Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden nicht die Konzerne, sondern kleine und mittelständische Unternehmen. Deren Cybersicherheit ist täglich zahlreichen Angriffsversuchen ausgesetzt. Sie stellen in den Augen der Angreifer oft die Ziele dar, die den geringsten Widerstand leisten.
(Looker_Studio/Adobe Stock)
Der aktuelle Lagebericht 2024 des BSI gibt Anlass zur Sorge. Insbesondere KMU sehen sich zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Die Cybersicherheit ist derzeit von drei zentralen Entwicklungen geprägt:
Zunahme von Schadprogrammen: Täglich werden durchschnittlich 309.000 neue Malware-Varianten entdeckt – ein Anstieg von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark ist die Zunahme von Malware, die Schwachstellen in 64-Bit-Windows-Versionen (Anstieg: 256 Prozent) und Android-Geräten (Anstieg: 48 Prozent) ausnutzt.
Professionalisierung der Cyberkriminalität: Die kriminelle Schattenwirtschaft wird immer spezialisierter. Es gibt eine klare Arbeitsteilung zwischen Ransomware-Betreibern, ihren Partnern und sogenannten Access Brokern. Künstliche Intelligenz ermöglicht zunehmend ausgefeiltere Angriffsmethoden. Im Jahr 2024 waren 22 verschiedene APT-Gruppen (Advanced Persistent Threats) in Deutschland aktiv.
Nutzung von Zero-Day-Schwachstellen: Ransomware-Gruppen nutzen verstärkt Zero-Day-Schwachstellen aus. Eine Zero-Day-Schwachstelle ist eine unentdeckte Sicherheitslücke in Software oder Hardware, die dem Hersteller noch nicht bekannt ist. Diese Sicherheitslücken sind besonders gefährlich, da sie von Angreifern ausgenutzt werden können, bevor der Hersteller die Möglichkeit hat, sie zu beheben. Die Gruppe Clop etwa setzte solche Schwachstellen in File-Sharing-Servern für großangelegte Angriffe ein. Angreifer bereiten ihre Infrastruktur oft Wochen im Voraus vor, um möglichst viele Daten zu stehlen, bevor Lücken geschlossen werden.
Cybersicherheit: Spezifische Herausforderungen für KMU
Begrenzte Ressourcen: Viele KMU können keine umfassenden Sicherheitslösungen oder spezialisiertes IT-Personal finanzieren. Dies führt dazu, dass Bedrohungen häufig falsch eingeschätzt oder ignoriert werden. Schulungen für Mitarbeiter werden oft als zu kostspielig angesehen.
Fehleinschätzung der Bedrohungslage: Häufig unterschätzen KMU ihre Attraktivität für Angreifer. Sie gehen davon aus, dass ihre vergleichsweise geringeren Datenmengen weniger interessant sind – ein Trugschluss, der sie anfälliger macht.
Schwache Sicherheitsinfrastruktur: Veraltete Systeme, fehlende Updates und mangelhafte Backup-Strategien sind bei KMU weit verbreitet. Zudem fehlen häufig geeignete Passwort- und Zugriffskonzepte. Homeoffice-Lösungen wurden oft hastig implementiert und bieten zahlreiche Angriffsflächen.
Warum KMU besonders gefährdet sind
Kleine und mittlere Unternehmen stehen zunehmend im Fokus von Cyberkriminellen. Ihre besondere Verwundbarkeit ergibt sich aus einer Kombination verschiedener Faktoren:
Knappe Ressourcen: KMU verfügen oft über begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen für IT-Sicherheit. Viele der kleinen und mittelständischen Unternehmen können sich keine umfassenden Sicherheitslösungen oder spezialisiertes IT-Personal leisten. Ohne dedizierte IT-Sicherheitsexperten fehlt oft das nötige Know-how, um Bedrohungen richtig einzuschätzen und abzuwehren. Schulungen zur Cybersicherheit für Mitarbeiter werden häufig als zu kostspielig oder zeitaufwendig angesehen..
Attraktive Ziele: KMU sind aus mehreren Gründen attraktive Ziele für Cyberkriminelle. Die oft lückenhaften Sicherheitsmaßnahmen machen KMU zu "leichter Beute". Auch kleinere Unternehmen verfügen über sensible Kunden- und Geschäftsdaten, die für Kriminelle wertvoll sind. Der Angriff auf kleinere Unternehmen dient zudem häufig als Einstiegspunkt in die Lieferketten größerer Unternehmen. Bei Ransomware-Angriffen sind KMU meist eher bereit zu zahlen, um schnell wieder handlungsfähig zu sein.
Schwachstellen in der IT-Infrastruktur: Die IT-Infrastrukturen von KMU können erhebliche Schwachstellen aufweisen. Aufgrund begrenzter Ressourcen werden Software und Hardware häufig nicht regelmäßig aktualisiert. Viele der Unternehmen verfügen nicht über adäquate Backup-Strategien, was sie anfällig für Datenverluste und Erpressungen macht. Einfache oder wiederverwendete Passwörter sind in KMU noch immer weit verbreitet. Oft fehlt eine sinnvolle Trennung kritischer Systeme vom allgemeinen Netzwerk. Mit der Zunahme von Homeoffice wurden oft schnelle, aber unsichere Fernzugriffslösungen implementiert.
Stand: 16.12.2025
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Wichtige Tipps für die Cybersicherheit von KMU
Die BSI-Broschüre „Cybersicherheit für KMU“ ist ein wertvolles Instrument für kleine und mittelständische Unternehmen, um ihre IT-Sicherheit zu verbessern. Sie bietet einen leicht verständlichen Einstieg in die komplexe Thematik der Cybersicherheit. Die Broschüre strukturiert die wichtigsten Aspekte der IT-Sicherheit anhand von 14 zentralen Fragen. Diese decken ein breites Spektrum ab, darunter:
Verantwortlichkeiten für IT-Sicherheit im Unternehmen
Notwendigkeit regelmäßiger Software-Updates und Patches
Bedeutung von Virenschutzprogrammen
Wichtigkeit von Datensicherungen
Umgang mit IT-Risiken im Homeoffice und auf Geschäftsreisen
Informationsbeschaffung und Mitarbeiterschulung
Reaktion auf Cyberangriffe
Zehn wichtige Hinweise zur IT-Sicherheit in Unternehmen.
(Bild: Softguide)
Für Klein- und Kleinstunternehmen wird auf den „CyberRisikoCheck“ in der Broschüre verwiesen. Für diesen Check befragt ein dafür spezialisierter IT-Dienstleister das Unternehmen in einem ein-bis zweistündigen Interview zur IT-Sicherheit im Unternehmen. Insgesamt werden dabei 27 Anforderungen aus sechs Themenbereichen überprüft und Handlungsempfehlungen gegeben. Der Check zum Cyberrisiko bietet eine kostengünstige Option zur Überprüfung der Cybersicherheit.
Konkrete Schritte zur Verbesserung der Cybersicherheit
Um die Cybersicherheit in KMU effektiv zu verbessern, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Zu den wichtigen Schritten gehören:
Einführung einer Passwort-Richtlinie, die komplexe Passwörter vorschreibt und regelmäßige Änderungen erfordert.
Installation und Konfiguration einer robusten Firewall zum Schutz des Unternehmensnetzwerks
Einsatz aktueller Antivirenprogramme auf allen Geräten, einschließlich Mobilgeräten
Implementierung von Datenverschlüsselung für sensible Informationen, sowohl bei der Übertragung als auch bei der Speicherung
Einrichtung eines Rechte- und Rollenkonzepts, das den Zugriff auf Daten und Systeme reguliert
Deaktivierung von Makros standardmäßig über Windows-Gruppenrichtlinien
Bedeutung von Mitarbeiterschulungen und Sicherheitsbewusstsein
Durchführung von Cybersicherheits-Schulungen für alle Mitarbeiter, um sie über aktuelle Bedrohungen und Best Practices zu informieren.
Durchführung von Phishing-Tests, um Mitarbeiter für verdächtige E-Mails zu sensibilisieren.
Entwicklung und Kommunikation klarer Sicherheitsrichtlinien für den Umgang mit Unternehmensdaten und -geräten.
Regelmäßige Kommunikation von Sicherheitsthemen durch Newsletter, Poster oder interne Veranstaltungen.
Etablierung eines einfachen Prozesses für Mitarbeiter, um Sicherheitsvorfälle oder verdächtige Aktivitäten zu melden.
Informationsbeschaffung und Mitarbeiterschulung
Reaktion auf Cyberangriffe
Nutzen Sie hierfür beispielsweise IT-Sicherheitshinweise für Mitarbeiter von SoftGuide.
Regelmäßige Backups und Aktualisierung von Systemen
Implementierung einer robusten Backup-Strategie nach der 3-2-1-Regel (3 Kopien, 2 verschiedene Medien, 1 Off-Site-Backup).
Einrichtung automatisierter, regelmäßiger Backups aller kritischen Daten und Systeme.
Regelmäßige Überprüfung der Backups durch Wiederherstellungstests.
Einführung eines systematischen Prozesses zur zeitnahen Installation von Sicherheitsupdates und Patches.
Aktivierung automatischer Updates für Betriebssysteme und Anwendungen, wo möglich.
Führung eines aktuellen Inventars aller Hard- und Software, um Überblick über notwendige Updates zu behalten..
Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfordert zwar Zeit und Ressourcen, ist aber entscheidend für den Schutz von KMU vor Cyberbedrohungen. Durch die Kombination technischer Lösungen, Mitarbeiterschulungen und regelmäßiger Systemwartung können KMU ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe erheblich steigern.
Softwarelösungen für eine höhere Cybersicherheit
Antivirensoftware ist eine grundlegende Komponente der Cybersicherheit für KMU. Sie schützt Systeme vor Malware, Viren und anderen schädlichen Programmen. Empfehlenswerte Produkte bieten umfassenden Schutz vor verschiedenen Bedrohungen wie Viren, Malware und Ransomware. Sie umfassen Funktionen zur Netzwerksicherheit und Endpunktschutz, was sie besonders für den Einsatz bei KMU prädestiniert.
MDM-Lösungen sind für KMU von großer Bedeutung, da sie die Verwaltung und Sicherung mobiler Geräte erleichtern. MDM-Tools helfen KMU, ihre IT-Infrastruktur zu kontrollieren und die Produktivität der Mitarbeiter sicher zu unterstützen.
Passwort-Manager, Cloud-basierte Sicherheitsdienste, Threat Detection and Response, Mitarbeiterschulung, Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) sind weitere Lösungen und Aspekte, die bei einer Cybersicherheitsstrategie zu berücksichtigen sind.
SoftGuide bietet einen kostenlosen und anbieterneutralen Softwarerecherche-Service für Unternehmen an. Seit 1996 analysiert SoftGuide den deutschsprachigen Markt für Business Software und verfügt über eine umfangreiche Datenbank mit über 63.000 Softwarelösungen. Das erfahrene Team, deckt verschiedene Fachbereiche ab, darunter ERP, CRM, Projektmanagement, Sicherheitssoftware und branchenspezifische Lösungen.
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können erheblich von diesem Service profitieren:
Zeitersparnis: KMU sparen wertvolle Zeit, indem sie die aufwendige Recherche nach einer neuen Software SoftGuide überlassen.
Zugang zu Marktwissen: Das Team verfügt über jahrelange Branchenerfahrung und beobachtet kontinuierlich aktuelle Softwaretrends.
Neutrale Beratung: SoftGuide erhält keine Provisionen von Anbietern, was eine unvoreingenommene Recherche gewährleistet.
Maßgeschneiderte Lösungen: Der Service berücksichtigt die spezifischen Anforderungen jedes KMU.
Entdeckung neuer Optionen: Unternehmen erhalten Kontakte zu kompetenten Anbietern, die sie sonst möglicherweise übersehen hätten.
SoftGuide bietet KMU die Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Sicherheitslösungen. Der Service verschafft KMU einen Marktüberblick über verfügbare Sicherheitslösungen, einschließlich Antivirensoftware, Firewalls und Datenschutztools. KMU können mithilfe des Services verschiedene Sicherheitsprodukte anhand ihrer Funktionen und technischen Spezifikationen vergleichen. Zudem unterstützt der Service bei der Suche nach Sicherheitslösungen, die gesetzliche Anforderungen und Branchenstandards erfüllen, um Compliance-Anforderungen gerecht zu werden.
Die zunehmenden Bedrohungen der Cybersicherheit stellen kleine und mittelständische Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen, die häufig durch begrenzte Ressourcen, fehlerhafte Risikoeinschätzung und lückenhafte IT-Infrastrukturen verschärft werden. Angesichts dieser komplexen Bedrohungslage ist es entscheidend, dass KMU gezielt und proaktiv handeln, um ihre IT-Sicherheit zu stärken. Mit gezielten Maßnahmen – von der Implementierung grundlegender Sicherheitsrichtlinien über regelmäßige Schulungen bis hin zur Nutzung spezialisierter Softwarelösungen – kann eine deutliche Verbesserung der Cybersicherheit erreicht werden.
Hilfreiche Instrumente wie die BSI-Broschüre „Cybersicherheit für KMU“ und Services wie die Softwarerecherche von SoftGuide unterstützen KMU dabei, geeignete Lösungen zu finden. Durch eine Kombination aus technischen Maßnahmen, kontinuierlichem Sicherheitsbewusstsein und professioneller Beratung können KMU ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberangriffen erheblich steigern. Dies erfordert zwar anfänglich Investitionen, doch die langfristigen Vorteile – insbesondere der Schutz vor Betriebsunterbrechungen und finanziellen Verlusten – überwiegen deutlich.
Dr. Ute Burghardi ist promovierte Naturwissenschaftlerin und seit über 20 Jahren in der IT-Branche tätig. Sie verantwortet bei SoftGuide den Content zu aktuellen Softwarethemen und recherchiert für einen Leitfaden zur Auswahl betrieblicher Software. Außerdem unterstützt sie das Rechercheteam bei der Evaluation von Softwareprojekten.