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IT-Security Cyberresilienz: IT-Sicherheit muss zur Chefsache werden

Ein Gastbeitrag von Thomas Schumacher 4 min Lesedauer

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Laut einer neuen Studie von Accenture sind sich Geschäftsführer der Relevanz von Cybersicherheit für den Erfolg ihres Unternehmens zwar bewusst. Doch nur ein Teil von ihnen zeichnet sich in Sachen Cyberresilienz aus. Gerade Mittelständler müssen sich unbedingt intensiver mit Cybergefahren auseinandersetzen und besser schützen.

(Bild:  rawpixel.com auf Freepik)
(Bild: rawpixel.com auf Freepik)

Im neuesten Bericht des Bundesamtes für Informationssicherheit (BSI) zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland betont Claudia Plattner, Präsidentin des BSI, die Bedeutung der Cybersicherheit für die nationale Sicherheit. Die digitale Transformation und zunehmende Vernetzung schaffen immer größere Angriffsflächen, die vermehrt ausgenutzt werden. Der Bericht zeigt, dass täglich fast 70 neue Schwachstellen in Softwareprodukten auftreten – ein Anstieg um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ransomware bleibt dabei weiterhin die größte Bedrohung für Organisationen in Deutschland. Das zeigen auch die zunehmenden Meldungen über erfolgreiche Angriffe auf deutsche Unternehmen.

Cyberresilienz: Besorgnis erregende Aussagen

Trotz der Warnung des BSI und dem Konsens in Expertenkreisen, dass Cybersicherheit Chefsache sein muss, scheinen Top-Führungskräfte dies nicht ernst genug zu nehmen. Ac­centure hat in einer aktuellen Erhebung 1.000 CEOs globaler Großunternehmen zu ihrer Wahrnehmung von Cyberresilienz und ihrem Ansatz für Cybersicherheit befragt. Obwohl 96 Prozent der CEOs die Bedeutung von Cybersicherheit für das Unternehmenswachstum und die Stabilität betonten, integriert nur ein kleiner Teil von ihnen Cybersicherheit von Anfang an in ihre Unternehmensstrategie, Services und Produkte. 

Außerdem glauben 44 Prozent der CEOs, dass sporadisches Eingreifen ausreiche, anstatt kontinuierliche Aufmerksamkeit auf Cybersicherheit zu lenken. Besorgniserregend ist auch die Einschätzung von mehr als der Hälfte der CEOs, dass die Implementierung von Cybersicherheit teurer sei als die Kosten eines Cyberangriffs – eine ­Ansicht, die von Fakten widerlegt wird. Laut Bitkom kosteten Cyberattacken im Jahr 2023 deutsche Unternehmen 148 Milliarden Euro, während die ­Unternehmen zeitgleich in Summe lediglich 9,2 Milliarden Euro für IT-­Sicherheit ausgaben.

Dass Proaktivität durch die Führungsetage beim Thema Cybersicherheit häufig mit einer besseren Leistung des gesamten Unternehmens einhergeht, zeigt die Accenture-Studie ebenso. So wurde eine kleine Gruppe von „cyberresilient CEOs“ (5 Prozent) identifiziert, die proaktiv handelt und Cybersicherheit in allen Aspekten ihres Unternehmens bewertet. Diese Unternehmenslenker verankern Cyberresilienz in ihrer Unternehmensstrategie, übernehmen Verantwortung in der Führungsetage, stellen das notwendige Budget für IT-Sicherheit bereit und weiten Cyberresilienz über ihre Unternehmensgrenzen hinaus auf Drittdienstleister aus. Unternehmen, die von diesen Führungskräften geführt werden, erkennen, begrenzen und beheben Cyber-Bedrohungen schneller und kostengünstiger als andere Unternehmen. Zusätzlich ist im Durchschnitt auch das Umsatzwachstum dieser Unternehmen um 16 Prozent höher und sie weisen eine um 19 Prozent gesündere Bilanz auf als der Rest.

Falsche Denkweisen auch im Mittelstand

Die beschriebene falsche Denkweise bezüglich Cybersicherheit ist jedoch nicht nur in großen Unternehmen verbreitet. Auch in kleinen und mittelständischen Betrieben wird das Risiko größtenteils noch nicht ernsthaft genug wahrgenommen. So ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) unter Geschäftsführern deutscher Mittelständler, dass 76 Prozent der Befragten das Risiko eines Cyberangriffs für mittelständische Unternehmen als sehr hoch einschätzen, aber nur 29 Prozent ein sehr hohes Risiko für ihr eigenes Unternehmen sehen.

Insbesondere Kleinst-, kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs), der Teilbereich der zahlenmäßig 99,4 Prozent der deutschen Wirtschaftsunternehmen ausmacht, sind beim Thema Cybersicherheit in einer kritischen Lage. Während die Bedrohung für diese Firmen genauso hoch ist wie für Großkonzerne, verfügen sie häufig nicht über das erforderliche Personal und das Fachwissen für die Absicherung der Unternehmens-IT. Zusätzlich wird oftmals nicht das notwendige Budget bereitgestellt, um in IT-Sicher­heit zu investieren. Die aktuelle Realität zeigt, dass dieser Ansatz den Unternehmenserfolg stark gefährdet.

Regelmäßige Scans und Updates der Systeme erforderlich für mehr Cyberresilienz

Um sich gegen potenzielle Angriffe zu schützen, sollten KMUs eine strategische Herangehensweise verfolgen und sich zunächst einmal auf die „Basics“ fokussieren. Um einen Überblick zu erhalten, was gesichert werden muss, bilden die Inventarisierung und Klassifizierung aller IT-Assets eine solide Basis. Die Implementierung einer Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) für kritische Systeme ist eine weitere Notwendigkeit. Regelmäßige Scans auf Schwachstellen und Updates der Systeme sind ebenfalls von großer Bedeutung, um bekannte Sicherheitslücken zu schließen und potenzielle Angriffspunkte zu minimieren. Sorgfältig geplante und validierte Backups und Backup-Prozesse tragen dazu bei, das Risiko von Datenverlusten, insbesondere durch Ransomware-Angriffe, zu mindern. Falls Personal und Fachwissen nicht vorhanden sind, können bestimmte Dienstleistungen auch an spezialisierte Unternehmen ausgelagert werden, zum Beispiel im Bereich der Erkennung von Angriffen.

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In Anbetracht der wachsenden Bedrohung durch Cyberangriffe ist es unerlässlich, dass Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, die Dringlichkeit und Bedeutung der Cybersicherheit erkennen. Die Erkenntnisse aus Studien und Umfragen zeigen, dass Unternehmen, deren Führungsetage proaktiv in Cybersicherheit investiert und eine ganzheitliche Herangehensweise verfolgt, widerstandsfähiger gegenüber Bedrohungen sind. Eine bewusste und umfassende Sicherheitsstrategie, die auf Prävention, Erkennung und Reaktion basiert, ist entscheidend, um potenzielle Risiken zu mindern und sich effektiv gegen Cyberangriffe zu schützen. Es ist an der Zeit, dass Führungskräfte die Verantwortung für Cyberrisiken erkennen und die entsprechenden Maßnahmen regelmäßig ergreifen, um die Integrität und Stabilität ihrer Unternehmen langfristig zu gewährleisten.

CyberresilienzThomas Schumacher 
Leiter Cybersecurity bei Accenture

Bildquelle: Accenture