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Medizinprodukt Mit nicht-invasiver Vagusnervstimulation Krankheiten behandeln 

Von Heiner Sieger 4 min Lesedauer

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Das Erlanger Unternehmen tVNS Technologies erreicht als erstes Unternehmen in Europa die Marktzulassung als zugelassenes Medizinprodukt für Vagusnervstimulation.

(Bild:  tVNS)
(Bild: tVNS)

Bei einigen Erkrankungen wie Epilepsie, Depressionen, Parkinson, Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Migräne, Tinnitus, Autismus oder Prader-Willi-Syndrom kann der Gesundheitszustand von Patienten mit rein medikamentösen und/oder Gesprächs- und Verhaltenstherapien nicht ausreichend stabilisiert oder verbessert werden. Zwei Beispiele: Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen mit über 50 Millionen betroffenen Menschen weltweit. Ca. 1/3 der Patienten gilt als pharmakoresistent, d.h. medikamentöse Therapien schlagen nicht an. Für dieses 1/3 der Patienten gibt es als anerkannte Therapieoptionen die Epilepsiechirurgie oder Neurostimulation bzw. Vagusnervstimulation. Bei Patienten mit schweren Depressionen, die eine angemessene Behandlung erhalten, kommt es nur bei ca. 30 Prozent zu einer vollständigen Heilung oder Remission. Patienten und Patientinnen, deren depressive Störung nicht zufriedenstellend auf eine angemessene Behandlung anspricht, leiden unter einer Depression, die als behandlungsresistente oder therapieresistente Depression (TRD) bezeichnet wird. Seit 2001 ist die Vagusnervstimulation (VNS) in der Behandlung therapieresistenter Depressionen (TRD) in Europa zugelassen. 

Was ist der Vagusnerv?

Der Vagusnerv zählt zu den sogenannten Hirnnerven. Die 12 Hirnnerven entspringen – im Gegensatz zu den Rückenmarksnerven – direkt dem Gehirn. Von dort verlaufen sie zu den unterschiedlichsten Punkten im Kopf- und Halsbereich oder, wie im Fall des Vagusnervs, sogar bis in den Rumpf. Der Vagusnerv bündelt viszeromotorische Nervenfasern, die für die Steuerung der unwillkürlichen Muskulatur, beispielsweise im Herzen oder Kehlkopf, zuständig sind. Der Vagusnerv wird immer dann aktiv, wenn es den Körper zu regenerieren gilt – primär also in Phasen der Entspannung. 

Der Vagusnerv entspringt aus dem Abschnitt des Gehirns, in dem auch die Medulla oblongata liegt (das verlängerte Mark im Hirnstamm). Er durchläuft Kopf, Hals und Rumpf und verzweigt sich dabei in feinste Verästelungen. So erreicht er diverse Organe und Körperregionen, zum Beispiel Zungengrund, Haut der Ohrmuschel und des äußeren Gehörgangs, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Lunge, Herz, Speiseröhre, Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Dünndarm sowie einen Abschnitt des Dickdarms und Nieren. Vereinfacht gesprochen ist der Vagusnerv die Verbindung zwischen Gehirn und inneren Organen.

Elektrische Stimulation

Forschergruppen weltweit haben nachgewiesen, dass eine (elektrische) Stimulation des Vagusnervs positive therapeutische Wirkungen bei zahlreichen Krankheitsbildern wie u.a. Epilepsie, Depressionen, Parkinson, Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Migräne, Tinnitus, Autismus oder Prader-Willi-Syndrom hat.  Die Vagusnervstimulation, kurz VNS, ist ein neurologisches Therapieverfahren, bei dem in der Regel der linke Ast des Vagusnervs elektrisch stimuliert wird. Bei der Vagusnervstimulation wird zwischen zwei Verfahren differenziert, der invasiven (iVNS) und der nicht-invasiven (transkutanen) Stimulation (tVNS). Invasive Vagusnervstimulation (VNS) ist seit über 20 Jahren eine etablierte Methode zur Behandlung von pharmakoresistenten Epilepsien und Depressionen. 

Bis heute wurden mehr als 100.000 Implantate weltweit eingesetzt. Die invasive Vagusnervstimulation setzt eine chirurgische Operation voraus.
 Die tVNS Technologies GmbH aus Erlangen ist ein seit 20 Jahren aktives Unternehmen im Bereich der Neurostimulation. Das Unternehmen kooperiert mit wissenschaftlichen Zentren weltweit, um die Entwicklung und Verbreitung der sogenannten transkutanen Vagusnervstimulation, also der Stimulation von außen über die Haut, voranzubringen. Jetzt wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht, denn eines der Produkte des Unternehmens ist der erste und zurzeit einzige nach neuer Medizinprodukterichtlinie (MDR EU 2017/745) zertifizierte nicht-invasive Vagusnervstimulator in Europa zur Behandlung von Patienten mit Erkrankungen wie Epilepsie, Depression, Parkinson, Migräne und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sowie Autismus, Angst, Vorhofflimmern, kognitiven Beeinträchtigungen, systemischer Sklerose, Schlafstörungen, Prader-Willi-Syndrom und Tinnitus, die trotz medikamentöser Therapie nicht beschwerdefrei sind. 

Geschäftsführer und Gründer von tVNS Technologies ist Prof. Armin Bolz, der seit Jahrzehnten in dem Bereich forscht: “Unser nicht-invasives Vagusnervstimulationsgerät darf jetzt nicht nur im Rahmen von klinischer Forschung angewendet werden, sondern kann für Patienten in einigen Krankheitsbildern in der Therapie angeboten werden. In unseren Augen ist das attraktiv, da die Anwendung unseres Geräts nicht mit einer Operation oder schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden ist“, erläutert Prof. Armin Bolz.       

Prof. Dr. Armin Bolz, Bild tVNS(Bild:)
Prof. Dr. Armin Bolz, Bild tVNS
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Technologie aus dem Herzen des Medical Valleys

Um die Forschung in diesem Gebiet weiter voranzubringen, engagiert sich das Unternehmen in zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Innovationsprojekten. In dem einen Projekt kooperiert man mit Prof. Gharabaghi vom Universitätsklinikum Tübingen zum Thema „Bedarfsgerechte Vagus-Nerv-Stimulation für die Rehabilitation nach Schlaganfall (BeVaReS)“. In dem anderen Projekt kooperiert das Unternehmen mit Prof. Julian König vom Universitätsklinikum Köln zum Thema „Entwicklung und Evaluation eines Systems zur transkutanen Vagusnervstimulation bei Depressionen im Kindes- und Jugendalter (tVNS-KJP)“ (Projektpartner:). 
 
Die tVNS Technologies GmbH startet von Erlangen aus, aus dem Herzen des Medical Valleys, die Vermarktung der innovativen Geräte weltweit. In Erlangen sitzt ein kleines Team, um die Weiterentwicklung und Vermarktung zu koordinieren. Das Unternehmen fertigt alle Produkte vor Ort mit lokalen Partnern, alles ist „Made in Germany“. Interessierte Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte können sich jederzeit mit Fragen an das Team der tVNS Technologies GmbH wenden.

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