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Desinformationskampagne Wie Akteure mit KI Wahlen beeinflussen wollen

Ein Gastbeitrag von Adam Marrè 3 min Lesedauer

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2024 ist fast die Hälfte der Weltbevölkerung zu Wahlen politischer Gremien aufgerufen. Bedrohungsakteure aus der ganzen Welt und insbesondere aus China verwenden künstliche Intelligenz, um mithilfe einer Desinformationskampagne den Ausgang von Wahlen zu beeinflussen.

(Bild:  AIExplosion/Adobe Stock)
(Bild: AIExplosion/Adobe Stock)

2024 ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Superwahljahr. Denn es finden Wahlen in weiten Teilen der Welt statt: US-Präsidentschaftswahlen, Europawahl, Kommunal- und Landtagswahlen in Deutschland. Außerdem finden Wahlen im Vereinigten Königreich, in Indien und in Südkorea statt, um nur einige Beispiele zu nennen. Grund genug für nationale und internationale Cyberkriminelle, Falschinformationen und manipulative Informationen zu verbreiten. Ganz vorne mit dabei ist China.

Laut Microsoft haben Bedrohungsakteure, die der Kommunistischen Partei Chinas nahestehen, unter anderem damit begonnen, kontroverse Fragen zu umstrittenen innenpolitischen Themen in den USA über Social-Media-Accounts zu stellen, um die Schlüsselthemen zu ermitteln, die die US-Wähler spalten, und so besser Einfluss nehmen zu können. So wurde im Auftrag von China eine KI-generierte Desinformationskampagne mit dem Ziel gestartet, den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Schon seit langem warnen Cybersicherheitsexperten vor den Risiken, die von Angriffen mit KI-generierten Inhalten ausgehen. Vor allem vor dem Hintergrund der möglichen Verwendung zur Beeinflussung im Vorfeld von oder während Wahlen.

Fachkräftemangel erleichtert Desinformationskampagne

Studien deuten darauf hin, dass chinesische Desinformationskampagnen auch deswegen so erfolgreich sind, weil die Wahlverantwortlichen unzureichend auf entsprechende KI-basierte Angriffe vorbereitet sind – und die Bevölkerung Informationsquellen mit manipulierten Inhalten oftmals nicht hinterfragt. Entsprechend gab in einer aktuellen Studie zur Election Security in den USA von Arctic Wolf mehr als die Hälfte der Führungskräfte in den US-Bundesstaaten und -Kommunen an, dass Cybersicherheit bei den Wahlen und Desinformationskampagnen ihre größten Sorgen seien. Der Report „2024 US Election Security“ von Arctic Wolf ergab weiterhin, dass staatliche und kommunale IT- und Cybersicherheitsteams vielfach von Personalmangel betroffen und überbelastet sind. Durch zusätzliche Aufgaben im Wahljahr wird diese Situation noch verschärft.

Im Spannungsfeld: China als Handelspartner und politischer Gegner

China hat immer wieder cyberkriminelle Taktiken zur Erreichung wirtschaftlicher und politischer Zielsetzungen genutzt. Dass auch KI-Methoden darunter sind, sollte nicht verwundern. Der Einsatz moderner Technologie für eine Desinformationskampagne, wie die Störung oder Beeinflussung von Wahlen, ist nur eine logische Konsequenz politischer Einflussnahme. Dass gerade der Handelspartner China diese für sich in Anspruch nimmt, ist riskant – kommt aber nicht wirklich überraschend. Der chinesische Staatsapparat steht dem demokratischen Staatsmodell konträr gegenüber, und die Manipulation demokratischer Wahlen ist ein mächtiges Instrument.

Heute werden für Wahlmanipulationen und eine Desinformationskampagne gezielt KI-Algorithmen trainiert. Sie analysieren enorme Datenmengen, um Meinungstrends zu bestimmen und User auf Social Media zu imitieren. Zusätzlich werden KI-basierte Bots oder Deepfakes genutzt, um Falschinformationen zu verbreiten, Verwirrung zu stiften und so die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Um solche Einflussnahme zu vereiteln, gilt es, die kollektive Wachsamkeit im Bereich der Cybersicherheit zu erhöhen und die Gesellschaft für einen aufmerksameren Konsum von Informationsquellen zu sensibilisieren. Denn nur durch erhöhte Wachsamkeit können manipulierte Inhalte erkannt werden.

Desinformationskampagne: Keine Dystopie, sondern reale Gefahr

Gerade Länder wie China, streuen erfahrungsgemäß KI-gestützte irreführende Narrative, manipulative Informationen und gefälschte Inhalte. Eine Desinformationskampagne ist inzwischen so qualitativ hochwertig, dass sie auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen ist. Eine Tatsache, die sich mit fortschreitender Technologie noch verstärken wird. Um die Möglichkeit zu schaffen, Wahlmanipulationen durch China oder andere politische Gegner zu vereiteln, müssen umfassende Abwehrmaßnahmen getroffen sowie Initiativen zur Cybersicherheits-Aufklärung der Wähler durchgeführt werden. Denn die Absicherung der Wahlen vor Cyberangriffen und der Schutz der Wähler vor Manipulationen sichert die Demokratie.

DesinformationskampagneAdam Marrè
ist Chief Information Security Officer bei Arctic Wolf, dem Anbieter der Security Operations Cloud und einem Concierge-Delivery-Modell.

Bildquelle: Arctic Wolf

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