Künstliche Intelligenz, Cloud, Cyber Security und ESG zwingen Unternehmen, veraltete IT-Architekturen aufzubrechen. Personalmangel und Zeitdruck machen es schwer, die Geschäftslogik der alten Anwendungen zu verstehen und in sinnvolle Cluster zu verwandeln. Tools zur Code-Analyse können dabei helfen.
(Bild: Freepik)
Unternehmen benötigen eine moderne IT-Infrastruktur, um erfolgreich zu sein. Diese soll die eigenen Mitarbeiter mit Kunden, Lieferanten und anderen Partnern in einem immer stärker zusammenwachsenden Ökosystem verbinden. Eigene Hardware nimmt an Bedeutung ab, da Anwendungen oder Teile davon als „Software as a Service“ (SaaS) bezogen und mit internen Anwendungen verknüpft werden. Hybride Clouds schaffen eine Brücke zwischen den IT-Paradigmen – je nach Geschäftsanforderungen befinden sich die Daten auf Rechnern im Unternehmen oder in den Rechenzentren der Hyperscaler.
Legacy Transformation
Zur Realität gehört aber auch, dass sich der Kern der Geschäftsprozesse vieler Unternehmen noch in kritischen Anwendungen befindet, die z. B. selbst in COBOL entwickelt wurden und teilweise Jahrzehnte alt sind. Beispiele hierfür sind Bestandsanwendungen der Lebensversicherer, Buchungssysteme, Kernsysteme der Finanzdienstleister oder Lagerverwaltungs- und Logistiksysteme. Diese laufen oft auf Mainframes, insbesondere für größte Transaktionsvolumina sehr leistungsfähigen Systemen, die regelmäßige Innovationszyklen durchlaufen. Es sind die alten Anwendungen, nicht die Hardware-Technologie, die den Modernisierungsdruck erhöhen – Stichwort „Legacy Transformation“. Dies ist unabhängig davon, ob die Unternehmen eine Mainframe-Ablösestrategie verfolgen oder nicht.
Code-Analyse: Warum moderne IT-Architektur und Nachhaltigkeit zusammengehören
Die etablierte Definition von Nachhaltigkeit sieht drei Säulen ESG (Environment, Social, Governance) vor. Die Regulierung, insbesondere in Form der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) in der EU, verlangt von BaFin-regulierten Unternehmen ab dem Geschäftsjahr 2024 und für die meisten anderen größeren Unternehmen ab 2025 eine richtlinienkonforme Nachhaltigkeitsberichtserstattung.
Hierfür muss eine Nachhaltigkeitsstrategie definiert werden, die mit den Unternehmenszielen verzahnt ist.
Die gute Nachricht ist: Nachhaltige Legacy-Modernisierung wirkt sich positiv auf alle drei ESG-Säulen aus: Mit Ressourcenschonung und -wiederverwendung in der Säule „E“, mit Fairness, Beteiligung und Motivation der Mitarbeitenden in Säule „S“ und durch transparente und verantwortliche Steuerung und Führung in Säule „G“. In diesem Kontext können die zu erhebenden ESG-Daten auch für neue Geschäftschancen sowie die Steuerung der Geschäftsrisiken genutzt werden.
Budget für IT-Modernisierung
Das Thema Anwendungsmodernisierung, insbesondere wenn es Mainframe-Anwendungen betrifft, fristet meist ein Schattendasein. Es wird nicht im Zusammenhang mit IT-Trends oder Innovationsthemen gesehen. Entsprechend schwierig gestaltet es sich für die IT-Führungskräfte, Budgetanfragen bewilligt zu bekommen. Dazu kommt, dass fachkundige Mitarbeiter, die die Logik der alten Anwendungen kennen rar sind. Wer aber aufzeigen kann, dass Nachhaltigkeitsziele unterstützt und regulatorische ESG-Anforderungen erfüllt werden, hat bessere Argumente für Budgetentscheidungen.
Tipp: Beschaffen Sie sich Budgets, um in Transparenz und Mainframe-Know-how auch für junge Talente zu investieren. Generationsübergreifende und diverse Teams schaffen „Best Practices“, um erfolgreich und wertschätzend an der IT-Modernisierung zusammenzuarbeiten. Eine Stärkung des Frauenanteils in IT-Berufen und mehr Inklusion sind zugleich erklärte ESG-Ziele (Säule „S“) und helfen durch bewussten Know-how-Transfer, die Brücke zwischen der „alten“ und der „neuen“ IT zu bauen.
Code-Analyse als Schlüssel nachhaltiger Modernisierung
Auch wenn Legacy Anwendungen als eine monolithische, veraltete Architektur wahrgenommen werden, steckt in ihnen ein enormer geschäftlicher Wert. Millionen Lines of Code wurden von vielen Fachexperten und Entwicklern in einer Vielzahl von Projektjahren unter erheblichem Ressourceneinsatz geschaffen. Daher stellt Software Recycling einen ernstzunehmenden Modernisierungsansatz dar.
Es ist zeitaufwändig, ineffizient und sehr fehleranfällig, ohne maschinelle Unterstützung zu versuchen, die Logik von Altprogrammen anhand des Quelltextes nachzuvollziehen. Meist fehlt es an Dokumentationen. Code-Analyse-Tools können dagegen den Quelltext einlesen, statische und dynamische Aufrufwege nachvollziehen und visualisieren. Ein Nutzen ist die Identifikation von „Totem Code“. Ihn zu eliminieren, spart Energie und Kosten.
Ein weiterer Mehrwert ist es, technische und funktionale Cluster zu identifizieren. Diese helfen sinnvolle Schnitte festzulegen, um den Code Cluster für Cluster zu modernisieren. Auch können automatisch Dokumentationen erstellt werden, die z. B. von der BaFin anerkannt werden. Darüber hinaus kann mit Hilfe solcher Werkzeuge ein Wissensrepositorium geschaffen werden, das die Einarbeitung junger Talente oder anderer, mit den Altanwendungen nicht vertrauter Kollegen, erleichtert. Diese Fachkräfte können auf diese Weise zu Brückenbauern zwischen „alter“ und „neuer“ IT-Welt ausgebildet werden.
Stand: 16.12.2025
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Licht ins Dunkle bringen
Governance, also die Unternehmensteuerung, ist entscheidend für die Mitigation der Unternehmensrisiken. Die Geschäftsprozesse müssen verstanden werden – die Code-Analyse-Tools helfen, Licht ins Dunkle zu bringen. Denn kritisches Geschäft darf man nicht im Blindflug betreiben.
Die Ablösung des Mainframes ist für manche fast schon eine „Glaubensfrage“. Eine Modernisierungsentscheidung sollte aber stets faktenbasiert sein. Im Hinblick auf Stabilität, Sicherheit vor Cyber-Angriffen und ESG-Ziele wie Energie- und Flächenbilanz rückt die Betrachtung des Mainframes in ein anderes Licht. Dass dieses Thema topaktuell ist, belegt folgende aktuelle Anekdote:
Vom 7. bis 08.12.2023 fand der Jahreskongress des GDV-Ausschusses Betriebswirtschaft, Prozesse und IT in Köln statt (GDV = Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft). Fokus der Agenda lag auf KI und der Generation Z. Am Ende der Veranstaltung wurde das Publikum nach Themenwünschen für 2024 gefragt. Zur Überraschung vieler war „Mainframe“ an der Spitze der Rückmeldungen. Aber ganz gleich, welche unternehmensspezifische Strategie zur Modernisierung der IT-Infrastruktur gewählt wird: Es ist hilfreich und auch unabdingbar die Nachhaltigkeitsstrategie in die Modernisierung miteinzubeziehen.
Dr. Matthias Quaisser Business Development Executive bei der PKS Software GmbH