individuelle Lösungswege erforderlich machen. Das SAP-Angebot ist hingegen stark standardisiert, weshalb begleitende Dienstleistungen zwingend notwendig werden. Diese bilden dann die Schnittstelle zwischen den eigenen IT-Prozessen und den RISE with SA-Diensten.

Unternehmen verantworten selbst das Sicherheitsmanagement

Zudem sind für das Sicherheitsmanagement vorrangig die Unternehmen selbst verantwortlich. Im Gegensatz zur Zusammenarbeit mit MSPs, die regelmäßig Qualitätsmeetings und eigenes Fachpersonal anbieten, müssen Firmen mit RISE with SAP ohne weitergehende externe Ratschläge auskommen oder solche Services extra buchen. Versteckte, unklare Kosten sind ebenfalls ein Faktor, der bei RISE with SAP manche Kalkulation durcheinanderbringt. Die Ausgaben für Cloud Consumption, Managed Services und SAP-Lizenzkosten werden in einem Paket aufgeführt, was die Aufteilung zwischen den Bestandteilen wenig transparent macht. Kostenkontrolle ist somit nur eingeschränkt möglich.

Die jüngsten Ankündigungen von SAP im Juli 2023 und auf dem DSAG-Jahreskongress, zukunftsweisende Innovationen ausschließlich innerhalb ihrer Cloud-Produktlinien anzubieten, haben zweifellos das Ziel, Kunden zusätzlich zu ermutigen, zeitnah auf RISE with SAP umzusteigen. Dennoch ist es ratsam, in dieser Angelegenheit keine überstürzten langfristigen Verbindlichkeiten einzugehen. Stattdessen sollten Unternehmen erst einmal den Verlauf der fortlaufenden Diskussionen verfolgen. Von einer infrastrukturellen Perspektive aus betrachtet, bestehen immerhin nur wenige Gründe, die erklären würden, warum sich wegweisende Cloud-Lösungen nur ausschließlich auf der Hyperscaler-Infrastruktur von SAP betreiben lassen.

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Umsetzung der richtigen SAP-Strategie

RISE with SAP hat seine Stärken, taugt aber nicht als universelle Lösung für alle Unternehmen. Managed Services Provider (MSPs) sind auf der anderen Seite in der Lage, mit ihren maßgeschneiderten Angeboten einen auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Ansatz zu verfolgen, der potenziell für den einzelnen Kunden einen größeren Nutzen bietet. Um zu einer finalen Entscheidung zu kommen, sollten Unternehmen deshalb gründliche Analysen anstellen. In diesem Zusammenhang können die Dienstleistungen eines MSP ebenso einen Mehrwert bieten. Die Erfahrung und das technische Know-how eines MSP zeigen Unternehmen in jedem Fall, wie sie ihr Cloud-Potenzial optimal realisieren können. Es lohnt sich also in jedem Fall, eine – oder vielleicht sogar mehrere Zweitmeinungen einzuholen, denn natürlich lassen sich die unbestrittenen Vorteile einer Cloud-Strategie auch ohne ein Vendor-Lock-in erzielen.

(Sören Genzler ist tärig für SAP Solutions DACH bei SoftwareOne (Quelle: SoftwareOne))
(Sören Genzler ist tärig für SAP Solutions DACH bei SoftwareOne (Quelle: SoftwareOne))

Über den Autor: Sören Genzler ist seit 2021 im Bereich SAP Solutions bei der SoftwareOne Deutschland GmbH tätig. Zuvor arbeitete er acht Jahre als SAP SystemX Alliancemanagement EMEA bei IBM – später Lenovo. Auch in den Bereichen Infrastruktur, Datenbankentwicklung sowie Administration kann er langjährige Kenntnisse aufweisen. Insgesamt blickt er auf über 25 Jahre Erfahrung in der IT-Branche zurück.(sg)

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