Die aktuelle Debatte um digitale Souveränität wird von Warnungen vor übermäßiger Abhängigkeit von Hyperscalern, Forderungen nach Datenlokalisierung und Compliance-Vorgaben geprägt. Datensouveränität ist jedoch keine „Entweder-oder“-Frage ist, sondern ein Spektrum: Wie Unternehmen die richtige Balance zwischen Kontrolle, Compliance und Innovation finden.
Datensouveränität als Spektrum: Die Debatte um digitale Souveränität geht auch um die Balance zwischen Kontrolle, Compliance und Innovation. Unternehmen müssen verstehen, dass Datensouveränität kein „Entweder-oder“-Ansatz ist, sondern ein Spektrum, das verschiedene Abstufungen bietet, um sicher und agil zu agieren.
Hybride Ansätze für Compliance und Flexibilität: Angesichts strenger regulatorischer Anforderungen benötigen Unternehmen, insbesondere in sensiblen Branchen, hybride Modelle. Diese kombinieren lokale Datenspeicherung für sensible Informationen mit der Nutzung der Cloud für weniger kritische Daten, um Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten.
Fortlaufender Governance-Prozess: Datensouveränität erfordert einen kontinuierlichen Governance-Prozess, da sich Vorschriften und geschäftliche Anforderungen ändern können. Unternehmen müssen ihre Strategien regelmäßig überprüfen und anpassen, um wettbewerbsfähig und resilient gegenüber Regularien und Herausforderungen zu bleiben.
Zur Frage der Datensouveränität hat sich im Laufe der letzten Monate eine kontinuierliche politische Diskussion entwickelt. Zwar macht Europa mit dem EU Data Act, der im September 2025 vollständig in Kraft getreten ist, einen wichtigen Schritt zur Regulierung des digitalen Binnenmarktes. Gleichzeitig sind jedoch 90 Prozent der Unternehmen hierzulande auf Digitalimporte angewiesen und könnten ohne sie nur schwer oder gar nicht überleben. Experten warnen regelmäßig davor, wie stark sich europäische Organisationen und Unternehmen von ausländischen Cloud-Anbietern abhängig machen.
Verständnis für alle Facetten von Datensouveränität
Während einige Szenarien in dieser Debatte noch rein theoretisch durchgespielt werden, sind die möglichen Folgen für Führungskräfte im Tagesgeschäft bereits allgegenwärtig. Jede Entscheidung darüber, wo Daten gespeichert werden, wer sie verwaltet und wie sie geschützt werden, kann nun finanzielle, rechtliche und rufschädigende Konsequenzen haben. Darum ist es essenziell, alle Facetten von Datensouveränität von Grund auf zu verstehen. Schwarz-Weiß-Denken ist bei diesem Thema noch weit verbreitet: Entweder werden Daten in einer festungsartigen Einrichtung gespeichert, die von der Außenwelt abgeschottet ist. Oder sie fließen frei in der Public Cloud, oft auch als Fachbereichsinitiativen mit den entsprechenden Konsequenzen, Stichwort „Schatten-IT“.
Die Realität ist jedoch deutlich vielschichtiger. Datensouveränität ist ein Spektrum, und Unternehmen sollten sich die Mühe machen, ihren Platz darauf zu finden: eine Regelung, die ausreichend Sicherheit und Kontrolle bietet und ihnen gleichzeitig genügend Agilität und Flexibilität für Innovationen lässt. Wenn diese Faktoren berücksichtigt werden, können Unternehmen kosteneffizient und agil agieren und sich trotzdem effektiv vor regulatorischen Risiken und Betriebsstörungen schützen.
Das Spektrum der Datensouveränität
An einem Ende des Spektrums befinden sich vollständig souveräne Datenspeicher, die oft als „Dark Sites“ bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um On-Premises-Systeme, die in sich geschlossen und vom Internet und der Außenwelt abgeschottet sind. Solche Einrichtungen sind für bestimmte Einheiten des Militärs, Geheimdienste und einige wenige Regierungsbereiche unverzichtbar. Oft ist es streng reglementiert, wer in solchen Räumlichkeiten arbeiten darf und unter welchen Bedingungen, um das höchstmögliche Level an Sicherheit und Kontrolle zu gewährleisten.
Manch einer mag sich fragen: Sollten nicht alle Organisationen die maximale Kontrolle über ihre Daten und Infrastruktur behalten? Im Alltag wären solche Maßnahmen für die allermeisten Unternehmen jedoch übertrieben. Ein so hohes Maß an Datensouveränität macht Systeme sehr starr und teuer in der Wartung. Es mindert die Agilität von Organisationen und würde ihnen die Vorteile der Cloud-Technologie verwehren, die sie möglicherweise für ihre Skalierung und Flexibilität benötigen.
Spagat zwischen Kontrolle und Flexibilität
In einigen Branchen müssen Unternehmen genau diesen Spagat zwischen Kontrolle und Flexibilität meistern, beispielsweise Banken, Versicherungen, Gesundheitsdienstleister und Energieunternehmen. Die Aufsichtsbehörden erlegen ihnen strenge Auflagen über bestimmte Arten von Informationen auf. Sicherheit und Kontrolle sind daher wichtig für diese Unternehmen. Gleichzeitig müssen sie sich aber möglichst kundenfreundlich aufstellen. Sie benötigen daher mehr Flexibilität in ihren Systemen und sind stark auf Konnektivität, Zusammenarbeit und Geschwindigkeit angewiesen. Daher haben viele von ihnen hybride Modelle eingeführt, bei denen sie ihre sensibelsten Daten, etwa Patientenakten und Finanzdaten, lokal speichern, während sie für weniger kritische Workloads die Skalierbarkeit und Effizienz der Cloud nutzen.
Die richtige Balance lässt sich am Beispiel einer globalen Bank mit Kunden in Europa, Nordamerika und Asien erklären: Die Aufsichtsbehörden verlangen in den einzelnen Regionen unterschiedliche Vorschriften für die Speicherung und Verarbeitung personenbezogener Daten. Eine zu starke Zentralisierung würde gegen die Compliance-Vorschriften verstoßen, eine zu starke Lokalisierung würde jedoch die Effizienz beeinträchtigen. Das „richtige Maß“ an Souveränität bietet daher ein Hybridmodell: Sensible Daten wie Kundenkontodaten bleiben innerhalb der Landesgrenzen, während weniger kritische Analyse-Workloads zu Gunsten der Geschwindigkeit und Skalierbarkeit in der Cloud ausgeführt werden.
Stand: 16.12.2025
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