DB Podcast

DIGITAL BUSINESS Transformation Leaders Podcast

Künstliche Intelligenz in der Klinik: Vom Datenstau zum Smart Hospital

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Erste Schritte, Build vs. Buy & Quick Wins

Viele Kliniken schreiben rote Zahlen. Womit starten, wenn Ressourcen knapp sind?

Nils Müller: Mit Maßnahmen, die medizinischen Nutzen und Effizienz gleichzeitig liefern. Kurzfristig kostet das, mittelfristig amortisiert es sich. Die Digitalisierung von Patienten- und Ärzte‑Journey, automatisierte Dokumentation, Termin- und Bettensteuerung oder Radiologie-Workflows sparen Zeit und Kosten – und verbessern die Versorgung.

Sie sagen: „Alles beginnt mit Daten.“ Welche ersten Schritte sichern deren saubere Erfassung am Point of Care?

Nils Müller: Drei Basics: erstens Standards und Schnittstellen definieren, zweitens Systemverträge so gestalten, dass die Klinik Daten rechtssicher nutzen darf, drittens möglichst viele relevante Datenquellen in den Data Lake integrieren – klinische, administrative und patientenseitige. Ohne diese Rechte- und Architekturarbeit blockieren Sie spätere KI-Projekte.

Stichwort „Build vs. Buy“: Welche Rolle spielen Partnerschaften mit Start-ups und MedTech – und mit welchen Plattformen kommen Kliniken schneller voran?

Nils Müller: Hyperscaler wie Microsoft Azure oder AWS sind heute die Wachstumshubs für Health-Start-ups. Wer dort andockt, bekommt Zugang zu geprüften Lösungen, Security-Services und Skalierung. Viele Anbieter sind längst Scale-ups mit Tausenden Kunden – das reduziert Integrationsrisiken und Time-to-Value.

,Human-in-the-Loop heißt, Menschen behalten die Entscheidungshoheit, KI entlastet von Routinen, steigert Qualität und gibt Zeit am Patientenbett zurück. Das spürt das Team schnell – wenn die ersten Quick Wins sichtbar sind.

Nils Müller, Gründer und CEO von Trendone

Wie finden Kliniken die richtigen Partner – und wie klappt die Zusammenarbeit?

Nils Müller: Starten sollten sie mit einem Use-Case-Portfolio: Wo sind die größten Pain Points? Wo ist der schnellste klinische und wirtschaftliche Return? Daraus ergeben sich Top-Cases – und die passenden Anbieter. Meine Empfehlung an Klinikverantwortliche: Nutzen Sie die Ökosysteme Ihrer Cloud-Partner, beteiligen Sie sich an Health-Innovation-Hubs, schauen Sie auf Referenzen anderer Kliniken und sprechen Sie früh mit potenziellen Partnern über Integration, Datenrechte und Governance.

Wo bleibt der Mensch? Wie gewinnen Kliniken Ärztinnen, Ärzte und Pflege für KI?

Nils Müller: Indem KI als Assistenzsystem verstanden wird: Augmented Doctor und Augmented Nurse. „Human-in-the-Loop“ heißt, Menschen behalten die Entscheidungshoheit, KI entlastet von Routinen, steigert Qualität und gibt Zeit am Patientenbett zurück. Das spürt das Team schnell – wenn die ersten Quick Wins sichtbar sind.

GLOSSAR

Interoperabilität: Nahtloser Datenaustausch zwischen IT-Systemen über Standards und Schnittstellen.

Data Lake: Zentrale, skalierbare Datendrehscheibe, die strukturierte und unstrukturierte Daten zusammenführt und für Analysen/KI nutzbar macht.

Foresight: Strategische Vorausschau mittels Methoden wie Szenarien, Forecasting oder Backcasting.

Future Literacy: Fähigkeit von Organisationen, über Zukunft zu sprechen, Optionen zu bewerten und Entscheidungen abzuleiten.

Patient Journey: Gesamte Versorgungskette vom Erstkontakt bis zur Nachsorge – klinisch und administrativ.

Human-in-the-Loop: KI unterstützt, der Mensch trifft die Entscheidung.

Augmented Doctor/Nurse: Digital erweiterte Fachkräfte, deren Arbeit durch KI-Tools effizienter und sicherer wird.

Ecosystem Economy: Wertschöpfung über Partnernetzwerke und Plattformen statt isolierten Silos.

Welche Quick Wins und Weiterbildungsformate haben sich bewährt, ohne den Betrieb zu stören?

Nils Müller: Es gibt Hunderte erprobte Use Cases in eHealth, Smart Hospital, Radiologie, Chirurgie oder Pflege – von automatisierter Dokumentation über Triage bis zu Bildanalyse und Robotik. Für die Qualifizierung funktionieren modulare Online-Formate, zum Beispiel „Learning Snacks“ von zwei bis drei Stunden, für unterschiedliche Berufsgruppen sehr gut. Optimal ist, wenn HR und Geschäftsführung das kuratieren; wo das fehlt, helfen berufsständische Angebote und Stiftungen – oft kostenfrei.

Blicken wir ins Jahr 2035: Woran erkennt man das Krankenhaus der Zukunft – und was sollten Kliniken schon morgen dafür starten?

Nils Müller: Das Krankenhaus der Zukunft ist Teil einer Ecosystem Economy. Es orchestriert Partnerschaften – von Zuweiser-Netzwerken über Telemedizin bis zu Reha- und Homecare-Services – und wirkt wie eine Plattform, die Patientinnen und Patienten mit den richtigen Services verbindet. Zweite Säule ist die Automatisierung: administrative, klinische und physische Prozesse laufen durchgängig digital unterstützt. Starten sollten Kliniken morgen mit Partnerschaftskompetenz, Governance, Einkaufs- und Datenmodellen dafür, einem robusten Datenfundament und zwei bis drei skalierbaren KI-Use-Cases mit klaren Outcome-Kennzahlen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung