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Cloud-Souveränität Souveräne Cloud: Mehr digitale Selbstbestimmung gewinnen

Verantwortliche:r Redakteur:in: Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Cloud-Souveränität wird in der Öffentlichkeit viel diskutiert. Doch nicht einmal eines von zehn Unternehmen wählt eine souveräne Cloud der deutschen Anbieter. Um dies zu ändern und Technologieabhängigkeiten zu vermeiden, ist es entscheidend, vorhandene Hürden zu identifizieren und gezielt abzubauen.

(Bild: AdobeStock)
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Souveräne Cloud: Kontrolle über die eigenen Daten behalten

Deutschland ist ein souveräner Staat, auch in der Informationstechnologie. Meist wird dabei von Cloud-Souveränität gesprochen. Gemeint ist: Unternehmen und Privatpersonen in Deutschland haben die Kontrolle über ihre IT-Infrastrukturen und Daten in der Cloud. Dabei geht es um die vier Schlüsselaspekte Datenstandort, Zugriffskontrolle, Datenkontrolle und technologische Unabhängigkeit.

Erstens müssen Daten im eigenen Land gespeichert werden, um territoriale Souveränität zu gewährleisten. Zweitens sollten externe Akteure ohne Erlaubnis keinen Zugriff auf Daten haben. Drittens ist die Fähigkeit zur Steuerung des Datenflusses und der Datenverarbeitung wichtig für die Handlungsfreiheit bei den eigenen Daten. Viertens geht es um technologische Unabhängigkeit von bestimmten Plattformen oder Anbietern.

Souveräne Cloud und Datenschutz

In der Öffentlichkeit wird Cloud-Souveränität allerdings vorwiegend mit dem Datenschutz und dem Standort der Anbieter in Verbindung gebracht. Doch die Cloud ist global, Daten wandern in Sekundenbruchteilen zwischen den Kontinenten. Die deutsche Wirtschaft sieht das als Vorteil: Laut einer Forrester-Studie achten Unternehmen eher auf den Funktionsumfang und die vom Provider zugestandene Kontrolle über die Daten als auf den Firmensitz. Lediglich sieben Prozent wählen auch einen lokalen Anbieter.

Hinzu kommt ein erstaunliches Phänomen: Messenger und soziale Medien haben dazu geführt, dass viele Personen ihr Privatleben in einem Maße offenlegen, das noch vor 20 Jahren als datenschutzrechtlicher Weltuntergang gewertet worden wäre. Das Thema scheint also nicht immer ernst genommen zu werden. Außerdem wird Datenschutz gerne als Ausrede für mangelhafte Digitalisierung vorgeschoben, statt den Fokus auf die Vorteile der Cloud und die rasche Umsetzung sicherer Lösungen zu richten.

Die Überlegenheit der Hyperscaler ist zwangsläufig

Doch die meisten Unternehmen wissen, wie man Cloud-Verträge richtig gestaltet und welche technischen Voraussetzungen gelten. Außerdem können Daten verschlüsselt und damit wirksam geschützt werden – nicht erst seit gestern. Ein wirklich wichtiges Diskussionsthema ist dagegen die technologische Unabhängigkeit.

Aktuell wird die starke Nutzung chinesischer Netzwerk-Komponenten in der Telekommunikationsinfrastruktur kritisiert. Auch die Hyperscaler mit ihren globalen (und deshalb außerhalb des DSGVO-Regimes liegenden) Infrastrukturen sind häufig Ziel der Kritik. Außerdem ist Deutschland bei digitalen Technologien nicht nur von anderen Ländern abhängig, sondern teils von ihnen abgehängt.

Diese Situation ist allerdings nicht überraschend entstanden. Deutschland und Europa sind nicht plötzlich von den Technotruppen außereuropäischer Regionen überrannt worden. Die Überlegenheit der IT-Riesen aus den USA ist beinahe zwangsläufig entstanden. Ein wichtiger Grund ist der gigantische englischsprachige Markt. Er macht es leicht, ein B2C-Angebot in kurzer Zeit für viele Millionen Kunden zu skalieren. In Deutschland ist das kaum möglich, der Binnenmarkt ist zu klein.

Doch es gibt auch andere Gründe. So werden in den USA zahlreiche Technologien von staatlichen Institutionen gefördert, etwa durch Entwicklungsaufträge und Produktbestellungen von staatlichen Organisationen. Das ist eine direkte Förderung, die es in Europa nicht gibt. Vor allem das Militär hat eine hohe Nachfrage, denn der Anteil der USA an den weltweiten Militärausgaben beträgt 39 Prozent, der von Deutschland nur 2,5 Prozent. Es wäre wünschenswert, wenn in der EU staatliche Aufträge mit Priorität an EU-Unternehmen vergeben werden.

Bürokratische Hürden und Mentalitätsunterschiede

Doch Subventionierung und Binnenmarkt sind nicht die einzigen Gründe für den Erfolg der Hyperscaler. Es gibt auch spezifische Mentalitätsunterschiede, die sich zum Beispiel im B2B-Markt zeigen. So sind US-Unternehmen eher dazu bereit, Marktneulingen eine Chance zu geben als im risikoaversen Deutschland. Generell betrachten US-Bürger neue Technologien mit Interesse und Neugier, während in Deutschland Skepsis und Abwehr vorherrschen.

Ein weiteres Problem sind bürokratische Hürden im Binnenmarkt. In den USA und anderen Ländern ist vieles einfacher, zum Beispiel Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Dinge wie IHK-Zwangsmitgliedschaften, die Arbeitsstättenverordnung, das hochkomplizierte Gewerbe- und Steuerrecht sowie ein Wust aus Regeln in einzelnen Branchen sind in den USA unüblich. Zwar gibt es dort auch Staaten mit hoher Regelungsdichte wie beispielsweise Kalifornien. Doch vor allem Delaware, Florida und Wyoming sind wahre Paradiese für Nullsteuer-Gründungen. Dies alles erleichtert das Wachstum von US-Unternehmen. 

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Hinzu kommt aus Kundensicht der Kostenvorteil der Cloud aus der „US-Steckdose“. Erinnert sich noch jemand an die souveräne Cloud, die ein großer deutscher Anbieter für die Office-Lösung von Microsoft aufgebaut hat? Der Service wurde nach einiger Zeit eingestellt, da er zu teuer war und deshalb nicht genug Kunden fand. Das ist ein deutliches Zeichen für einen Webfehler, den es in vielen Unternehmen gibt: Die Auslegung der IT-Infrastruktur wird durch das Controlling und den CFO bestimmt.

Souveräne Cloud bedeutet mehr Mitspracherecht für die IT-Abteilung

IT-Leiter und CIOs benötigen mehr Spielraum und weniger Kostenzwänge bei der Beschaffung von IT-Leistungen, vor allem bei Cloud-Services. Es gibt ausreichend Anbieter, die sich zum Beispiel auf mittelständische Unternehmen spezialisiert haben. Mit ihrer Hilfe können Unternehmen die Cloud-Souveränität stärken. Dabei sollten sie vor allem zwei Punkte beachten:

  • Offene Architekturen: Sie verringern die Abhängigkeit von proprietären Technologien und spezifischen Anbietern. Zudem fördern offene Architekturen die Innovation und den Wettbewerb, was letztendlich den Endanwendern zugutekommt.

  • Hybrid Cloud: Die Hybrid Cloud kombiniert die Vorteile von verschiedenen Public-Cloud-Services und einer Private Cloud. Letztere verarbeitet geschäftskritische Daten, während Unternehmen gleichzeitig auf innovative Cloud-Services zugreifen können, etwa für Marketing, Kundenverwaltung oder Projektmanagement.

Unternehmen profitieren damit von den Kostenvorteilen und der Skalierbarkeit der Cloud und behalten gleichzeitig die Hoheit über geschäftskritische oder personenbezogene Daten. Zudem erreichen sie durch den Einsatz von offenen Architekturen die technologische Unabhängigkeit. Auf diese Weise wird Cloud-Souveränität zum Ausdruck der digitalen Selbstbestimmung. 

souveräne cloudKonstantin Teepe
ist Head of Business Industry Telco, Media, Tech and High-Tech Germany bei Eviden

Bildquelle: Konstantin Teepe