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Datenschutz: Unternehmen müssen soziale Verantwortung weiter denken

Verantwortlicher Redakteur:in: Heiner Sieger 6 min Lesedauer

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Um Datenmissbrauch zu verhindern, muss Datenschutz Teil des Geschäftsethos und Ausgangspunkt des Handelns werden. Dazu ist es notwendig, dass Unternehmen soziale Verantwortung weiter denken. Wie Datenschutz zu einem nachhaltigen Entwicklungsziel wird, erläutert Gastautorin Lauren Wetzel von InfoSum.

(Quelle:  kaptn - Adobe Stock)
(Quelle: kaptn - Adobe Stock)

Früher war nicht alles besser. Früher zählten für etliche Unternehmen nur Umsatz, Wachstum und Einfluss – das hat sich glücklicherweise geändert. Für viele Unternehmen ist die Steigerung des Shareholder Value nicht mehr das einzige Unternehmensziel – sie verfolgen nicht mehr nur wirtschaftliche, sondern auch umweltbezogene und soziale Ziele. Diese stellen sicher, dass ein Unternehmen all seinen Stakeholdern und der Umwelt nicht schadet, sondern einen Mehrwert für sie schafft. Hierbei sollten Unternehmen Datenschutz als ein nachhaltiges Entwicklungsziel verstehen.

Nach wie vor sind Kontrollsysteme nötig, um zu verhindern, dass hinter den Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen lediglich Greenwashing steckt. Aber inzwischen ist vielen Entscheider klar geworden: Die Einhaltung der Grundsätze einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung eröffnet zunehmend Geschäftsmöglichkeiten. Im Jahr 2021 wurden mehr als 18 Billionen US-Dollar in Unternehmen investiert, die diesen Prinzipien folgen. Bis 2026 soll dieser Betrag um 84 Prozent auf knapp 34 Billionen US-Dollar ansteigen.

Finanzielle und immaterielle Schäden durch Datenmissbrauch

Dennoch sind wir erneut an einem Punkt angelangt, den wir bereits von früher kennen. Als in den 80er Jahren die damalige Bundesregierung die Einführung des Katalysators beschloss, stieß das weder bei den Autoherstellern noch bei der Kundschaft auf Begeisterung. Ähnlich erging es in den letzten Jahren vielen Digitalunternehmen nach dem Beschluss gesetzlicher Verordnungen über das Sammeln, Speichern und Teilen von Daten. Und nach der Einführung von erweiterten Datenschutzmaßnahmen durch Technologiekonzerne. Diese haben wiederum Auswirkungen auf die Wahrnehmung und Erwartungshaltung der Kundinnen und Kunden.

Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen

Die neuen Vorschriften und Maßnahmen haben viele Unternehmen vor große neue Herausforderungen gestellt, denen sie sich aber stellen müssen  – ob sie wollen oder nicht. Unklarheit und fehlendes Wissen über Datenschutztechnologien kann zu neuen Datenmissbrauchs-Skandalen führen, wie wir sie heute immer wieder im Markt sehen. Diese haben zum einen gravierende, direkt messbare finanzielle Folgen für alle Beteiligten eines Unternehmens. Demnach beliefen sich die durchschnittlichen Kosten einer Datenschutzverletzung im Jahr 2022 auf mehr als vier Millionen US-Dollar. So viel wie nie zuvor. Zum anderen geht ein Datenleck mit erheblichen Reputations- und Vertrauensverlusten einher, die zwar deutlich schwerer zu beziffern sind. Aber einem Unternehmen durch mittel- und langfristige Umsatzeinbußen einen noch weitaus höheren finanziellen Schaden zufügen können.

Unternehmen und vor allem die verantwortlichen Entscheidungsträger müssen anfangen, Datenschutz noch stärker zu priorisieren und vor allem auch als eine strategische Notwendigkeit und Chance zu verstehen. Jedes Unternehmen, das von seinen Kund:innen Daten anvertraut bekommt, muss es sich zum Ziel machen, diese so umfassend wie irgend möglich zu schützen. Grund dafür sind drei zentrale Entwicklungen in der Datenschutzlandschaft.

Warum Datenschutz immer wichtiger wird

Erstens werden bestehende und neue Gesetze bis 2024 dafür sorgen, dass die persönlichen Daten von drei Vierteln der Weltbevölkerung unter moderne Datenschutzbestimmungen fallen, so eine Prognose von Gartner. Zweitens sind sich die Verbraucher zunehmend bewusst, wie Unternehmen ihre Daten erfassen, speichern und verwenden. Mehr als zwei Drittel der Konsument:innen sind sich (abstrakt) über den Wert bewusst, den Unternehmen aus ihren Daten ziehen, und achten nun verstärkt auf ihre Online-Daten. Dieses gesteigerte Bewusstsein führt auch zu höheren Kundenerwartungen an den Datenschutz, denen Unternehmen jetzt gerecht werden müssen.

Drittens treiben wichtige Entscheidungen einiger der größten Technologieunternehmen und Plattformen den Datenschutz voran. Im Rahmen der Einführung von Transparenzfunktionen für das App-Tracking bezeichnete Apple-CEO Tim Cook das Schwinden der Privatsphäre als eine der größten Herausforderungen des Jahrhunderts. Ein Jahr später kündigte auch Google an, das Tracking von Android-Nutzer:innen stärker einzuschränken. Das zeigt: Unternehmen können nicht immer auf jemanden warten, der sie aktiv dazu zwingt, Datenschutz endlich in den Vordergrund zu rücken. Stattdessen müssen sie selbst den Weg vorgeben. Nicht nur aufgrund politischer Entscheidungen und weil das Datenschutzbewusstsein der Verbraucher steigt, sondern auch, weil es für sie eine große Chance darstellen kann.

Hohe Geldstrafen sollten entsprechend nicht (nur) der Motivationsfaktor für die Umsetzung von Datenschutzmaßnahmen sein. Stattdessen sollten diese Maßnahmen von echtem Respekt für die Verbraucher:innen und dem Wunsch getragen sein, das Richtige zu tun. Damit das gelingt, müssen Unternehmen Datenschutz sowohl als wirtschaftliche Chance wie gerade auch als Teil ihrer sozialen Verantwortung begreifen.

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Datenschutz als Teil der sozialen Nachhaltigkeit

Wenn nachhaltige Entwicklung bedeutet, dass Unternehmen ihren Kund:innen, Mitarbeiter:innen, der Gesellschaft und der Umwelt gegenüber einen Mehrwert schaffen, dann ist der Einbezug von Datenschutz und einem umfassenden Verständnis von Privatsphäre in die nachhaltigen Entwicklungsprinzipien nur der nächste logische Schritt, um den Anforderungen unserer digitalen Gesellschaft gerecht zu werden. Die Art und Weise, wie Organisationen jeder Größe Daten speichern, nutzen und weitergeben, muss mit dieser Form der sozialen Verantwortung in Einklang gebracht werden. Datenschutz muss ein Teil des Geschäftsethos werden um zukünftige Datenmissbräuche zu verhindern. Und unternehmerische Chancen zu erkennen, dies schließt sich keineswegs aus.

Gute Absichten sind das eine, aber es bedarf auch konkreter Maßnahmen in Bezug auf die Art und Weise, wie Daten gespeichert und verwendet werden. Viel zu lange haben sich Branchen wie das Online-Marketing auf Praktiken verlassen, die mit dem Datenschutz nicht vereinbar sind. Die Weitergabe von Kundendaten an ein riesiges Ökosystem von Drittanbietern ist dort üblich geworden, weil man glaubte, nur so einen Nutzen aus diesen Daten ziehen zu können. Die Vorstellung, dass sich personalisierte Online-Werbung und der Schutz von Kundendaten gegenseitig ausschließen, ist jedoch überholt. Längst existieren Technologien, die es ermöglichen, relevante Werbung und Inhalte zu liefern, ohne dabei die Privatsphäre der Kund:innen zu gefährden.

Datenschutz-Richtlinien in der Werbebranche

Die Werbebranche, aber auch andere Branchen, sollten sich auf zentrale Richtlinien für einen angemessenen Umgang mit Kundendaten einigen. Folgende Grundsätze wären denkbar:

  • Die Konsument:innen wissen, was sie als Gegenleistung für die freiwillige Weitergabe ihrer Daten erhalten.

  • Unternehmen sammeln, speichern und nutzen nur die Daten, die sie benötigen, um den Verbraucher:innen ein gutes Kundenerlebnis zu bieten.

  • Unternehmen arbeiten zusammen, ohne Daten zu teilen. Verbraucher:innen wissen, dass ihre Daten nicht an andere Unternehmen weitergegeben werden.

  • Unternehmen optimieren kontinuierlich die Art und Weise, wie sie Daten sammeln und mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten.

Datenschutz als Chance für Unternehmen

In vielerlei Hinsicht leben wir heute in einer besseren Welt als früher. Das liegt auch daran, dass immer mehr Unternehmen nachhaltige Entwicklungsziele in ihre Unternehmensstrategie integrieren. Doch um den Anforderungen der digitalen Gesellschaft gerecht zu werden, muss sich das Verständnis von nachhaltigem Wirtschaften ständig weiterentwickeln. In Zeiten regelmäßiger Datenmissbrauchsskandale sollten Unternehmen den Schutz von Daten und Privatsphäre als Teil ihrer sozialen Verantwortung begreifen – und entsprechende Maßnahmen ergreifen, um diese Daten um jeden Preis zu schützen.

Unternehmen, die das tun und Datenschutzbestimmungen nicht nur einhalten, weil sie gesetzlich dazu verpflichtet sind, werden auf lange Sicht erfolgreicher sein. Denn die Integration von Datenschutz und Privatsphäre ist für Unternehmen eine Chance und kein Hindernis. Das Risiko eines Reputations- und Vertrauensverlustes sinkt, während sich die Einhaltung der Datenschutzvorschriften verbessert und sich neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Das ist jedoch zweitrangig im Vergleich zu dem primären Ziel, das Richtige zu tun. Integrieren wir also Datenschutz in den Geschäftsethos – es ist höchste Zeit.

(Lauren Wetzel ist Chief Operating Officer bei InfoSum. (Bild: InfoSum))
(Lauren Wetzel ist Chief Operating Officer bei InfoSum. (Bild: InfoSum))

Über die Autorin: Lauren Wetzel ist als Chief Operating Officer bei InfoSum für die Teams der Bereiche Marketing, Strategie, Operations und People Management verantwortlich. Darüber hinaus verantwortet sie den Aufbau und das Management des Business Developments und der Channel-Partnerschaften. Bevor sie zu InfoSum kam, war Lauren Wetzel als SVP Strategy and Corporate Development bei dem AT&T-Werbeunternehmen Xandr. Bei Deloitte war sie als Engagement Manager Strategy im Bereich Media und Entertainment tätig.

InfoSum ist Anbieter einer Data-Collaboration-Plattform und einer sicheren Data-Clean-Room-Infrastruktur, mit der Unternehmen weltweit ihre First-Party-Daten in großem Umfang sicher nutzen können, um bessere Kundenerlebnisse zu schaffen. Die Lösung ermöglicht Multi-Party-Berechnungen und -Analysen über eine unbegrenzte Anzahl von Datensätzen. So können Unternehmen das Potenzial von Kundendaten ohne das Risiko von Datenlecks oder -missbrauch erschließen. (sg)

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