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DIGITAL BUSINESS Transformation Leaders Podcast Künstliche Intelligenz in der Klinik: Vom Datenstau zum Smart Hospital

Das Gespräch führte Heiner Sieger 6 min Lesedauer

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Wie kommen Kliniken aus dem Digitalstau? Zukunftsforscher Nils Müller erklärt, warum alles mit Datenqualität und Interoperabilität beginnt, welche Partnerschaften den Durchbruch ermöglichen und wie „Human-in-the-Loop“ Ärzte und Pflege spürbar entlastet.

(Bild:  © Thavesak/stock.adobe.com)
(Bild: © Thavesak/stock.adobe.com)

DARUM GEHT'S

Warum Datenintegration und Interoperabilität die Voraussetzung für KI im Krankenhaus sind – und wie Kliniken jetzt pragmatisch starten.

Welche Rolle CTO, Cloud-Plattformen und Partner-Ökosysteme für das Smart Hospital spielen.

Wie „Augmented Doctor & Nurse“ und Weiterbildung Quick Wins für Personal und Patienten liefern.

Wie arbeitet ein Trendforscher eigentlich mit Kliniken zusammen – und woran erkennt man belastbare Zukunftsbilder statt Hype?

Nils Müller: Trendforschung hat drei Ebenen. Erstens der inhaltliche Blick: Wir beobachten ein Trenduniversum aus 18 Megatrends und rund 120 Makrotrends. Zweitens die Methode, mit der Unternehmen Zukunft handhabbar machen – Foresight: Szenarien, Backcasting, Forecasting, Trendradars und Milestone Planning verankern Trends in Strategie- und Innovationsarbeit. Drittens die Future Literacy: die Fähigkeit, im Unternehmen über Zukunft sprechen, priorisieren und entscheiden zu können. Wer diese drei Ebenen zusammenführt, macht aus Hype konkrete Roadmaps. Das gilt für Kliniken genauso wie für Unternehmen.

Innovation entsteht nicht im Silo, sondern entlang der durchgängigen Patient Journey – von der Zuweisung über Diagnostik und Therapie bis Reha und Nachsorge. Wer diese Kette digital schließt, hebt Qualität, Geschwindigkeit und Effizienz zugleich.

Nils Müller, Gründer und CEO von Trendone

Wo steht KI in deutschen Kliniken heute – und welches Missverständnis begegnet Ihnen am häufigsten?

Nils Müller: Es gibt Leuchttürme wie die Charité oder Häuser in NRW, Bayern, der Schweiz und Österreich. Aber der Mainstream ist stark hierarchisch und bürokratisch organisiert. Das sichert Ordnung, kostet aber Innovationskraft – und das ist gefährlich, weil träge Prozesse in der Versorgung reale Risiken erzeugen. Das häufigste Missverständnis: Man könne ohne solide Datenbasis „einfach KI einführen“. Ohne integrierte, zugängliche Daten bleibt jede KI-Pilotierung Stückwerk.

Können Sie die Lücke zwischen Anspruch und Klinikalltag an einem Beispiel illustrieren?

Nils Müller: Nehmen wir einen zentralen Bereich, die Patient Journey: Menschen füllen dieselben Formulare mehrfach aus, Abteilungen drucken, scannen, übertragen. Es fehlt ein klinikweiter Data Lake, der Daten aus allen Bereichen vernetzt. Solange Informationen in Silos liegen, entstehen Medienbrüche, Fehler und Wartezeiten – für Patienten, Pflege und Ärzte frustrierend und teuer.

Hören Sie sich das ausführliche Interview mit Nils Müller in unserem DIGITAL BUSINESS Transformation Leaders Podcast an

Wo liegen schnelle Hebel – was funktioniert heute schon besser?

Nils Müller: Ein echter Fortschritt ist, dass moderne Datenmodelle auch unstrukturierte Daten verarbeiten. In einem Data Lake können Bild-, Text-, Audio- oder Sensordaten gemeinsam nutzbar gemacht werden. Darauf lassen sich interoperable Anwendungen und KI-Modelle aufsetzen. Diese technische Basis macht fachliche Innovation erst möglich.

Auf Sicht von zehn Jahren: Welche technologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen prägen das Gesundheitswesen am stärksten?

Nils Müller: Drei Bewegungen treiben den Wandel. Erstens Prävention: ganzheitliche, kontinuierliche Gesundheitsvorsorge statt reiner Akutmedizin. Zweitens Personalisierung: Diagnostik, Therapie und Services werden datengetrieben individuell. Drittens DIY-Healthcare: Patientinnen und Patienten nutzen verlässliche Informationen, Wearables und KI-Agenten zur Selbststeuerung – vor, während und nach einem Klinikaufenthalt. Der größte Effekt entsteht an den Schnittstellen: Wenn Systeme, Akteure und Daten übergreifend zusammenspielen.

DER GESPRÄCHSPARTNER

Nils Müller ist Gründer und CEO von Trendone, einem der führenden Institute für Trendforschung und Corporate Foresight im deutschsprachigen Raum. Er unterstützt Unternehmen dabei, technologische Entwicklungen früh zu erkennen und in umsetzbare Strategien zu übersetzen – als Berater und internationaler Keynote-Speaker mit Fokus auf KI, Healthcare und Smart Hospital.

Digital Health – Smart Hospital
(Bild: Trendone)

Was bedeutet das konkret für Klinikverantwortliche?

Nils Müller: Vernetzung wird zur Kernkompetenz. Innovation entsteht nicht im Silo, sondern entlang der durchgängigen Patient Journey – von der Zuweisung über Diagnostik und Therapie bis Reha und Nachsorge. Wer diese Kette digital schließt, hebt Qualität, Geschwindigkeit und Effizienz zugleich.

Welche drei Prioritäten gehören in den nächsten 12 bis 24 Monaten ganz oben auf die Agenda, um KI wirksam und sicher nutzbar zu machen?

Nils Müller: Erstens Governance: Der CTO gehört ins Board. IT ist keine Serviceabteilung mehr, sondern strategischer Taktgeber und muss Investitionen und Prioritäten mitbestimmen. Zweitens Datenfundament: Interoperable Architektur, ein klinikweiter Data Lake, saubere Schnittstellen und klare Datenrechte. Drittens fokussierte Use Cases: Nicht „KI überall“, sondern wenige, gut definierte Anwendungsfälle mit klinischem Nutzen, die Skalierung ermöglichen.

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