Laut einer neuen Umfrage von Sophos zur Cybersicherheit von OT-Systemen in der Industrie pflegt die große Mehrheit der Unternehmen zwar aktiv ihre OT-Systeme, allerdings sind diese bei der Hälfte fünf bis zehn Jahre alt. Jeder zweite Betrieb setzt daher auf Schwachstellen-Analysen und Penetrationstests.
Die Steuerungssysteme in deutschen Produktionshallen sind echte Langstreckenläufer. Bei knapp der Hälfte aller 211 befragten Unternehmen (48,8 Prozent) sind die kritischen OT-Systeme bereits fünf bis zehn Jahre im Einsatz. In Betrieben mit 250 bis 999 Mitarbeitern ist es sogar etwas mehr als die Hälfte. Noch älter – über zehn Jahre – sind die Systeme bei 11,4 Prozent der Befragten. Ihre mechanische Zuverlässigkeit ist ein Qualitätsmerkmal, aus Sicht der Cybersicherheit jedoch ein wachsendes Problem.
Michael Veit, Security-Experte bei Sophos, kommentiert: „Produktionssysteme sind robust gebaut und laufen oft jahrzehntelang zuverlässig. Doch gerade diese Langlebigkeit bringt in Zeiten wachsender Cybergefahren auch Risiken mit sich. Was damals als isolierte Anlage konzipiert wurde, ist heute oft vernetzt und damit angreifbar.“
OT-Systeme: Gewissenhaft gepflegt und trotzdem ausfallgefährdet
Die meisten Betriebe kümmern sich aktiv um die Pflege ihrer OT-Systeme. 82,5 Prozent führen regelmäßige Updates durch, um Schwachstellen zu schließen und die Anlagen am Laufen zu halten. Nur ein verschwindend kleiner Anteil von 0,5 Prozent verzichtet komplett darauf. Diese wichtige Routine bleibt jedoch nicht ohne Nebenwirkungen: Bei mehr als drei Viertel der Befragten führten Software- oder Sicherheitsupdates in den letzten drei Jahren zu ungeplanten Produktionsausfällen.
Jedes vierte Unternehmen (24,6 Prozent) erlebte sogar mehrfache Stillstände, weitere 52,6 Prozent bestätigten zumindest vereinzelte Unterbrechungen. Der Grund: In der Fertigung greifen viele Systeme millimetergenau ineinander. Schon kleine Softwareänderungen können dazu führen, dass Schnittstellen nicht mehr reibungslos funktionieren, Abläufe ins Stocken geraten oder Maschinen kurzzeitig stillstehen. Damit zeigt sich ein zentrales Dilemma: Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit können die Verfügbarkeit gefährden.
Top-Strategien: White Hacker, Backups und Schulungen
Um sich gegen Cyberangriffe und technische Ausfälle zu wappnen, setzen die Unternehmen auf verschiedene Strategien. Am häufigsten greifen sie zu professionellen Schwachstellenanalysen und Penetrationstests durch externe Sicherheitsexperten – 54 Prozent nutzen diese Dienste regelmäßig.
An zweiter Stelle stehen spezielle Backup-Strategien für Produktionssysteme (51,2 Prozent). Anders als bei Büro-IT geht es hier nicht nur um Daten, sondern auch um System-konfigurationen und Maschinenparameter. Auf Platz drei folgen gezielte Mitarbeiterschulungen (46,4 Prozent); ein wichtiger Baustein, da viele Vorfälle durch menschliche Fehler entstehen, sei es ein unsicherer USB-Stick oder ein unbedacht geöffneter E-Mail-Anhang.
Interne und externe technische Lösungen
Zusätzlich setzen 38,9 Prozent der Betriebe auf Sicherheitszentren (SOC/SIEM), die Systemaktivitäten kontinuierlich überwachen und bei Unregelmäßigkeiten Alarm schlagen. 37 Prozent haben ihre Netzwerke segmentiert, sodass kritische Produktionsbereiche vom restlichen Unternehmensnetz getrennt sind. Auf diese Weise lässt sich verhindern, dass Angreifer aus dem Firmennetzwerk in die Fertigung gelangen.Externe Unterstützung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: 37,9 Prozent der Unternehmen lassen sich beim Schutz ihrer Systeme von spezialisierten Dienstleistern unterstützen. Knapp ein Drittel probt zudem regelmäßig den Ernstfall mit Notfallübungen.
Eine früher oft übersehene Schwachstelle haben viele Unternehmen inzwischen erkannt: ihre Partner in der Lieferkette. Mehr als die Hälfte der Befragten (57,3 Prozent) hat mittlerweile vertragliche Anforderungen zur Cybersicherheit an Zulieferer formuliert, ein Drittel zumindest teilweise. 8,5 Prozent planen entsprechende Vereinbarungen.
Dem Prinzip „Verträge sind gut, Kontrollen sind besser“ folgen knapp zwei Drittel (64,9 Prozent) der Unternehmen. Sie prüfen die IT-Sicherheit ihrer Lieferanten regelmäßig, weitere 19,4 Prozent zumindest gelegentlich. Allerdings verzichten 12,3 Prozent vollständig auf solche Prüfungen – und öffnen damit potenziell Angreifern die Tür.
Modernisierung der OT-Systeme bleibt unvermeidlich
Michael Veit ist Security-Experte bei Sophos.
(Bild: Sophos)
„Langfristig führt kein Weg an der Modernisierung der Produktionslandschaft vorbei. Entscheidend ist, dass Unternehmen den technischen Ist-Zustand kennen und Sicherheitsroutinen konsequent umsetzen. Wer hier vorausschauend plant und schrittweise modernisiert, kann seine Fertigung langfristig gegen moderne Bedrohungen absichern, ohne dabei die Stabilität zu opfern, die deutsche Produktionsqualität ausmacht“, betont Michael Veit. Sophos empfiehlt fünf Maßnahmen für mehr Cybersicherheit in der Produktion:
Stand: 16.12.2025
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Regelmäßige Updates: Sie schließen Sicherheitslücken und sind ein unverzichtbarer Baustein, auch wenn sie manchmal störanfällig sind.
Backup-Strategie etablieren: Produktionsdaten und Maschinenparameter regelmäßig sichern – am besten getrennt vom Produktionsnetzwerk.
Mitarbeiter schulen: Viele Angriffe beginnen beim Menschen. Schulungen sensibilisieren für die wichtigsten Gefahrenquellen.
Prüfung der Lieferkette: Zulieferer sind Teil des eigenen Sicherheitsnetzes. Verträge und regelmäßige Kontrollen schaffen Verlässlichkeit.
Verzahnung von IT und Produktion: Sicherheit gelingt nur gemeinsam. Regelmäßige Abstimmungen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen.
Die Befragung wurde im Juli und August 2025 von techconsult im Auftrag von Sophos durchgeführt. Befragt wurden 211 Produktionsbetriebe in Deutschland.