Transfusionsmediziner warnenTelemedizin: Blutspende funktioniert bald auch ohne Arzt vor Ort
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Konstantin Pfliegl
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Das Bundesgesundheitsministerium forciert mit der Telemedizin-Blutspende-Verordnung die Einführung telemedizinischer Verfahren. Ärzte müssten in vielen Fällen nicht mehr anwesend sein. Das sorgt für Kritik.
(Bild: WavebreakmediaMicro / Adobe Stock)
Bereits im Mai vergangenes Jahr hat der Deutsche Bundestag eine Änderung des Transfusionsgesetzes (TFG) beschlossen: Diese sieht vor, dass der Einsatz telemedizinischer Verfahren bei der Durchführung von Blut- und Plasmaspenden grundsätzlich zulässig werden soll. Im Juni 2024 folgte ein Referenten-Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur Telemedizin-Blutspende-Verordnung. Der Gesetzgeber möchte damit dem Mangel an ärztlichem Fachpersonal Rechnung tragen und dadurch die Versorgung mit Blut und Plasma in Deutschland weiterhin sicherstellen.
Telemedizin: Kritik am Blutspenden ohne Arzt
Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) unterstützt zwar grundsätzlich, dass der Gesetzgeber nach Wegen sucht, viele Blutspenden zu ermöglichen – auch mithilfe der Digitalisierung. Allerdings sieht die Fachgesellschaft den jüngst verabschiedeten Entwurf unter mehreren Gesichtspunkten kritisch.
Um die Gesundheit der Spender im Vorfeld und Verlauf der Spende und damit die Sicherheit des Blutspende-Verfahrens insgesamt sicherzustellen, halten wir die Anwesenheit eines Arztes für dringend geboten.
Dr. med. Sven Peine, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum, in der alle Aspekte rund um die Behandlung von Patienten mit Blut, Zellen und Geweben bearbeitet werden.
Bei einer telemedizinischen Blutspende ist kein ärztliches Fachpersonal mehr vor Ort, weder bei der Feststellung der Spendentauglichkeit noch bei der Blutspende selbst. Der Arzt wird nur per Video zugeschaltet. Anstelle eines Arztes führt dann nicht-ärztliches Fachpersonal, unter Umständen auch nicht-medizinisch ausgebildetes Fachpersonal, die Blutspende durch. Die Richtlinie sieht vor, dass Telemedizin insbesondere bei Menschen, die wiederholt Blut spenden, zum Einsatz kommen soll.
„Um die Gesundheit der Spender im Vorfeld und Verlauf der Spende und damit die Sicherheit des Blutspende-Verfahrens insgesamt sicherzustellen, halten wir die Anwesenheit eines Arztes für dringend geboten“, erklärt Dr. med. Sven Peine, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).
Per Videoübertragung könnten Ärzte den tatsächlichen Gesundheitszustand des potenziellen Spenders schlechter beurteilen: „Bekommt die potenziell spendende Person gut Luft, ist sie bleich oder sind ihre Lippen leicht bläulich?“ Wenn man der Person gegenübersitze, dann falle diese Einschätzung leichter. Zudem würden sich hier auch immer Fragen nach der ärztlichen Haftung und dem Unterlaufen der ärztlichen Sorgfaltspflicht anschließen, ergänzt Dr. Peine – „dies ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar.
Damit setzen wir die Bereitschaft zur Blutspende in der Bevölkerung aufs Spiel.
Prof. Dr. med. Holger Hackstein, Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI)
Warnung vor Vertrauensverlust
„Viele Menschen, die regelmäßig Blut spenden, vertrauen dem Verfahren. Das liegt auch am Transfusionsgesetz, das in seiner bisherigen Form klare Rahmenbedingungen für die Blutspende festsetzt. Das Vertrauen fußt auch auf der guten ärztlichen Betreuung und Sicherheit, die bei der Blutspende immer gegeben ist“, so Dr. Peine. „Aus Gründen des Gesundheitsschutzes betreuen Transfusionsmediziner die Menschen bei der Blutspende besonders vertrauens- und verantwortungsvoll. Und dazu gehört, dass ausreichend qualifiziertes Personal anwesend ist, um bei Kreislaufproblemen oder anderen plötzlich auftretenden Komplikationen schnell einschreiten zu können“, betonte er.
Daher sieht die DGTI die telemedizinische Blutspende und die damit verbundenen Änderungen kritisch. Wenn mit Einführung der telemedizinischen Blutspende ärztliche Aufgaben an andere Berufsgruppen delegiert würden, sei nicht auszuschließen, dass Versorgungs- und Qualitätsstandards absinken. „Damit setzen wir die Bereitschaft zur Blutspende in der Bevölkerung aufs Spiel“, warnt Prof. Dr. med. Holger Hackstein, Präsident der DGTI. Insbesondere Erstspender könnte dies abschrecken.
Die DGTI fordert daher weitere Studien zur telemedizinischen Blutspende. Eine so tiefgreifende Änderung im Transfusionsgesetz wie die telemedizinische Blutspende müsse zwingend auf Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse geschehen. Daher fordert die DGTI die Gewinnung weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse gemäß den Grundsätzen evidenzbasierter Medizin.
Stand: 16.12.2025
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