Datensouveränität: So viel wie nötig, so wenig wie möglich
Die Balance zwischen Kontrolle, Compliance und Innovation hängt von drei Faktoren ab: Regulatorische Verpflichtungen schreiben vor, wo Daten gespeichert werden dürfen und wie sie verarbeitet werden müssen, wobei oft wenig Spielraum für Kompromisse bleibt. Leistungsanforderungen können Nähe und geringe Latenz erfordern, insbesondere in Branchen wie dem Finanzwesen oder der industriellen Automatisierung.
Abhängigkeit von Anbietern: Die Konzentration kritischer Workloads auf einen einzigen Hyperscaler kann den Betrieb vereinfachen und eine bequeme kurzfristige Option sein. Diese Anbieter sind wertvolle Technologiepartner, unterliegen jedoch auch den Gesetzen und dem Druck der Gerichtsbarkeiten, in denen sie ihren Hauptsitz haben. Eine übermäßige Abhängigkeit von ihnen kann strategische Risiken mit sich bringen, etwa wenn sich, wie momentan, die geopolitische Situation ändert. Wenn beispielsweise ein Hyperscaler gezwungen ist, Kundendaten auf Anfrage seiner Regierung zur Verfügung zu stellen, wird diese Angelegenheit vermutlich nicht mehr in der IT, sondern vom Vorstand entschieden.
Unternehmen müssen diese Faktoren sorgfältig abwägen, um zu entscheiden, wie viel Souveränität sie brauchen, um handlungssicher zu sein, ohne Innovationen zu behindern oder untragbare Kosten zu verursachen. Auch Governance und die Datenarchitektur sind dabei zu berücksichtigen. Ein Unternehmen muss Klarheit darüber haben, wo sich Daten befinden, wie sie bewegt werden und wer sie auf ihrem Weg berührt. So viel Transparenz erfordert eine kontinuierliche Abbildung der Datenflüsse und die Bereitschaft, zu handeln, wenn sich etwas ändert, zum Beispiel durch neue Vorschriften oder sich ändernde Geschäftsprioritäten.
Berücksichtigung von Vorschriften zu Datenschutz und Speicherort
Damit die Daten-Compliance gewährt ist, müssen bei Datenschutz, Sicherheit und Speicherort sowohl die lokalen als auch die globalen Vorschriften berücksichtigt werden. Internationale Unternehmen müssen nachweisen, dass sie die Anforderungen jeder Gerichtsbarkeit erfüllen können, in der sie aktiv sind, von der DSGVO in Europa bis hin zu branchenspezifischen Vorschriften in den Vereinigten Staaten oder Asien. Dabei können sich die Vorschriften zum Speicherort von Daten jederzeit weiterentwickeln und die Bedeutung von „souverän“ kann sich grundlegend verändern.
Eine Dateninfrastruktur, die zu einem späteren Zeitpunkt neu konfiguriert werden kann, macht die datenbezogenen Prozesse eines Unternehmens zukunftssicher. Schließlich muss die Souveränität über den gesamten Lebenszyklus der Daten hinweg verwaltet werden. Erstellung, Nutzung, Speicherung und Löschung sind Teil ein und derselben Verantwortungskette. Denn nur wenn Systeme Daten sicher löschen können, sobald diese nicht mehr benötigt werden, sind sie wirklich souverän.
Regeln einhalten und Wachstum ermöglichen
Die Entscheidung darüber, wie die Datensouveränität in einem Unternehmen gehandhabt werden können, wirkt sich stark auf seine Wettbewerbsfähigkeit aus: Übermäßige Vorsicht kann die Geschäftsabläufe erschweren und geradezu lähmend wirken. Zu viel Unbedarftheit hingegen kann große regulatorische und sicherheitstechnische Risiken mit sich bringen. Wer jedoch sein ideales Level an Souveränität erreicht hat, kann sich flexibel an neue Technologien anpassen, ohne dass die Vertrauenswürdigkeit gegenüber Kunden und Partnern darunter leidet.
Datensouveränität ist weder statisch noch ein Schalter, den man umlegen kann. Vorschriften ändern sich, Cyber-Bedrohungen entwickeln sich weiter und geschäftliche Prioritäten verschieben sich. Was heute als Grenzwert für ausreichend Souveränität gilt, kann morgen schon unzureichend sein. Aus diesem Grund sollte Souveränität als ein fortlaufender Governance-Prozess behandelt werden. Sie muss regelmäßig überprüft und sich anpassen lassen.
Unternehmen müssen auch beachten, dass Souveränität längst kein reich technisches Anliegen mehr ist. Die Entscheidungen in diesem Bereich bestimmen, wie widerstandsfähig ein Unternehmen gegenüber regulatorischen Änderungen und Marktstörungen ist. Zudem beeinflussen sie direkt die Wettbewerbsfähigkeit sowie die Wachstumschancen eines Unternehmens. Die binäre Sichtweise auf Souveränität ist überholt. Die Zukunft liegt darin, das Spektrum zu verstehen und die richtige Balance zu finden.
Stand: 16.12.2025
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Begoña Jara ist Vice President und General Manager bei NetApp, Anbieter einer Unified-Infrastruktur für das Datenmanagement.