Der nächste große Produktivitätssprung wird nicht durch immer größere Sprachmodelle erreicht, sondern durch Agentic AI. Diese ermöglicht es Unternehmen, eigenständig Prozesse mit hochwertigen Daten auszuführen, Kundeninteraktionen zu verbessern und Analysen zu beschleunigen.
Paradigmenwechsel: Der nächste Produktivitätsschub kommt durch Agentic AI: Systeme, die nicht nur Inhalte liefern, sondern eigenständig Aufgaben in Workflows ausführen, Kundeninteraktionen verbessern oder Analysen beschleunigen – mit messbaren Auswirkungen. Erfolgsfaktoren bei der Einführung: KI-Agenten können ihre Wirkung nur bei strukturierter Umsetzung entfalten: definierte Rollen von Mensch und Agent, Ziel- und KPI-Zuordnung, schrittweiser Start mit einfachen Use Cases sowie kontinuierliche Kontrolle und Skalierung entlang definierter Prozesse. Daten und Souveränität: Wettbewerbsvorteile entstehen durch Kontext, interne Tools und private Unternehmensdaten. Dafür sind Datensouveränität beziehungsweise souveräne KI-Architekturen entscheidend, um IP, Datenschutz und Compliance zu sichern.
Heute wird Unternehmens-KI nicht mehr nur zur Erstellung von Inhalten oder Analysen eingesetzt, sondern greift direkt in reale Arbeitsabläufe ein. KI liefert nicht mehr nur Antworten auf Fragen, sondern erzielt auch messbare Ergebnisse im Tagesgeschäft. Moderne Agentic-AI-Systeme schaffen einen größeren und klar messbaren Mehrwert, indem sie Aufgaben übernehmen, die zuvor eine kontinuierliche Koordination zwischen Menschen erforderten. Die KI-Agenten automatisieren Prozesse, verbessern Kundeninteraktionen und beschleunigen Analysen. Das senkt nicht nur die Kosten, sondern entlastet auch die Teams, die sich dadurch stärker auf strategische Themen, Innovation und Wachstum konzentrieren können.
Diese Vorteile ergeben sich jedoch nur, wenn Unternehmen Agentic AI gezielt und strukturiert einführen. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert von Anfang an eine enge Abstimmung zwischen Technologie, Prozessen und Menschen. Dazu gehören klar definierte Rollen für Mitarbeiter und Agenten, eine eindeutige Zurechnung von Zielen, messbare Leistungsindikatoren und eine kontinuierliche Kontrolle. In diesem Modell geben Menschen die Richtung vor, während KI-Agenten die Umsetzung beschleunigen. Für einen pragmatischen Start empfiehlt sich ein schrittweiser Ansatz. Unternehmen sollten mit klar definierten und gut verständlichen Aufgaben beginnen, darauf aufbauend komplexere Prozesse entwickeln, bevor sie die Lösungen unternehmensweit skalieren.
Warum Daten, Differenzierung und Souveränität entscheidend sind
Mit den zunehmend maßgeschneiderten Modellen und dem produktiven Einsatz von Agentic AI steigen auch die Ansprüche. Daten bilden nicht nur die Grundlage für agentische Prozesse, sondern haben auch einen strategischen Wert. Ein trainiertes Modell kann schließlich das Gelernte nicht einfach vergessen. Umso wichtiger ist es, mit sensiblen Daten und Wissen sorgfältig umzugehen.
Datensouveränität und souveräne KI-Architekturen spielen eine zentrale Rolle beim Schutz von Unternehmensdaten. Wenn sensible Daten und fein abgestimmte Modelle von Anfang an geschützt bleiben und Unternehmen die Kontrolle darüber behalten, wo KI-Systeme betrieben werden, können geistiges Eigentum und Datenschutz gesichert und gleichzeitig regulatorische Anforderungen erfüllt werden. So müssen Unternehmen nicht auf die Vorteile von Agentic AI verzichten. Das Ergebnis sind KI-Systeme, die über einen oberflächlichen Mehrwert hinausgehen und domänenspezifische Herausforderungen lösen können, die mit generischen Tools oft nicht zu bewältigen sind.
Karlsruher Institut für Technologie setzt Agentic AI ein
Deutlich wird dieser Effekt besonders dort, wo die Komplexität von Informationen zum Engpass wird. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) stand vor der Aufgabe, Informationen aus rund 200.000 Seiten zugänglich zu machen und gleichzeitig die Arbeitsbelastung der Redaktionsteams zu reduzieren. Agentic AI erwies sich hierfür als die richtige Lösung, denn durch semantische Navigation und Inhaltsanalyse wurde die Extraktion von Metadaten und Entitäten automatisiert. Das sparte Zeit, reduzierte Fehler und erhöhte die Relevanz der Inhalte.
Agentic AI entfaltet ihre geschäftlichen Vorteile nur dann, wenn sie in einem spezifischen Geschäftskontext eingesetzt wird und Zugriff auf interne Tools und private Daten hat. Öffentlich trainierte Modelle sind nach wie vor nur Generalisten – der nächste Qualitätssprung braucht einen spezifischen Geschäftskontext. Wettbewerbsvorteile entstehen vor allem dort, wo Unternehmen die KI mit ihrer eigenen Terminologie, ihren Prozessen und Daten anreichern. Dazu gehören beispielsweise Fine-Tuning oder gezielte Steuerung des Kontexts.
Agentic AI – der nächste Schritt für Führungskräfte
Agentic AI bringt Unternehmens-KI von der Experimentierphase in die Praxis. Der Mehrwert ergibt sich nicht aus beeindruckenden Demos, sondern aus soliden Grundlagen. Dazu gehören klar verständliche Geschäftsprozesse und Daten, die auf zuverlässigen Strukturen basieren.
Gerade in der frühen Implementierungsphase sollten Unternehmen agentische Fähigkeiten gezielt für Anwendungsfälle einsetzen, die einen messbaren Mehrwert liefern. Der Fokus liegt dabei auf klar definierten Prozessen und Systemen. Gleichzeitig können Modelle weiterentwickelt und hochwertige Unternehmensdaten gezielt genutzt werden, um sich vom operativen Einsatz generischer Lösungen abzuheben.
Besonders wichtig bleibt es, den eigentlichen Wettbewerbsvorteil zu schützen, der Agentic AI zugrunde liegt. Private Daten, geistiges Eigentum und fein abgestimmte KI-Bausteine müssen von Anfang an geschützt werden. Souveräne Architekturen und präventive Kontrollmechanismen bilden die Grundlage für eine nachhaltige Skalierung. Agentic AI sollte als unternehmensweite Fähigkeit und nicht als isoliertes Tool verstanden werden. Wer sie mit klaren Zielen, enger Anbindung an Geschäftsprozesse und zuverlässiger Kontrolle aufbaut, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum.
Stand: 16.12.2025
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Shannon Bell ist Chief Information Officer and Chief Digital Officer bei OpenText.