Die Zwischenbilanz zur Digitalpolitik nach knapp einem Jahr Bundesregierung fällt durchwachsen aus: Mit dem Digitalpuls bewertet der eco-Verband digitalpolitische Vorhaben entlang von sechs Handlungsfeldern. Demnach fehlt es der deutschen Digitalpolitik trotz erster Fortschritte an Durchschlagskraft.
Umfrage des eco-Verbands: 22,5 Prozent der befragten IT-Entscheider bewerten die Digitalpolitik mit „mangelhaft“, 29 Prozent mit „ungenügend“.
Bürokratie und regulatorische Komplexität werden mit Abstand als die größten Innovationshemmnisse für die Wirtschaft betrachtet.
Projekte der Digitalpolitik: Von 22 bewerteten Vorhaben erhalten sechs grünes Licht, jeweils acht werden mit Gelb und Rot bewertet.
Knapp ein Jahr nach Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung zieht eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. mit dem eco Digitalpuls eine erste Zwischenbilanz der Digitalpolitik in Deutschland. Das Ergebnis zeigt: Trotz erster Fortschritte fehlt es der Digitalpolitik der Bundesregierung weiterhin an Durchschlagskraft. So würden viele Maßnahmen im Ansatz stecken bleiben und noch nicht die notwendige Wirkung in der Breite entfalten.
Die Analyse des eco bewertet zentrale digitalpolitische Vorhaben anhand eines Ampelsystems entlang von sechs Handlungsfeldern: Digitaler Staat, Cybersicherheit, KI-Standort Deutschland, das Ökosystem digitaler Infrastrukturen, Vertrauen ins Netz und die Bekämpfung illegaler Inhalte und Jugendmedienschutz.
Das Gesamtbild fällt durchwachsen aus: Von 22 bewerteten Vorhaben erhalten sechs grünes Licht, jeweils acht werden vom Verband mit Gelb und Rot bewertet. Zwar wurden in vielen Bereichen Maßnahmen angestoßen – etwa beim Deutschland-Stack, bei digitalen Identitäten oder der Umsetzung europäischer Vorgaben. Insgesamt bleibt die Umsetzung vieler Koalitionsvorhaben jedoch vielfach hinter den eigenen Ambitionen zurück.
Branche stellt Digitalpolitik ein schlechtes Zeugnis aus
Auch die Einschätzung der IT-Branche fällt kritisch aus. Im Rahmen des eco Branchenpuls, einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey unter IT-Entscheider in Deutschland, bewertet eine Mehrheit die aktuelle Digitalpolitik negativ. Über die Hälfte der Befragten vergibt die Noten „mangelhaft“ (22,5 Prozent) oder „ungenügend“ (29,4 Prozent). Gute Bewertungen bleiben mit 5,2 Prozent die klare Ausnahme. Auch die Auswirkungen auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit werden von den Entscheidern überwiegend kritisch gesehen: 36,9 Prozent bewerten sie negativ, nur 13,9 Prozent positiv.
Oliver J. Süme ist Vorstandsvorsitzender des eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.
(Bild: eco - Verband der Internetwirtschaft e.V.)
Oliver J. Süme, Vorstandsvorsitzender des eco – Verband der Internetwirtschaft e.V., erklärt: „Die Bundesregierung bleibt in der Digitalpolitik bislang zu oft im Ankündigungsmodus stecken – das spiegelt sich auch im Urteil der Branche wider. Wenn über die Hälfte der IT-Entscheider die Politik mit mangelhaft oder ungenügend bewertet, ist das ein klarer Weckruf. Was es jetzt braucht, weniger Zuständigkeitswirrwarr und mehr Umsetzung: schnellere Genehmigungen, weniger Doppelregulierung und spürbare Entlastungen bei Bürokratie und Energiekosten. Wir als Internetwirtschaft stehen bereit, diesen Weg konstruktiv mitzugestalten – erwarten aber einen verbindlichen und lösungsorientierten Dialog.“
Bürokratie bleibt mit Abstand größter Bremsfaktor
Die Ergebnisse des eco Branchenpuls unterstreichen die zentrale Rolle regulatorischer Hürden noch deutlicher: 74,9 Prozent der IT-Entscheider sehen Bürokratie als größte Herausforderung der deutschen Digitalpolitik. Damit liegt dieser Faktor mit großem Abstand vor allen anderen Themenfeldern.
Auf den weiteren Plätzen folgen vor allem strukturelle und regulatorische Aspekte: IT-Sicherheit und Compliance (38,3 Prozent), Stromkosten und Netzinfrastruktur (38,0 Prozent) sowie Genehmigungs- und Planungsverfahren (36,0 Prozent). Die Ergebnisse zeigen, dass neben Bürokratie insbesondere regulatorische Anforderungen und klassische Standortfaktoren als zentrale Belastungen wahrgenommen werden.
Oliver Süme betont: „Die größten Bremsfaktoren sind nicht technologischer Natur, sondern politisch-administrativ. Komplexe Verfahren, unklare Vorgaben, Doppelregulierungen und zu viel Bürokratie behindern Innovation und Investitionen derzeit massiv.“
Digitalpolitik: Klare Prioritäten und weniger Regulierung
In der Gesamtbetrachtung ergibt sich nach einem Jahr Bundesregierung noch kein konsistentes Bild von innovationsfördernden Rahmenbedingungen für die Digitalbranche. Positive Ansätze sind vorhanden, werden jedoch von strukturellen Defiziten und immer neuen EU-Vorgaben oftmals überlagert oder sogar konterkariert.
„Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt hat das Potenzial, ein führender Digitalstandort zu sein – aber dafür braucht es jetzt klare politische Signale: weniger Doppelregulierung, mehr Vertrauen in die Innovationskraft der Digitalwirtschaft und spürbare Bürokratieentlastungen für Unternehmen “, ist Süme überzeugt.
Das Meinungsforschungsinstitut Civey hat für den eco-Verband vom 20. März bis 6. April 2026 online 500 IT-Entscheider befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 9,6 bis 10,6 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis. Mit rund 1.000 Mitgliedsunternehmen ist der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. der führende Verband der Internetwirtschaft in Europa. Seit 1995 gestaltet eco das Internet, fördert neue Technologien, schafft Rahmenbedingungen und vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik und in internationalen Gremien.
Stand: 16.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die WIN-Verlag GmbH & Co. KG, Chiemgaustraße 148, 81549 München einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://kontakt.vogel.de/de/win abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.