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Digitale Gesundheitsanwendungen Der Weg zur Anerkennung

Von Andy Bosch 4 min Lesedauer

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Bei der Entwicklung digitaler Gesundheitsanwendungen lohnt es sich, Inhalte an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen. Motivierende Texte, Medical Storytelling, Gamification und die Möglichkeit eines Austausches mit Gleichgesinnten motivieren Patienten, am Ball zu bleiben.

(Bild:  Sanero Medical)
(Bild: Sanero Medical)

Das neue Digital-Gesetz stellt Weichen bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Themen wie das eRezept oder die elektronische Patientenakte rücken stärker in den Fokus. Das neue Gesundheitsdatennutzungsgesetz ermöglicht zudem eine bessere Verwendung der Daten zu Forschungszwecken. Im Zentrum dieser Entwicklungen stehen DiGA (digitale Gesundheitsanwendungen), die per se in der digitalen Welt zu Hause sind. 

Doch welche Faktoren zählen bei Entwicklung und Einsatz dieser Apps, welche bringen Erfolge für Hersteller und Patienten?
 Lange Zeit behandelte Deutschland die Digitalisierung im Gesundheitswesen stiefmütterlich. Seit Einführung des Digitalen Versorgungsgesetzes 2019 können Ärzte und Psychotherapeuten evidenzbasierte, medizinische Apps auf Rezept verordnen. So fand erstmalig eine komplett digitale Therapieform als App den Weg in die Regelversorgung. Seit vier Jahren erfreuen sich DiGA wachsender Beliebtheit. Die zunächst zögerliche, jedoch stetig steigende Akzeptanz der Apps bei Ärzten hängt sicherlich mit der wachsenden Zahl großer klinischer Studien zusammen, die einen positiven Versorgungseffekt eindrücklich darlegen. Patienten waren schon früher stärker gegenüber Apps aufgeschlossen. Insbesondere Programme im Gesundheitsumfeld – Sport, Bewegung, Stress – haben Erfolgsgeschichten geschrieben. 

Allerdings waren die Apps bislang dem Lifestyle zugeordnet, harte Kriterien für eine klinische Beurteilung der Wirksamkeit lagen keine vor.
 Dies hat sich mit den DiGA gewandelt. Entsprechend steigt das Interesse der Anbieter von Gesundheitssoftware, sich zu engagieren und auf den Zug der Digitalisierung im Gesundheitswesen aufzuspringen. Doch wo es Chancen gibt, existieren eben auch Risiken. So gibt es bereits in der sehr jungen Geschichte der Digitalen Gesundheitsanwendungen Hersteller, die aus unterschiedlichen Gründen den Geschäftsbetrieb einstellten oder insolvent gingen. Was sind also die Erfolgsfaktoren, um als Hersteller ein wirkungsvolles, nachhaltiges Produkt auf den Markt zu bringen und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu sein?

DiGA-Erfolgsfaktoren bei Ärzten und Psychotherapeuten

Ein wichtiger Schlüssel für den Erfolg in Fachkreisen ist eine gut funktionierende Außenkommunikation. Eine App auf Rezept kann Leitlinien-gerecht entwickelt, ansprechend gestaltet und inhaltlich sinnvoll sein, wenn sie von Fachkreisen jedoch nicht verordnet wird, ist der wirtschaftliche Betrieb nicht möglich. Für DiGA-Anbieter ist es wichtig, mit Ärzten und Psychotherapeuten in Kontakt zu treten, da sie die App an ihre Patienten verordnen. Zentrales Werkzeug bei der Kommunikation sind valide Studiendaten und Nachweise für die Wirksamkeit der Programme. Hier liegt auch einer der größten Vorteile bei der Nutzung von DiGA gegenüber der Vielzahl an Lifestyle-Apps, da DiGA als Medizinprodukt den Nachweis zu ihrer Wirksamkeit und ein umfangreiches Zulassungsverfahren durchlaufen haben. 

Diese Nachweise und Studienergebnisse sind ein relevanter Hebel, um bei Ärzten zu punkten und letztlich darzulegen, was die eigene App von Lifestyleprodukten unterscheidet und weshalb sie in einem anderen Preissegment angesiedelt ist. So haben wir zum Beispiel die Studienergebnisse unserer Nichtraucherhelden-App erst kürzlich in einem renommierten Journal veröffentlicht und konnten in einer klinischen Studie mit mehr als 600 Patienten einen signifikanten Effekt darlegen. Daraus ergibt sich eine deutliche Differenzierung gegenüber den hunderten frei erhältlicher Rauchfrei-Apps. Ärzte können auf Basis dieser Evidenz die App bedenkenlos verordnen.

Erfolgsfaktoren bei Patienten

Bei Patienten punkten DiGA mit einem übersichtlichen, leicht bedienbaren und verständlichen Programmablauf. Es empfiehlt sich, Inhalte an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen. Motivierende Texte, Medical Storytelling, Gamification und die Möglichkeit eines Austausches mit Gleichgesinnten motivieren Patienten, am Ball zu bleiben und sich mit den Inhalten des Programms auseinanderzusetzen. Somit kann neben dem Push-Effekt über die Fachkreise auch ein Pull-Effekt von Patientenseite die Verordnungszahl steigern. Die schnelle Verfügbarkeit der Programme ist für Patienten sehr relevant, dies ist bei Apps schlichtweg Usus. Daher sieht das neu formulierte Digital-Gesetz nach Verordnung einer DiGA die Zustellung eines Zugangscodes über die Krankenkasse binnen zwei Tagen vor. 

Wird die in Aussicht gestellte Verordnung gar per eRezept Realität, ist der digitale Prozess vollständig.
 In Kürze werden DiGA an die elektronische Patientenakte angebunden und gestatten perspektivisch den besseren Austausch zwischen Patienten, Ärzten und Gesundheitsakteuren. Alle wichtigen Therapiedaten der App werden, nach expliziter Freigabe durch die Patienten, künftig direkt dem Arzt zur Verfügung gestellt. Dies führt in der Praxis zu einer besseren Behandlungsmöglichkeit, da der Arzt umfangreichere Daten zur Verfügung hat. Ein weiterer Pluspunkt für Patienten, sich intensiv mit der digitalen Therapie und damit der neuen Kategorie der DiGA zu beschäftigen.

DiGA auf dem Gesundheitsmarkt

Per Gesundheitsdatennutzungsgesetz sollen Gesundheitsdaten für die Forschung erhoben werden, die dann für gemeinwohlorientierte Zwecke genutzt und ausgewertet werden können. Daraus resultierende Erkenntnisse stellen einen enormen Mehrwert für zukünftige Therapieansätze dar. DiGA sind dafür geradezu prädestiniert und entwickeln sich zu einem wichtigen Pfeiler im digitalen Gesundheitsmarkt. Dadurch gewinnen sie bei den Beteiligten Anerkennung und werden zunehmend in Gremien und Projekte eingebunden. Marktteilnehmer sollten sich daher intensiv mit neuen Schnittstellen und Möglichkeiten befassen, was dann wieder die Position von DiGA im Gesamtmarkt stärkt. 
 
Der Gesetzgeber hat Vorteile und Notwenigkeit digitaler Angebote im Gesundheitsbereich erkannt und stärkt die Rolle der DiGA in der Regelversorgung. Damit eine DiGA jedoch auch wirtschaftlich Erfolg erzielt, sind verschiedene Hürden zu meistern, angefangen von der klinischen Evidenz bis hin zur umfangreichen User Story, um so Ärzte und Patienten von der Behandlungsform zu überzeugen.

Andy Bosch
Andy Bosch ist Geschäftsführer der Sanero Medical GmbH

Bildquelle: Sanero Medical

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